Fußball Milliardär will den TSV 1860 München retten

"Ich denke, dass 50+1 ziemlich egal ist, wenn man im Klub auf anständige Weise miteinander umgeht." - Gerhard Mey.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)
  • Ein Münchner Millardär, der sein Geld mit Autodächern und Cabriodach-Systemen verdient, will den TSV 1860 München retten.
  • Gerhard Mey könnte beim finanziell sehr angeschlagenen Regionalligisten einsteigen, fordert dafür aber Veränderungen im Klub.
Von Philipp Schneider

Der Mann, auf den halb München seit sechs Jahren wartet, kommt pünktlich. Man weiß das, weil er sogar auf die Sekunde pünktlich ist. Und weil er seinen Smart direkt vor der Kirche St. Elisabeth in Planegg parkt, deren Glocken in dem Augenblick elf Mal zu bimmeln beginnen, als der wuchtige Mann seine 1,90 Meter aus dem erstaunlicherweise gar nicht mal zu kleinen Fahrzeug schwingt. "In der Stadt gibt es kein besseres Auto", ruft einem der Milliardär aus dem Smart schon von der Straße entgegen: "Das Dach ist von uns. Schweineteuer in der Produktion, das kann ich sagen."

Dann lacht Gerhard Mey. Nicht zum letzten Mal an diesem Tag, an dem er den Prolog einer Geschichte erzählen wird, an deren Ende ein Neuanfang für den TSV 1860 München stehen könnte.

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Es ist ja in den vergangenen Jahren viel geredet worden im Umfeld von Sechzig über solvente und zuverlässige Investoren, die angeblich bereitstünden, um dem Jordanier Hasan Ismaik seine Anteile abzukaufen. Es wurde diskutiert über Männer, die sich angeblich nichts Schöneres vorstellen können, als den deutschen Meister von 1966, der mangels Geldes für die Drittligalizenz in der viertklassigen Regionalliga gestrandet ist, wieder in die Bundesliga zu bringen. Millionäre, die die Mittel und die unternehmerische Fähigkeit besitzen, 1860 aus dem Abgrund ans Licht zu führen. Nur ein Gesicht hatten diese Geschäftsmänner nie. Sie blieben Phantome. Mehr Gerücht als Geschichte.

Das Gegenteil einer Fata Morgana

Doch nun sitzt da am Samstag Gerhard Mey in der Ecke des Bräustüberls in Planegg, und er ist das Gegenteil einer Fata Morgana. Man darf sogar sagen, dass Mey so einnehmend ist, dass er eine ganze Ecke in der heimeligen Gaststube gut füllt - mit Körper, Stimme und Geist. Mey sagt: "Es ist ein unglaubliches Unglück, dass dieser Traditionsklub so unter die Räder geraten ist. Ich will ihn gerne dorthin führen, wo er hingehört, in die Bundesliga. Die Zeit rast. Wir dürfen nicht bummeln und müssen sofort wieder raus aus der Regionalliga." Man hat Sätze über die Bundesliga schon oft gehört bei 1860. Von Spielern, Trainern, Geschäftsführern, Präsidenten und Investoren. Nur wurde bekanntlich immer nichts aus solcherlei Ankündigungen.

Im Alter von zehn Jahren stand Mey mit seinem Großvater auf der Tribüne im Grünwalder Stadion. Er war dabei, als die Mannschaft um Rudi Brunnenmeier und Petar Radenkovic die Meisterschale nach Giesing holte. 51 Jahre später macht der Milliardär, der in Lindau am Bodensee geboren wurde und vom ersten Lebensjahr an in München aufwuchs, dem TSV 1860 und Investor Hasan Ismaik - zu dem er über Mittelsmänner bereits Kontakt aufgenommen hat - ein Angebot. Es ist ein Angebot, das Ismaik noch ablehnen könnte, wenn er sich mit Mey nicht über die Modalitäten einig wird. Eine Geschichte, die ganz einfach klingt, könnte also noch enorm kompliziert werden - wie eigentlich immer bei 1860.

Mey kann helfen. Er muss aber nicht. "Es wäre sicher nicht das lukrativste Geschäft meines Lebens", sagt Mey, "aber deshalb mache ich das ja nicht. Ich würde bei 1860 aus Leidenschaft einsteigen."

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Wenn Mey sich einkauft in den Klub, dann muss alles passen: Die finanziellen Mittel, um 1860 in die Bundesliga zu führen, hat er ohne Frage. Er hält 50 Prozent von Webasto, dem Weltmarktführer für Autodächer und Cabriodach-Systeme sowie Heiz- und Klimaanlagen. Selbst, als die Klimaanlage das Schiebedach bedrohte, fand Webasto Lösungen und stieg auf Cabrio- und Panoramadächer um. 3,2 Milliarden Euro Umsatz jährlich erwirtschaftet das Familienunternehmen, von dem die andere Hälfte Meys Onkel gehört; es beschäftigt inzwischen 12 500 Mitarbeiter und hatte es in seiner 116-jährigen Geschichte nie nötig, an die Börse zu gehen. "Wenn ich von mir zurückrechne, also der aktuellen Generation", sagt Mey und klappt zum Zählen den Daumen hoch, der fast so dick ist wie der Stamm einer Eiche, "dann ist da meine Mutter", er streckt den Zeigefinger, "meine Großmutter", der Mittelfinger, "mein Urgroßvater und mein Ururgroßvater", der schließlich dem kleinen Finger entspricht. "Also die fünfte Generation", sagt Mey. Jener Ururopa Wilhelm Baier war gelernter Handschuhmacher, er gründete das Unternehmen als Esslinger Draht- und Eisenwarenfabrik - ehe er nach Stockdorf bei München umzog. "Dort fand er ein Sägewerk mit Wasserrad an der Würm und begann von dort aus zu expandieren ", sagt Mey.