Warum Videobeweise im Fußball keine Probleme lösen, sondern nur neue schaffen würden.
Keine andere Sportart fasziniert die Massen so sehr wie der Fußball. Millionen Menschen sitzen Woche für Woche an den Fernsehschirmen oder pilgern in unsere modernen Fußballarenen, feiern und jubeln, leiden und trauern ob des Ausgangs eines Bundesligaspiels. Emotionen pur! Im Anschluss sind es dann die Diskussionen über die tatsächlichen und vermeintlichen Fehler der Protagonisten auf dem Spielfeld, welche die Fans weiter beschäftigen.
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Schiedsrichter Herbert Fandel sagt, dass der Videobeweis neue Probleme (© Foto: dpa)
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Der eigene Torwart, der in der 90. Minute einen eher harmlosen Schuss durch die Beine ins Netz rutschen ließ. Der Mittelstürmer, der kurz vor Schluss freistehend den entscheidenden Treffer nicht erzielt. Der Schiedsrichter, der einen klaren Elfmeter nicht pfiff. Es sind doch immer die Fehler, die den Ausgang eines Spiels bestimmen.
Fehler ist jedoch nicht gleich Fehler - so scheint es zu sein, denn in der öffentlichen Diskussion werden sehr oft Unterschiede gemacht: Während über die vergebene Torchance schon bald nicht mehr diskutiert wird, ist der Unmut über den ausgebliebenen (oder erfolgten) Pfiff des Schiedsrichters das Ärgernis schlechthin. Zeitlupen, Standbilder, Abstandskreise, dreidimensionale Animationen und Abseitslinien beleuchten im Fernsehen jede Spielsituation. Der Zuschauer ist immer nah am Geschehen, erhält Einblicke aus allen Perspektiven. Rasanten Duellen um den Ball wird auf diese Weise plötzlich die Geschwindigkeit entzogen und sie flimmern als völlig entfremdete Softkopien der Zweikämpfe über die Mattscheibe. Endlich wissen nun alle Zuschauer, woran sie sind. Oder etwa nicht?
"Her mit dem Videobeweis!", fordern jedenfalls in regelmäßigen Abständen die vermeintlich Schiedsrichter-Geschädigten, "diese Fehlerquelle muss aus unserem Spiel entfernt werden." Fest steht: Einzig und allein der Weltfußballverband Fifa hätte die Entscheidungshoheit, den Videobeweis einzuführen. Die Schiedsrichter werden immer nur ausführendes Organ bleiben. Nur wäre der Videobeweis keineswegs die erste technische Hilfe, die wir verwenden. Längst greifen wir auf solche Hilfen zurück.
Als Erstes wurden die Fahnen der beiden Schiedsrichter-Assistenten an den Seitenlinien mit einem Sender ausgestattet. Wenn der Assistent einen Knopf an seiner Fahne drückt, empfängt der Schiedsrichter einen Signalton. Darüber hinaus ist ein Kommunikationssystem zu einem unauffälligen Bestandteil des internationalen Fußballs geworden und wird weiter technisch verbessert. Es gibt uns die Möglichkeit, während des Spiels über ein Headset mit den Assistenten sowie dem vierten Offiziellen am Spielfeldrand zu sprechen.
Was aber ist von den Neuerungen zu halten, die die Fifa-Kommission für Regelfragen am vergangenen Wochenende diskutierte - von den Möglichkeiten, die sie verwarf, und von jenen, die sie nun erproben will? Den Chip im Ball lehnte sie ab. Dies wird sie in den nächsten Jahren hoffentlich noch einmal überdenken. Denn eine technisch ausgereifte und problemlose Hilfe bei der wichtigsten Frage des Spiels, ob nämlich der Ball im Tor ist oder nicht, käme uns Schiedsrichtern und dem Fußball sicherlich zugute.
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