Von Thomas Hummel

Im Handball, Volleyball, Basketball und Eishockey hat die Stadt seit Jahren wenig zu bieten. Es fehlt eine Halle und eine Lobby in der Politik. Die sonnt sich gerne im Glanz des FC Bayern.

Ein Brunch bei der Mutter eines Spielers brachte 260 Euro, der "Wohnungsputz von Steffi und Verena" 150 Euro. Der Einpeitscher in der Kurve wurde für 80 Euro als Marktschreier gemietet. Die höchsten Einnahmen versprachen ein Flohmarkt und ein Schafkopfturnier. Weil dem Eishockey-Zweitligisten EHC München der Hauptsponsor absprang und der Verein vor dem Aus stand, sammelten die Fans Geld. Es kamen 22.742 Euro zusammen. Das allein reichte zwar nicht, aber die ungewöhnlichen Aktionen erregten so viel Aufmerksamkeit, dass im letzten Moment ein neuer Geldgeber gefunden wurde. Der EHC bleibt zweitklassig.

München Arena

Die Stadtbewohner entschieden per Bürgerentscheid, dass die neue Fußball-Arena gebaut wird. Für Hallensportarten bleibt da nur wenig Geld übrig. (© Foto: dpa)

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Diese Geschichte handelt dabei nicht in einem bisher unbekannten München, irgendwo in einem strukturschwachen Landstrich nahe Polen. Die bayerische Landeshauptstadt, vielleicht die reichste Stadt der Republik, ist im Hochleistungssport beklemmend eindimensional, der Fußball beherrscht das Alltagsgeschäft. Die traditionsreichen Mannschaftsspiele Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey sind seit Jahrzehnten nur selten erstklassig. Und Vereine, die es versuchen, stehen meist schnell vor dem finanziellen Ruin.

Schwabing will keinen Erstligisten mehr

Auch im Basketball rettete zuletzt nur eine Solidaritätswelle von unten hochklassigen Sport in der Stadt. Fans spendeten Geld, die Szene mobilisierte all ihre Kräfte, um die Frauen-Bundesligisten des MTSV Schwabing nicht sterben zu lassen. Der MTSV verweigert den Frauen, immerhin Pokalfinalist, den Zuschuss von 30.000 Euro und will sich auf den Breitensport konzentrieren. Der Nachbarverein München Basket nimmt nun die Mannschaft auf und binnen weniger Tage fanden sich mehrere Sponsoren, die insgesamt 75.000 Euro geben. München bleibt Erstliga-Frauen-Basketball (vorerst) erhalten.

"Die Probleme dieser Sportarten ziehen sich wie ein roter Faden durch die letzten 20 Jahre", sagt Sportamtsleiter Rudolf Behacker. Die Handballer aus Schwabing und Milbertshofen machten Anfang der neunziger Jahre Pleite, seitdem werden die Bälle in Schulturnhallen geworfen. Inzwischen sind drei Volleyballvereine in der Versenkung verschwunden, die Basketball-Männer werfen unterklassig ihre Körbe.

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