Real Madrids Trainer Bernd Schuster wird von allen Seiten heftig kritisiert. Ersatz für den Deutschen steht schon bereit.
Der Dienstag war nahezu erschöpft, Real Madrids Debakel gut eine Stunde alt, da erschien Trainer Bernd Schuster im Pressesaal des Estadio Santiago Bernabéu und legte einen Auftritt von erinnerungswürdiger Skurrilität hin. 4:3 hatte seine Mannschaft gegen Real Unión de Irún im Königspokal gewonnen und war, wegen der 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel, doch aus dem Wettbewerb geflogen.
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Steht in der Kritik: Real Madrids Trainer Bernd Schuster (© Foto: Getty)
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Zum ersten Mal, seit der Pokal in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, wurde Spaniens Rekordmeister von einem drittklassigen Team aus dem Wettbewerb geworfen. Scham ließ Schuster nicht erkennen, und auch die Vorwürfe an die eigene Belegschaft hielten sich in Grenzen, als die Pressekonferenz drei Minuten alt geworden war.
Warum so viele Gegentore? "Keine Ahnung"
Wie es sein könne, dass Real Madrid so viele Tore kassiert? Gleich sechs von einem Drittligisten in zwei Partien?, wollte ein Reporter wissen.
"Keine Ahnung. Kann ich dir nicht weiterhelfen", sagte Schuster.
Sind Sie um ihren Job besorgt? "Ich nicht. Aber ich kann verstehen, dass andere es sind. Sie haben jedes Recht dazu. Ist nur logisch", sagte er.
Wer sind "die anderen?"
Knapp zwanzig Sekunden lang schwieg Schuster. Dann zog der Presseattaché von Real Madrid die Notbremse und erklärte die Fragerunde für beendet. Dann stand Schuster auf. Und ließ das Rätsel ungelöst im Raum zurück.
Gut möglich, dass Mister Ahnungslos sich auf das Krisenkabinett des Präsidiums bezog, 35 Minuten lang hatte es die Köpfe auf der Vip-Etage des Bernabéu-Stadions zusammengesteckt. Vielleicht zielte Schuster aber auch bloß auf seine Feinde in den Sportredaktionen, sie erreichen Kompaniestärke. Zwar nahm die Zeitung Marca Schuster in ihrem Leitartikel in Schutz.
Lust auf "zwei Kugeln"
An anderer Stelle der Mittwoch-Ausgabe durfte ein Brachialkolumnist jedoch sogar zu Papier bringen, dass er Lust verspüre, "zwei Kugeln auf die Bank" abzufeuern. "Hier müssen Köpfe rollen!", befand ein anderer Kommentator. Angeblich soll bereits ein Ultimatum beschlossen worden sein. Sollte Real am Samstag in Valladolid verlieren, wäre Schusters Anstellung Geschichte. Unklar ist jedoch, ob die Stimmung erst geschürt oder bloß aufgenommen wird.
Fakt ist, dass Schuster im Klub seit einiger Zeit umstritten ist. Der Unmut über seine mal drolligen, mal prolligen Auftritte vor der Presse, die sich so gar nicht mit dem Selbstbild des Vereins vereinbaren lassen, ist längst in sportliche Zweifel gemündet. Woche um Woche verstärkt sich der Eindruck, dass jede Elf dieses Sonnensystems die Galaktischen von Real Madrid taktisch, technisch und strategisch entblößen kann.
So sehr sich Kapitän Raúl in einem Akt der Selbstkasteiung auf die Brust schlug ("wir waren des Trikots von Real Madrid nicht würdig"), bemaß sich das Drama gegen Irún ja nicht am Ausscheiden als solchem. Die Copa del Rey hat Real Madrid seit 1993 nicht mehr gewonnen. Die Pokal-Blamage, die Romo durch sein letztminütiges Tor zum 4:3 besiegelte, wurde bei Real vor allem deshalb als ruinös empfunden, weil sie sich mit der Macht der Logik in den Saisonverlauf einpasste.
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Berliner Zeitung
Heynckes nach dem Gewinn der CL entlassen...
Del Bosque und Capello nach der Meisterfeier entlassen...
Anspruch und Wirklichkeit waren in Madrid immer schon ein großes Problem.
Es reicht gewissen Herren nicht Titel zu holen, sondern es muss dabei immer noch eine
ZIRKUSREIFE VORSTELLUNG abgeliefert werden.
Der Trainer der alle (Vorstand, Fans, die liebe spanische Presse) zufrieden stellt muss erst noch erfunden werden.
Bei soviel "Sportkompetenz" im Umfeld wird man sich in Madrid an kleiner Brötchen gewönnen müssen.
@Wildpig
Das hast du alles schön erkannt und treffend umschrieben. Allerdings stört der letzte Satz doch gewaltig.
Bernd Schuster ist wohl einer der eingebildetsten, schrulligsten und arrogantesten Trainer im Fußballzirkus - neben Mourinho! Von Sympathie keine Spur.
Die schwachen Leistungen Reals sind m.E. kein Zufall, betrachtet man den aktuellen Kader, muss man sich ob der durchwachsenen Leistungen nicht wundern.
Hier ist im Gegensatz zu früher viel Durchschnitt versammelt, "Galaktisches" kann ich kaum erkennen.
Einzig verbliebener Superstar der einst Galaktischen ist Stürmerstar Raul, welcher inzwischen jedoch auch-wie Van Nistelroy-in die Jahre gekommen ist und von dem man nicht erwarten kann, dass er die Kohlen aus dem Feuer zieht.
Durchschnitt sind für mich vor allem die ganzen Holländer, Schönwetterfussballer sind das, das zeigen sie uns doch auch regelmässig mit ihrer Nationalmannschaft, mal Hop, mal Top-ein Van der Vaart hat schlicht und ergreifend nicht die Klasse für einen Verein wie Real.
Anstatt spanische Spieler dieser fantastischen Europameisterschaftsmannschaft zu verpflichten, vertraut man eher auf mittelmässige Legionäre, das "Weltklubimage" scheint hier den Ausschlag zu geben-man fragt sich schon, weshalb die Xabi Alonsos, Torres, Villas, Sennas, Fabregas oder Villas nicht bei Real unter Vertrag stehen...?!
Schade um den sympathischen Bernd Schuster, mit dieser Mannschaft kann er wenig gewinnen...
@ kirkd:
Ich möchte Ihnen gerne vollkommen zustimmen, jedoch ist mir der leicht ironische Ton der allerletzten Anmerkung über den "überragenden" Spitzenreiter Barcelona nicht entgangen.
Ich möchte mal schwer behaupten, das Barcelona die Madrilenen in dieser Saison zweimal in einer phänomenalen Art und Weise schlagen wird. Vorausgesetzt natürlich, dass Barcelona die bisherigen Leistungen beibehalten kann.
Jaja, so ist das bei Real Madrid. Trainer ohne Erfolg werden sofort entlassen. Trainer die Meister werden, bei der nächsten Gelegenheit (del Bosque, Schuster) oder sogar noch davor (Capello).
Aber halt. Die Leistung ist ja katastrophal. Schließlich liegt Real Madrid quasi nicht aufholbar immerhin 2 (zwei!) Punkte hinter dem "überragenden" Spitzenreiter Barcelona.