Fußball Europa League: BVB spielt nahezu perfekt

Marco Reus: Doppelter Torschütze gegen Tottenham

(Foto: REUTERS)
Von Ulrich Hartmann, Dortmund

Eine Stadt hat Angst um ihre Fußballhelden und fürchtet den baldigen Weggang der Stars. Ausgerechnet da stand der Spielmacher Ilkay Gündogan am Donnerstagabend nicht im Kader - jedoch nur wegen einer Fußprellung aus dem Abschlusstraining. Alle anderen Spieler erschienen pünktlich und aufgeräumt zum Achtelfinal-Hinspiel der Europa League. Mats Hummels organisierte umsichtig die Abwehrkette, Henrikh Mkhitaryan verteilte die Bälle aus dem offensiven Mittelfeld heraus, Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus übernahmen die Rolle der Torschützen.

Das repräsentative Prestige-Duell der Tabellenzweiten aus Bundesliga und Premiere League gewann Borussia Dortmund gegen Tottenham Hotspur auch ohne Gündogan in überragender Verfassung und hochverdient mit 3:0 (1:0). "Wir haben einen schlechten Tag erwischt", gestand Gästetrainer Mauricio Pochettino. Am kommenden Donnerstag erhalten die Spurs an der White Hart Lane im Norden Londons zwar die Chance zur Revanche, aber in der Form vom Donnerstag werden sie da nicht viel wettmachen können. "Das wird schwer", sagte Pchettino. Nicht ganz verwunderlich war das Fazit seines Gegenübers Thomas Tuchel: ""Ich bin sehr zufrieden. Wir waren sehr frisch, sehr griffig, sehr entschlossen. In der zweiten Halbzeit dann komplett dominant.

Eine sehr starke Leistung." Dortmunds Trainer hatte Gonzalo Castro für Gündogan in die Startelf berufen, er ließ dafür Sahin, Kagawa und Ginter auf der Bank. Im Tor ersetzte Roman Weidenfeller wie gewohnt bei internationalen Aufgaben Stammkeeper Roman Bürki. Bei den Briten verteidigte der vormalige Kölner Kevin Wimmer innen, der Ex-Leverkusener Heung-Min Son stürmte links außen. Seinen besten Torjäger Harry Kane (17 Liga-Treffer) setzte Spurs-Trainer Mauricio Pochettino doch glatt auf die Bank, eine eher seltsame Maßnahme.

Nachvollziehbarer war, dass die Gäste ohne Dele Alli antraten: Das 19-jährige Mittelfeldtalent saß eine Sperre ab.

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Viele Ball-Kontakte, wenig Ball-Verluste

Mit der im Bayern-Spiel erprobten Dreierkette (Piszczek, Bender, Hummels) samt der Außenposten Durm und Schmelzer begegneten die Gastgeber einer Spurs-Mannschaft, die ganz im Trend des modernen Spiels sehr weit aufrückte und schon die BVB-Abwehrspieler Mann gegen Mann attackierte. Trotz dieses steten Drucks zogen die Dortmunder ein beeindruckendes Spiel auf, fanden mit vielen Ball-Kontakten und wenigen Ball-Verlusten immer wieder Mkhitaryan im Zentrum vor dem gegnerischen Strafraum, von wo der Ball nach außen gespielt wurde. Eine der so immer wieder angestrebten Flanken schlug Marcel Schmelzer nach einer halben Stunde präzise auf Aubameyang, der den Ball per Kopf perfekt zum 1:0 ins Tor setzte. Dass die Führung nicht höher ausfiel, war zur Pause auch schon das einzige Manko im nahezu perfekten Dortmunder Dominanzspiel.

Der Rückstand provozierte bei Tottenham keinerlei Aufregung. Man ließ den BVB spielen und gewährte bisweilen Räume, die die Dortmunder seriös zur Chancen-Kreation nutzten. Nach 50 Minuten schickte Mkhitaryan Aubameyang flach in den Strafraum, doch dessen geschmeidiger Lupfer über Torwart Hugo Lloris hinweg landete links vom Tor, und Castro kam so spät zum Ball, dass er ihn aus spitzestem Winkel nur noch an den Außenpfosten drücken konnte.

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Erst nach einer Stunde erhöhten die Borussen endlich und verdient auf 2:0. Diesmal brachte Castro von links die Flanke herein. Der kurz zuvor für Bender eingewechselte und nun mit aufgerückte Neven Subotic verlängerte sie per Kopf auf den entfernten Pfosten und sah dort Marco Reus den Ball zum 2:0 volley unter die Latte dreschen. Erst jetzt mühten sich die Briten um ein bisschen mehr Offensive, konnten mit dem Tempo und der Präzision der Dortmunder aber nicht wirklich mithalten. Auf Flanke von Castro erzielte Reus in der 70. Minute sogar das 3:0. Und selbst das war noch schmeichelhaft für die Gäste von der Insel.