Von Javier Cáceres

Real Madrids Trainer Bernd Schuster wird von allen Seiten heftig kritisiert. Ersatz für den Deutschen steht schon bereit.

Der Dienstag war nahezu erschöpft, Real Madrids Debakel gut eine Stunde alt, da erschien Trainer Bernd Schuster im Pressesaal des Estadio Santiago Bernabéu und legte einen Auftritt von erinnerungswürdiger Skurrilität hin. 4:3 hatte seine Mannschaft gegen Real Unión de Irún im Königspokal gewonnen und war, wegen der 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel, doch aus dem Wettbewerb geflogen.

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Steht in der Kritik: Real Madrids Trainer Bernd Schuster (© Foto: Getty)

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Zum ersten Mal, seit der Pokal in Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, wurde Spaniens Rekordmeister von einem drittklassigen Team aus dem Wettbewerb geworfen. Scham ließ Schuster nicht erkennen, und auch die Vorwürfe an die eigene Belegschaft hielten sich in Grenzen, als die Pressekonferenz drei Minuten alt geworden war.

Warum so viele Gegentore? "Keine Ahnung"

Wie es sein könne, dass Real Madrid so viele Tore kassiert? Gleich sechs von einem Drittligisten in zwei Partien?, wollte ein Reporter wissen.

"Keine Ahnung. Kann ich dir nicht weiterhelfen", sagte Schuster.

Sind Sie um ihren Job besorgt? "Ich nicht. Aber ich kann verstehen, dass andere es sind. Sie haben jedes Recht dazu. Ist nur logisch", sagte er.

Wer sind "die anderen?"

Knapp zwanzig Sekunden lang schwieg Schuster. Dann zog der Presseattaché von Real Madrid die Notbremse und erklärte die Fragerunde für beendet. Dann stand Schuster auf. Und ließ das Rätsel ungelöst im Raum zurück.

Gut möglich, dass Mister Ahnungslos sich auf das Krisenkabinett des Präsidiums bezog, 35 Minuten lang hatte es die Köpfe auf der Vip-Etage des Bernabéu-Stadions zusammengesteckt. Vielleicht zielte Schuster aber auch bloß auf seine Feinde in den Sportredaktionen, sie erreichen Kompaniestärke. Zwar nahm die Zeitung Marca Schuster in ihrem Leitartikel in Schutz.

Lust auf "zwei Kugeln"

An anderer Stelle der Mittwoch-Ausgabe durfte ein Brachialkolumnist jedoch sogar zu Papier bringen, dass er Lust verspüre, "zwei Kugeln auf die Bank" abzufeuern. "Hier müssen Köpfe rollen!", befand ein anderer Kommentator. Angeblich soll bereits ein Ultimatum beschlossen worden sein. Sollte Real am Samstag in Valladolid verlieren, wäre Schusters Anstellung Geschichte. Unklar ist jedoch, ob die Stimmung erst geschürt oder bloß aufgenommen wird.

Fakt ist, dass Schuster im Klub seit einiger Zeit umstritten ist. Der Unmut über seine mal drolligen, mal prolligen Auftritte vor der Presse, die sich so gar nicht mit dem Selbstbild des Vereins vereinbaren lassen, ist längst in sportliche Zweifel gemündet. Woche um Woche verstärkt sich der Eindruck, dass jede Elf dieses Sonnensystems die Galaktischen von Real Madrid taktisch, technisch und strategisch entblößen kann.

So sehr sich Kapitän Raúl in einem Akt der Selbstkasteiung auf die Brust schlug ("wir waren des Trikots von Real Madrid nicht würdig"), bemaß sich das Drama gegen Irún ja nicht am Ausscheiden als solchem. Die Copa del Rey hat Real Madrid seit 1993 nicht mehr gewonnen. Die Pokal-Blamage, die Romo durch sein letztminütiges Tor zum 4:3 besiegelte, wurde bei Real vor allem deshalb als ruinös empfunden, weil sie sich mit der Macht der Logik in den Saisonverlauf einpasste.

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