Von Christof Kneer

Lahm und Klose schalten sich in die Taktikdebatte beim FC Bayern ein: Spielt die Mannschaft zu offensiv? Im Champions-League-Achtelfinale soll jedenfalls Luca Toni helfen.

Es ist noch nicht so lange her, dass das 3:2 des FC Bayern gegen Olympique Lyon als echter Klinsmann-Sieg gefeiert wurde. "Mitreißend" nannten die Nachrichtendienste diesen Sieg im Vorrundenspiel der Champions League, und es sah fast so aus, als hätten sich hier zwei Parteien verstanden: Der Trainer Jürgen Klinsmann hatte den Bayern einen offensiven, international tauglichen Fußball beigebracht, sich von den Verantwortlichen des ruhmreichen Klubs aber gleichzeitig ein paar kühne Experimente ausreden lassen.

Bild vergrößern

Luca Toni hat in der laufenden Champions League Saison erst einmal getroffen. Jürgen Klinsmann hofft auf den Einsatz des Stürmers gegen Sporting Lissabon. (© Foto: afp)

Anzeige

Zehn Wochen später, vor dem Achtelfinal-Hinspiel bei Sporting Lissabon, hat man nun nicht mehr direkt das Gefühl, dass hier irgendwer irgendwen versteht: Spätestens nach dem 1:2 gegen Köln steckt der Klub in der Krise - auch wenn prominente Vertreter wie Philipp Lahm "Probleme mit dem Wort Krise" haben.

Zur aktuellen Ergebniskrise haben sich nun ein paar Anmerkungen aus der Kabine gesellt, die sich inzwischen zur handfesten Taktikdebatte verdichtet haben. So erinnerte Lahm am Montag daran, dass man in besagtem Lyon-Spiel mit einer 3:0-Führung im Rücken "zu offensiv gespielt" habe. "Die hatten fünf Hundertprozentige, um sogar noch zu gewinnen."

"Kritik entfacht in mir noch mehr Ehrgeiz"

Und Miroslav Klose analysierte im Kicker, man sei immer dann am stärksten gewesen, "wenn wir kompakt standen", womit er eine Empfehlung für Lissabon verband: "Da jetzt Dampf zu machen und nach vorne zu rennen, wäre falsch." Die Signale sind kaum mehr zu überhören: Dem offensivfreudigen Trainer wird eine defensivere Denkungsart ans Herz gelegt.

"Kritik entfacht in mir noch mehr Ehrgeiz. Ich bin eine Natur, die, wenn es schlecht läuft, sich noch mehr in die Arbeit reinhängt", sagte Klinsmann kämpferisch. Er baut auf zweierlei. Erstens darauf, dass die Bayern bislang in der Champions League klar besser abschneiden als in der Bundesliga - und zweitens auf Luca Toni.

Der Italiener konnte wegen Achillessehnen-Beschwerden auch am Montag nicht mit dem Team üben, wird aber am Dienstag mit nach Portugal reisen. "Ich bin noch nicht komplett fit, aber ich werde alles dafür tun. Es sind noch zwei Tage", sagt Toni. Zwei Tage bis zum Sieg - oder dem Fortgang der Debatte.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 24.02.2009/cpah)