Royalblaue Urnen neben dem Stadion - HSV-Anhänger können jetzt auf dem ersten Fußball-Friedhof Europas ihre letzte Ruhe finden.
Eine Lücke zwischen den alten Bäumen gibt den Blick auf das Stadion frei. Stoisch ragen die Metallpfosten des mächtigen Dachs in den Himmel. Nur ein Zaun und eine Straße trennen die halbovale Rasenfläche mit Blick aufs HSV-Stadion von dessen Eingang Süd-West. 80 Meter Abstand etwa. So nah kann ein Fan des Hamburger Sportvereins seinem Klub bleiben, auch wenn er tot ist. Denn die gerade erst angesäte Rasenfläche liegt auf dem staatlichen Friedhof Altona. In einem Jahr Bauzeit ist sie zum "Themengrabfeld HSV" umgestaltet worden.
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Im "VIP-Bereich" des Friedhofs findet man blau-weiße Bepflanzung in Rautenform. (© Foto: imago)
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Ein Fußballtor aus Beton, Originalmaß natürlich, markiert den Eingang. Rund um den Rasen erheben sich die Tribünen, auf drei ansteigenden Ebenen. Da kommen die Gräber hin. In knapp zwei Wochen wird der Platz eröffnet.
Todesangst im Tabellenkeller
"Wahre Leidenschaft kennt keinen Abpfiff", wirbt ein Hamburger Bestatter für die HSV-Beerdigung. Eine letzte Ruhestätte direkt am Stadion, Urnen in Blau-Weiß, mit der Vereinsraute verzierte Särge und die Stadionhymne am offenen Grab - alles ist möglich. HSV-Mitglieder erhalten Sonderkonditionen für die Bestattung "Schlusspfiff". Ist das Merchandising bis in den Tod die allerletzte Chance, Geld am Fan zu verdienen?
Bereits seit dem vergangenen Sommer können HSV-Anhänger die Vereinsurne oder den in Klubfarben lackierten Kiefernsarg kaufen. Vier Hamburger Bestattungsunternehmen haben die Lizenz. Den - teuren - Sarg hat noch keines von ihnen verkauft. Aber ein paar Urnen haben sie schon unter die Erde gebracht. Am 9. September eröffnet das Gräberfeld. Danach, glauben die Bestatter, wird sich das "Komplettpaket Abpfiff" besser verkaufen.
Der Friedhof Altona ist vielen HSV-Fans sehr nah. Tritt der Klub zu Hause an, nehmen um die 20.000 Stadionbesucher den Weg über die Kieswege hier. Ganz in der Nähe des Gräberfelds 21, XXV, der neuen Ruhestätte im Rücken der Westtribüne, verlassen sie das Gelände wieder. Aber auch auf dem Gräberfeld ist die Stadionhymne Hamburg, meine Perle gut zu hören, die Gesänge, der Torjubel. Vielleicht kommen frühere Kumpels nach dem Spiel ans Grab. Einem echten HSVer mag diese Nähe tröstlich erscheinen.
Die Lizenz für blau-weiße "Hardware"
Die Bestattung in allen Vereinsehren ist neu. Lediglich der argentinische Club Atlético Boca Juniors stellt Fans seit ein paar Jahren einen eigenen Friedhof zur Verfügung. Danach kommt gleich der HSV, "ein Imagevorteil", glaubt Vorstandsmitglied Christian Reichert: "Unser Plan weckt weltweit Aufmerksamkeit. Aber kein Kopfschütteln, sondern ernsthaftes Interesse." Das Konzept stammt nicht aus Vereinskreisen.
Die Fragen nach Gräbern in Stadionnähe brachten den Altonaer Friedhofsgärtner Lars Rehder und einen befreundeten Steinmetz auf die Idee. Parallel trat ein Mitarbeiter des Hamburger Großbestatters GBI, der Thanatologe Holger Langer, an den HSV heran: Der Einbalsamierer bat um eine Lizenz für blau-weiße "Hardware", also Urnen und Särge. Langer, selbst HSV-Mitglied, bekam immer wieder Anfragen auf den Tisch, hielt es aber rechtlich für heikel, unifarbene Urnen mit HSV-Aufklebern aus dem Fanshop zu bekleben.
HSV-Mann Reichert hatte erst Vorbehalte: Der Klub stand recht weit unten in der Tabelle, und mit Bestattungsberichten wollte man sich da lieber nicht schmücken. Aber mit steigendem Punktestand wuchs in der Vorstandsetage die Sympathie für die Friedhofs-Idee. Langer kann deshalb jetzt aus einem Karton hinter seinem Schreibtisch eine royalblaue Kupferurne mit HSV-Schriftzug herausziehen, Bestellnummer 13.265, für 295 Euro. Im Angebot ist auch eine schlankere Version mit Silberauflage, die an einen Fußballpokal erinnert und 390 Euro kostet. Der HSV-Sarg ist für 2350 Euro zu haben.
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Bergkirchweih in Erlangen
So etwas gibt es bei Barcelona glaube ich auch- oder war das bei Real Madrid?
So sieht unverkrampfter Umgang mit dem Tod aus. (Auch auf die Gefahr hin, daß bei schlechten Leistungen des HSV die bösen Kommentare schon vorprogrammiert sind)