Fußball in Griechenland Ivan, der Schreckliche mit dem Revolver

  • Ivan Savvidis, Besitzer des griechischen Fußballklubs PAOK Saloniki, stürmt am Sonntag mit einem Revolver auf das Spielfeld.
  • Er ist nicht damit einverstanden, dass der Schiedsrichter ein Tor aberkennt im Spiel gegen AEK Athen.
  • Ob Savvidis allerdings vom Verband bestraft wird, bleibt in den Wirren des griechischen Fußballs fraglich.
Von Tobias Schächter

Die Anhänger von PAOK Saloniki nennen Ivan Savvidis mit einer gewissen Achtung: Ivan, den Schrecklichen. Darin liegt ein Verweis auf die Heimat des vor 58 Jahren in der Sowjetunion geborenen Unternehmers, der 2012 die Mehrheit an dem Traditionsklub erwarb. Öffentlich lässt sich der als Putin-nah geltende Oligarch, der von 2003 bis 2011 Abgeordneter für die Regierungspartei "Einiges Russland" in der Duma war und als einer der 30 reichsten Russen gilt, in Griechenland von einem Dolmetscher übersetzen. Am Sonntagabend aber verzichtete Ivan Savvidis auf einen Übersetzer. Seine Handlungen in der finalen Phase des Spitzenspiels zwischen PAOK und AEK Athen sprachen für sich.

Verstörende Szenen liefert der griechische Vereinsfußball regelmäßig. Doch was Savvidis im Stadion Toumba in Saloniki aufführte, ist selbst für die skandalträchtige Super League ein Novum. Nachdem Schiedsrichter Giorgos Kominis dem vermeintlichen Siegtor zum 1:0 für Saloniki in der 89. Minute nach Rücksprache mit seinem Linienrichter die Anerkennung verwehrte, stürmte Savvidis auf den Platz. Der Treffer von Gustavo Varela war aberkannt worden, weil ein PAOK-Spieler den AEK-Torwart in Abseitsposition behindert hatte, eine vertretbare Entscheidung.

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Savvidis sah es anders. Mit einem Revolver im Halfter, befestigt am Gürtel seiner Hose, beschimpfte er Schiedsrichter und gegnerische Offizielle. Dabei war er von seinen eigenen Leibwächtern kaum zu bändigen. In griechischen Medien ist zu lesen, dass Savvidis nach Aussagen von AEK-Offiziellen zu Schiedsrichter Kominis gesagt haben soll: "Du bist ein toter Mann."

Der eingeschüchterte Kominis flüchtete mit seinen Assistenten in die Kabine. Dort soll er zwei Stunden später den Kapitänen beider Teams mitgeteilt haben, dass er das Tor doch anerkenne und die Partie zu Ende gespielt werden solle. Tabellenführer AEK Athen, mit 54 Punkten zwei Zähler vor PAOK und einen vor Olympiakos Piräus positioniert, verweigerte die erneute Spielaufnahme. Nun entscheidet die Sportjustiz über den Ausgang der Partie. Sie kann sich Zeit lassen. Angesichts des Platzsturms von Savvidis setzte die griechische Regierung am Montag nach Rücksprache mit dem europäischen Fußball-Verband Uefa den Spielbetrieb der Super League "auf unbestimmte Zeit" aus. Sportminister Georgios Vassiliadis erklärte nach einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten Alexis Tsipras: "Die Bilder mit Funktionären, die bewaffnet auf das Spielfeld gehen, werfen uns viele Jahre zurück. Ohne eine von allen Seiten getroffene Vereinbarung wird es keinen Neustart geben." Die vom Deutschen Michael Skibbe betreute Nationalmannschaft sei von den Sanktionen nicht betroffen, heißt es.

Bereits in der Vergangenheit wurde der Betrieb der Super League einige Male unterbrochen. Spielmanipulation, Korruption, Fangewalt und Attentate auf Schiedsrichter sorgen seit Jahren für chaotische Verhältnisse, Spielabbrüche und Geisterspiele sind keine Ausnahme. Die Wirtschaftskrise verschärfte die finanzielle Not vieler Klubs, die Liga leidet unter Zuschauerrückgang und dem erbitterten Kampf der schwerreichen Besitzer der Spitzenklubs um die Vormacht. Die Atmosphäre ist vergiftet, niemand weiß, wie der Klubfußball beruhigt werden kann.