Gut gesprochen, aber eigentlich kamen die Belgier nur unwesentlich über ein Randthema hinaus, denn hinter den Dingen lauerte versteckt die K-Frage, die wochenlang durch die Diskussionen der Fußball-Republik waberte. Doch am Mittwoch hat sich der Bundestrainer bekanntlich generell für den diesmal abwesenden Michael Ballack in der Kapitänsrolle entschieden, Lahm dient diesmal als Ersatz und nach Ballacks Rückkehr als zweiter Mann.
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Auch gegen Belgien und Aserbaidschan wird Philipp Lahm die Kapitänsbinde tragen. Was danach mit der Binde passiert, weiß nur der Bundestrainer. (© ddp)
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Der Münchner Rechtsverteidiger hatte eine flammende Bewerbung abgegeben, in der langen Findungsphase jedoch stets betont, selbst bei einer Ablehnung ändere sich nichts für ihn. "Diese Entscheidungen müssen immer akzeptiert werden, und das werden sie auch", sprach er, "das lernt man von klein auf im Fußball". Aber wer ihn beobachtete, kam kaum umhin festzustellen, dass er sich kurz, knapp und reichlich schmallippig äußerte, helle Freude jedenfalls sieht anders aus als das, was in Lahms Gesicht zu lesen war.
Qualifikation kommt von Qual
Im gewöhnlichen Berufsleben hat jeder Sachbearbeiter schwer zu schlucken, wenn der konkurrierende Kollege zum Abteilungsleiter aufrückt, das dürfte auch im Fußball nicht anders sein. Lahm aber hat sich entschieden, die Zurückweisung zu verdrängen: "Es geht nicht um enttäuscht oder nicht enttäuscht", er sei jetzt erst mal froh, die Mannschaft in den kommenden beiden Spielen (Dienstag geht es in Köln gegen Aserbaidschan) "aufs Feld führen zu dürfen. Darüber freue ich mich, das ist eine große Ehre". Es ist sicherlich klug, kein Bohei aus der Kapitänssache zu machen, zumal sich Philipp Lahm augenscheinlich nicht des Rückhalts einer Mannschaftsmehrheit sicher sein kann.
Sami Khedira beispielsweise misst der Angelegenheit geringe Bedeutung zu. "Ich denke", sagt der Mann aus Madrid, "dass die Mannschaft das Thema nie groß beschäftigt hat", das sei nur in der Öffentlichkeit anders. Fraktionsbildung gebe es mitnichten, wenngleich: "Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Michael Ballack Kapitän bleibt."
Und damit soll es dann auch gut sein, in den Vordergrund rückt nun, tunlichst einen Fehlstart nach der WM-Euphorie zu vermeiden. Das ist kein Selbstläufer, denn laut Auskunft von Joachim Löw "haben die Spieler noch nicht ihr hundertprozentiges Leistungsvermögen erreicht". Es fehlt an Rhythmus nach nur vierwöchiger Vorbereitung, "die Mannschaft muss sich in dieses Spiel gegen Belgien hineinquälen", fügt Assistent Flick an. Da kann man nur hoffen, dass die Zuschauer daheim am Fernseher sich am Ende nicht aus der Partie herausquälen müssen.
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(SZ vom 03.09.2010/dabi)
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Deutschland, der Topf-avorit. ;o