Fußball in England Wie Liverpool das "Klopp-Final" herbeisehnt

Im Spiel gegen Augsburg unter Strom, nachher voller Frühlingslaune: Liverpools Trainer Jürgen Klopp.

(Foto: AP)
  • Jürgen Klopp könnte an diesem Abend als erster deutscher Trainer einen Titel in England gewinnen.
  • Doch vor dem Endspiel im Ligapokal wackelt seine Elf.
Von Jonas Beckenkamp

Die T-Shirt-Verkäufer in der Liverpooler Innenstadt waren unter der Woche nicht zu beneiden, schließlich wehte ihnen aus der Irischen See ein bitterkalter Wind ins Gesicht. Aber die Briten sind ja hart im Nehmen, und so boten die Männer an ihren Ständen tapfer ihre Ware an. Sie hatten rote Leibchen im Sortiment, auf denen der Spruch "We're going to the Klopp Final" aufgedruckt war.

Das Wortspiel bezog sich nicht etwa auf die Europa-League-Partie gegen Augsburg (1:0), sondern auf jenes Duell, das auf der Insel ohnehin alle viel wichtiger finden: Das Endspiel des League Cups am Sonntag (17 Uhr) gegen ManCity.

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Der Trip nach Wembley ist in dieser Saison der kürzeste Weg zu einem Titel für die "Reds", das weiß auch Jürgen Klopp. Er könnte als erster deutscher Trainer im englischen Profifußball eine Trophäe gewinnen. Dass der Ligapokal neben der Meisterschaft und dem FA Cup in Wahrheit nur der drittwichtigste Wettstreit in England ist, tut der Erwartungshaltung keinen Abbruch.

Liverpool will diesen Pokal, auch wenn er auf der Insel oftmals als "Mickey Mouse Cup" verschmäht wird. Sportlich würde ein Triumph zudem einen netten Nebeneffekt mit sich bringen: Der Sieger qualifiziert sich direkt für die Europa League der kommenden Saison.

Klopp ist längst zum Pragmatiker geworden

Von den europäischen Plätzen ist der FC Liverpool in der Premier League als Tabellenachter derzeit ein ganzes Stück entfernt. Klopp war deshalb froh, dass sich sein Team am Donnerstag gegen Augsburg nicht ablenken ließ von der großen Aufgabe am Wochenende.

Nach dem Bibber-Sieg gegen den Außenseiter aus Germany gab er sich erleichtert: "Es fühlt sich tausend Mal besser an, so in dieses Finale zu gehen, als wenn wir gegen Augsburg einen mitgekriegt hätten." Der Coach musste zwar ein weiteres Mal miterleben, wie sein Team in strukturarmen Bolzplatzfußball verfiel, aber Klopp ist in Sachen Spielkultur längst zum Pragmatiker geworden.

"Wir nehmen eine Menge Selbstvertrauen mit aus dem Europapokal, aber wir wissen natürlich: City hat zuletzt auch ein tolles Spiel gemacht in Kiew." Das 3:1 der Citizens in der Champions League hat die Öffentlichkeit in England wohlwollend verfolgt. Nicht wenige halten City international für den konkurrenzfähigsten Contender aus dem Königreich. Ironischerweise hatten Klopps Liverpooler ausgerechnet beim Ligaspiel in Manchester ihren glanzvollsten Saison-Auftritt - ein 4:1 lieferte damals die Blaupause dafür, wie der Klopp-Fußball eigentlich aussehen sollte: Rasantes Umschaltspiel, unerbittliches Pressing, stählerne Physis.

Klopp freut sich: "Das Los ist großartig"

Doch die Feinjustierung seiner Spielidee musste Klopp seither vertagen. Zu wackelig präsentierte sich seine von Ausfällen gezeichnete Elf, zu unkonstant waren die Leistungen. Eine massive Steigerung sei dringend nötig, forderten am Freitag gleich mehrere Zeitungen. Klopps wichtigste Aufgabe besteht in diesen Wochen darin, seine Männer punktuell auf die verschiedenen Herausforderungen einzustellen.