Von Jens Weinreich

Fifa-Chef Blatter bekommt für die Präsidentenwahl 2011 einen starken Gegenkandidaten. Zwei bislang verfeindete Funktionäre wollen Blatter mit aller Macht stürzen.

Im Fußball-Weltverband Fifa steht ein Machtwechsel bevor. Die beiden einflussreichsten asiatischen Fußballfunktionäre haben sich gegen Fifa-Präsident Joseph Blatter, 73, verbündet und eine Gegenkandidatur für die Präsidentenwahl 2011 angekündigt.

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Ihm droht 2011 die Ablösung: Fifa-Präsident Joseph Blatter (© Foto: Reuters)

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Asiens Konföderationschef Mohamed Bin Hammam (Katar) und der Milliardär Chung Mong-Joon (Südkorea), ein Sohn des Hyundai-Gründers, traten in Seoul gemeinsam vor die Presse.

Das allein sorgte für Erstaunen, denn beide galten bislang als verfeindet und hatten sich noch im vergangenen Jahr erbitterte verbale Scharmützel geliefert. "Wir würden gern einen Asiaten als Fifa-Präsident sehen", sagt Bin Hammam nun, "unseren Kandidaten wird ganz Asien unterstützen."

Jüngst hatte Bin Hammam bereits die arabische Fußballwelt befriedet, als er sich mit Scheich Salman Al-Khalifa aus Bahrain versöhnte. Scheich Salman hatte ihn 2009 bei der Wahl zum Präsidenten der asiatischen Konföderation AFC herausgefordert, und war von Chung unterstützt worden. Bin Hammam drohte damals Salman und Chung: "Wer sich mir in den Weg stellt, dem schlage ich Kopf, Hände und Beine ab!"

Sollten Bin Hammam, Fifa-Vizepräsident Chung und Scheich Salman wirklich kooperieren, wird Asien geschlossen hinter dem Herausforderer stehen. Das Trio gebietet über große finanzielle Mittel. Eine solche Allianz dürfte das Ende der Ära Blatter besiegeln.

Blatter kam 1975 als Entwicklungshilfedirektor zur Fifa, wurde 1981 Generalsekretär und ist seit 1998 Präsident. Bei seiner ersten Wahl, überschattet von Korruptionsvorwürfen, versprach er, nur zwei Amtszeiten zu agieren. 2011 aber tritt er zum vierten Mal an, was Bin Hammam vor einiger Zeit schon kritisierte und weshalb er eine Begrenzung auf drei Amtszeiten forderte.

In der 106-jährigen Fifa-Geschichte gab es acht Präsidenten - den Brasilianer João Havelange und sieben Europäer. Es gibt kaum Zweifel daran, dass Bin Hammam, 60, Blatters Herausforderer wird. Pikanterweise wird er von Peter Hargitay beraten, dem ehemaligen persönlichen Berater Blatters.

Seit 1998 hat Bin Hammam, ausgestattet mit einer Blanko-Vollmacht des Emirs von Katar, mit dem er eng befreundet ist, Blatter stets unterstützt und viele Stimmen in Asien und vor allem Afrika gesichert. Wochenlang tourte er im Privatjet des Emirs, verteilte Bares und leistete so genannte Entwicklungshilfe.

Blatter sagte einmal, es sei nur normal, dass Bin Hammam Gegenleistungen erwarte und bekomme. Asien und Afrika stellen zusammen etwa die Hälfte der 208 Stimmen im Fifa-Kongress. Bislang gingen diese Stimmen bei Fifa-Wahlen stets an Blatter. Künftig wohl an Bin Hammam persönlich. Kürzlich hatte Blatter einer ägyptischen Wochenzeitung gesagt, seine Freundschaft zu Bin Hammam sei "ganz plötzlich zerbrochen".

Blatter steht derzeit nicht nur mit der WM im Sommer in Südafrika vor einer kolossalen Herausforderung. Kürzlich musste er auf Druck einiger Exekutivmitglieder - Drahtzieher war Bin Hammam - Jérôme Champagne entlassen, seinen wichtigsten Mitarbeiter. Die Hilfe des französischen Diplomaten, der lange exklusiv mit den Fifa-Nationalverbänden verhandelt und sich eine Hausmacht erarbeitet hatte, hätte Blatter jetzt benötigt.

Parallel zum Wahlkampf und den WM-Vorbereitungen laufen die Bewerbungen um die WM-Turniere 2018 und 2022. Auch da tut sich Erstaunliches: Für 2018 könnte Russland dem Favoriten England den Rang ablaufen. Für 2022 gelten Australien und die USA als Favorit. Es bewerben sich auch Katar und Südkorea - die langjährigen Streithähne Bin Hammam und Chung sind also direkt beteiligt und werden einen Deal anstreben.

Wenn Asien sich einig ist und die meisten Stimmen aus Afrika sicher hat, fehlt nur noch das Stimmenpaket aus der Konföderation von Nordamerika und der Karibik (Concacaf), dann wäre Blatter geschlagen. Fifa-Vizepräsident und Concacaf-Boss Jack Warner, Skandalnudel aus Trinidad, gebietet mittlerweile über 40 Stimmen. Warner kennt keine Freundschaften, er folgt allein dem Ruf des Geldes. Da hat Blatter nichts zu bieten - Mohamed Bin Hammam und Chung Mong-Joon locken indes mit märchenhaften Reichtümern für alle, die Blatter stürzen helfen.

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(SZ vom 19.02.2010)