Von Thomas Kistner

Wegen der Probleme der Ukraine könnte Deutschland Polens Partner als Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft 2012 werden.

Die Finanzkrise hält den Globus im Würgegriff, den Fußball zieht sie überall dort bereits spürbar in Mitleidenschaft, wo massive Investitionen anstehen. Wohlhabendere Nationen können darauf wetten, dass sie bald in den Genuss von Großveranstaltungen kommen, um die sie nie geworben hatten. So beginnt sich Deutschland in aller Stille darauf einzurichten, dass es die Fußball-EM 2012 im Duett mit Polen austragen wird. Dass darüber intern vorbereitende Gespräche laufen, macht zu Wochenanfang in Zürich der Fifa- und DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer klar: ,,Das wird seit einiger Zeit besprochen. Ein großes Geheimnis ist es nicht mehr.''

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Helden von gestern auf der Suche nach den Fußballveranstaltern von morgen: Franz Beckenbauer, Vizepräsident der Fifa, und Michel Platini, Präsident des europäischen Verbandes Uefa (hier bei einem Empfang der Stadt im Frankfurter Römer während der WM 2006). (© Foto: Getty)

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Gewiss, auch die Vorbereitungen für die WM in Südafrika 2010 gehen, höflich umschrieben, schleppend voran, Insider rechnen mit nur noch sechs oder sieben bespielbaren Stadien. Allein Kapstadts WM-Kosten überschreiten das geplante Budget bereits um 150 Millionen Euro, die Stadt geht auf Kollisionskurs mit dem Weltverband Fifa - und warnt ihn, nicht mit Einschüchterungen zu hantieren. Es geht um jedes Ticket. Stadtkämmerer Ian Neilson zürnte in der Zeitung Argus, von der Stadt werde sogar erwartet, 80000 Euro für die Tickets des Bürgermeisteramts zu blechen. Und Peter Gabriel von der Regierungspartei ANC plagt eine böse Ahnung, die seinerzeit auch in Deutschland kursierte: ,,Die Fifa denkt wohl, wir haben ein Geldfass ohne Boden.'' Doch während das Ringen um Südafrika anhält, wo um jeden Preis gespielt werden muss, schon, weil eine Verlegung desaströs für Blatters Image wäre, steuert ein anderer Problemfall auf kurzen Prozess zu: Die Fußball-EM 2012, vergeben an Polen/Ukraine.

Letztere ist schwer im Verzug, den konsternierten europäischen Verband Uefa erreichen ständig neue Hiobsbotschaften aus Kiew: Hier ein Baustopp mangels Finanzen, dort einer wegen fehlender Bewilligung, von koordinierter Planung keine Spur. Schon bei der Uefa-Sitzung Ende September sollte die Reißleine gezogen werden, doch der ukrainische Verbandsboss Grigorij Surkis, ein Oligarch der Abramowitsch-Dimension, warf das Ruder dank seines persönlichen Einflusses auf viele Mitglieder noch einmal herum. Das Duo Polen/Ukraine erhielt nochmals Leine, samt der Arbeitserleichterung, womöglich nur jeweils drei statt je vier EM-Stadien hinstellen zu müssen.

,,Aber jetzt ist eine neue Situation eingetreten'', erklärte Beckenbauer in Zürich. Tatsächlich sorgt die Finanzkrise in der auch von politischen Dauerquerelen geplagten Ukraine - weit heftiger als in Polen - seit Wochen für völligen Stillstand. Das Land hat drängendere Sorgen hat als ein Fußballturnier 2012. Jüngst wurde Jewgeni Wilinski zitiert, die Arbeiten seien an 80 Prozent der Projekte im Land eingestellt worden - Wilinski ist Vizechef des ukrainischen EM-OK.

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