Der Weltverband Fifa ersetzt die alte Ethikkommission durch eine neue, nennt aber weder Bestimmungen noch Personal.
"Stopp, stopp", unterbrach Sepp Blatter aufgeregt, als der Kongress just die Installierung seines neuen Ethik-Komitees genehmigen sollte.
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Englands Vertreter hatte noch eine Verständnisfrage: "Ist der Prozess fair, wenn es künftig bei Verstößen kein Verfahren bei der Disziplinarkommission gibt und in manchen Fällen der Vorsitzende des Ethikkomitees allein entscheidet, ohne Verhandlung oder Anhörung?" Was man so hört.
Dies zwang Blatter, kurz auf das Kernproblem des neuen Sitten&Moral-Stabes im Weltfußball einzugehen: Die Spielregeln werden später nachgeliefert.
So verpasste sich die Fifa am Donnerstag in der Münchner Messe nur die Hülle einer Ethikkommission. Nach welchen Statuten das vorab als bahnbrechend gefeierte Vorhaben funktionieren und welche Personen es vorantreiben sollen, blieb im Dunkeln.
Festlegen soll dies das Exekutivkomitee, in den Monaten nach der WM. Immerhin 15 Verbandsdelegierte votierten gegen die vage Institution, die Fifa-Justitiar David Will launig als "Gerichtshof ohne Regeln" umschrieb. Die übrigen 180 Delegierten taten, was zu tun war: aufs Ja-Knöpfchen drücken.
Ein "Komitee für Fairplay und soziale Verantwortung" löst das frühere Fairplay/Ethik-Komitee ab, und worum es eigentlich geht bei diesem Hütchenspiel mit der Ethikfrage, zeigt der Blick auf die Entstehungsgeschichte des Kongress-Themas.
Im Februar war ein Sündenfall des Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner aufgeflogen, der über seine Familienfirma "Simpaul Travel" in Trinidad die 10.000 WM-Ticketsverhökern wollte, die seinem Heimatverband als WM-Teilnehmer zustehen.
Die Sache machte Wirbel, sogar die Regierung der Tropeninsel schaltete sich ein, Warner sprach von einer politischen Hetzkampagne und brachte seinen Fall vor das (alte) Ethikkomitee. Dieses erkannte, hoppla, einen Interessenskonflikt, es verwies die Sache an die Exekutive.
Warner, erbost darüber, dass der heikle Fall publik wurde, zog also in eine angespannte Sitzung mit den eigenen Vorstandskollegen, denen er erzählte, er habe alle Taue zur Firma "Simpaul" gekappt (zu deren Miteignern seine Söhne zählen) - und er hing gleich seinen Premierminister Patrick Manning hin, mit der pikanten Mitteilung, der habe bei Blatter angerufen und um WM-Tickets gebeten.
Blatter, heißt es, habe den Anrufer nur an einen Assistenten weitergereicht. Am Ende der Sitzung biss der Fifa-Boss mit dem Ansinnen, Warners Fall an die Disziplinarkommission weiterzuleiten, auf Granit beim Gros der lieben Vorstandskollegen: Die schluckten großmütig Warners Version einer Polit-Intrige.
Die Version von Jack, genannt "the Ripper", der über seine Fußball-Ehrenämter binnen kurzem schwerreich wurde und sich etwa die WM-Fernsehrechte für die Karibik wiederholt für jeweils einen Dollar zuschanzen ließ.
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