Nie mehr teuer und alleine zu Auswärtsspielen: Das ist die Idee der erfolgreichen Mitfahr-Börse "ichfahrauswaerts.de". Doch nicht alle Fans kommen dort zum Zug.
Seit einigen Jahren gibt es nun das sogenannte Web 2.0, und längst hat das Mitmach-Internet auch die Welt des Fußballs durchdrungen. 2009 kann sich der geneigte Fußballfan entscheiden, ob er in Foren und Blogs über das Schicksal seines Lieblingsvereins diskutieren - oder gleich doch lieber unmittelbaren Einfluss auf die Transferpolitik üben will. Projekte wie "deinfussballclub.de" oder "unserfussballclub.de" machen es möglich.
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100 Mann in einem Auto: Auch so kann der gemeine Fußball-Fan zum Auswärtsspiel reisen. (© Foto: dpa)
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Ein Web-2.0-Spielzeug der pragmatischen Sorte heißt "Ich fahr auswärts" und ist seit September 2008 online. Hinter dem etwas holprigen Titel, der auch ein Album eines Berliner Gangsta-Rappers zieren könnte, verbirgt sich eine Plattform für reiselustige Fußballfans, die unter www.ichfahrauswaerts.de Mitfahrgelegenheiten zu Heim- und Auswärtsspielen des Vereins ihrer Wahl finden.
Dort können sich Bielefeld-Fans aus München (ja, so etwas gibt es tatsächlich) verabreden, um gemeinsam mit dem Auto zum Heimspiel der Arminia gegen Bochum zu fahren. Dortmunder Fanklubs können überzählige Plätze in ihrem Bus anbieten, der das Auswärtsspiel bei den Bayern ansteuert. Das schafft Geselligkeit, schont die Umwelt und ist in den meisten Fällen billiger, als auf öffentliche Verkehrsmittel zu setzen.
Wie es sich für das Mitmach-Internet gehört, sind die Erfinder zwei Studenten: Benjamin Lutz (Sozialpädagogik) suchte vergeblich nach einem Weg, preisgünstig von seinem Studienort Heidenheim ins rund 220 Kilometer entfernte Mannheim zu kommen, wo sein Herzensklub Waldhof spielt. Lutz' Mitstreiter Christian Eckenweber lieferte als Student der Wirtschaftsinformatik die nötigen Programmierkenntnisse.
Das Konzept des Duos hat seit dem Start im September 2008 bereits 1158 Mitglieder angelockt - "das ist der Hammer", findet Lutz. Die Teilnahme ist kostenlos und erfordert nur eine kurze Registrierungsprozedur. Von der Bundesliga über den DFB-Pokal und die Nationalmannschaft bis hin zu den Regionalligen sind alle Spiele im Angebot, 573 freie Mitfahrplätze zählt die Datenbank in der Woche vor Rückrundenbeginn.
Teure und einsame Fahrten könnten der Vergangenheit anhören, sieht man von kleineren Schwächen ab: Von den 573 Mitfahrplätzen entfallen 177 auf Fahrten zu Spielen von Borussia Dortmund, 110 Plätze sind für Bayern-Fans reserviert. Wer Hoffenheim oder Leverkusen die Treue hält, guckt derzeit in die Röhre. "Die meisten Inserate richten sich an Bayern-, Dortmund-, Schalke- und Bremen-Fans", sagt Benjamin Lutz.
Vorsicht bei Zug-Fahrten
Vorsicht ist bei Inseraten angebracht, die sich ein Schönes-Wochenende-Gruppenticket der Deutschen Bahn zu Nutze machen: Maximal fünf Fans pro Ticket sind erlaubt. Sie müssen allerdings denselben Abfahrtsort haben - ein Zusteigen auf dem Weg zum Stadion, wie auf ichfahrauswaerts.de teilweise angeboten, ist laut den Bestimmungen der Bahn nicht gestattet.
Bislang haben die Gründer an ihrer Website keinen Cent verdient. In den kommenden Tagen soll nun erstmals Werbung geschaltet werden, mit der die Serverkosten finanziert werden sollen. An eine Kommerzialisierung will Lutz dennoch nicht denken.
Im Angebot von ichfahrauswaerts.de ist sie jedoch längst im Gange: Reiseveranstalter bieten Komplettpakete zu Spielen der Bayern an - inklusive "Übernachtung in einem gepflegten Hotel und sämtliche Getränke auf der Fahrt". So geht es der Fan-Mitfahrbörse wie jedem Geheimtipp: Erst kommt der Hype, dann der Ausverkauf. Als nächstes Ziel hat Benjamin Lutz die Schallmauer von 10.000 Mitgliedern angepeilt. "Das", sagt der Student, "wäre der Oberhammer."
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(sueddeutsche.de/aum/hum)
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