Real ist neben Sporting Gijón und Recreativo Huelva die einzige Mannschaft der ersten Liga, die in jeder Partie Gegentreffer hinnehmen musste. Mittlerweile fragen sich sogar bisherige Schuster-Befürworter, ob der zunehmend kauzige Coach das 2007 angetretene Erbe des italienischen Meistertrainers Fabio Capellos bloß verwaltet und nun aufgebraucht hat. Vorgeworfen wird ihm angesichts von 1,72 Gegentreffern pro Partie ein Mangel an defensiver Strategie, ebenso eine eigentümliche Aufstellungspolitik.
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Am Grundübel Reals, für das Madrids Sportpresse das Wort "Asymmetrie" benutzt, ist er allerdings unschuldig. Weil Real sich bloß auf die Verpflichtung von Cristiano Ronaldo (Manchester United) konzentrierte, wurde die Transferperiode im Sommer verschlafen. Statt wie von Schuster gefordert die Flügelpositionen zu verstärken, wurde Robinho verscherbelt; in aller Hektik wurde Rafael van der Vaart vom HSV geholt, obwohl man den nicht braucht.
Dafür quillt die Krankenabteilung über, Schlüsselspieler wie Diarra, Pepe, Cannavaro und van Nistelrooy fehlen. Ausgerechnet jetzt, da die Qualifikation fürs Champions-League-Achtelfinale gesichert werden muss und in der Primera División die wahren Prüfungen bevorstehen: Es warten Villarreal, Sevilla, der überragende FC Barcelona und der FC Valencia.
Kandidaten Portugal und Ramos
Bislang kam Schuster zupass, dass Präsident Ramón Calderón die Hand über ihn hielt - wohl auch aus Eigensinn. Calderón steht bei einem Teil der Presse gehörig in der Kritik, vor wenigen Wochen kamen gar - unbelegte - Vorwürfe über Untreue auf. Bislang galt, dass Schuster den besten Blitzableiter für Calderón abgibt. Mittlerweile scheint Schuster es sich auch mit ihm zu verscherzen. "Der geht nicht ans Telefon, wenn ich ihn anrufe", soll Calderón geklagt haben.
Alternativen hat er: Schon mit der Verpflichtung Schusters hatte Calderón einen möglichen Feuerwehrmann installiert, Sportdirektor Miguel Angel Portugal, der angeblich gebeten wurde, sich auf die Amtsübernahme einzustellen. Gehandelt wird auch der bei Tottenham Hotspur soeben geschasste Juande Ramos, früher beim FC Sevilla tätig. Reals aktuelles Spiel jedenfalls wird in der spanischen Hauptstadt nicht mehr goutiert.
"Es fehlt Schmalz, Charakter, Präsenz, Ordnung, Zusammenhalt", sagte Klublegende Alfredo Di Stéfano. Als Kritik an Schuster wollte er das nicht verstanden wissen, offenbar flößt der grantelnde Blonde ihm Angst ein: "Nicht, dass der noch sauer wird."
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(SZ vom 13.11.2008)
Drogeriekette wird abgewickelt
Heynckes nach dem Gewinn der CL entlassen...
Del Bosque und Capello nach der Meisterfeier entlassen...
Anspruch und Wirklichkeit waren in Madrid immer schon ein großes Problem.
Es reicht gewissen Herren nicht Titel zu holen, sondern es muss dabei immer noch eine
ZIRKUSREIFE VORSTELLUNG abgeliefert werden.
Der Trainer der alle (Vorstand, Fans, die liebe spanische Presse) zufrieden stellt muss erst noch erfunden werden.
Bei soviel "Sportkompetenz" im Umfeld wird man sich in Madrid an kleiner Brötchen gewönnen müssen.
@Wildpig
Das hast du alles schön erkannt und treffend umschrieben. Allerdings stört der letzte Satz doch gewaltig.
Bernd Schuster ist wohl einer der eingebildetsten, schrulligsten und arrogantesten Trainer im Fußballzirkus - neben Mourinho! Von Sympathie keine Spur.
Die schwachen Leistungen Reals sind m.E. kein Zufall, betrachtet man den aktuellen Kader, muss man sich ob der durchwachsenen Leistungen nicht wundern.
Hier ist im Gegensatz zu früher viel Durchschnitt versammelt, "Galaktisches" kann ich kaum erkennen.
Einzig verbliebener Superstar der einst Galaktischen ist Stürmerstar Raul, welcher inzwischen jedoch auch-wie Van Nistelroy-in die Jahre gekommen ist und von dem man nicht erwarten kann, dass er die Kohlen aus dem Feuer zieht.
Durchschnitt sind für mich vor allem die ganzen Holländer, Schönwetterfussballer sind das, das zeigen sie uns doch auch regelmässig mit ihrer Nationalmannschaft, mal Hop, mal Top-ein Van der Vaart hat schlicht und ergreifend nicht die Klasse für einen Verein wie Real.
Anstatt spanische Spieler dieser fantastischen Europameisterschaftsmannschaft zu verpflichten, vertraut man eher auf mittelmässige Legionäre, das "Weltklubimage" scheint hier den Ausschlag zu geben-man fragt sich schon, weshalb die Xabi Alonsos, Torres, Villas, Sennas, Fabregas oder Villas nicht bei Real unter Vertrag stehen...?!
Schade um den sympathischen Bernd Schuster, mit dieser Mannschaft kann er wenig gewinnen...
@ kirkd:
Ich möchte Ihnen gerne vollkommen zustimmen, jedoch ist mir der leicht ironische Ton der allerletzten Anmerkung über den "überragenden" Spitzenreiter Barcelona nicht entgangen.
Ich möchte mal schwer behaupten, das Barcelona die Madrilenen in dieser Saison zweimal in einer phänomenalen Art und Weise schlagen wird. Vorausgesetzt natürlich, dass Barcelona die bisherigen Leistungen beibehalten kann.
Jaja, so ist das bei Real Madrid. Trainer ohne Erfolg werden sofort entlassen. Trainer die Meister werden, bei der nächsten Gelegenheit (del Bosque, Schuster) oder sogar noch davor (Capello).
Aber halt. Die Leistung ist ja katastrophal. Schließlich liegt Real Madrid quasi nicht aufholbar immerhin 2 (zwei!) Punkte hinter dem "überragenden" Spitzenreiter Barcelona.