Fußball Endlich in Rio angekommen

Freude pur: die deutschen Fußballerinnen feiern den Finaleinzug gegen Kanada

(Foto: AP)

Die deutschen Fußball-Frauen erreichen mit einem 2:0-Sieg gegen Kanada zum ersten Mal das Olympia-Endspiel. Im Maracanã-Stadion treffen sie aber nicht auf ihren Wunschgegner Brasilien.

Von Jürgen Schmieder

Es gibt ja noch immer sehr viele Menschen in Belo Horizonte, die diese bösen deutschen Fußballer für das abrupte Ende der WM-Party vor zwei Jahren verantwortlich machen und nicht die wohl schlechteste brasilianische Nationalelf in der Geschichte. Die Deutschen sind schuld, sie sind Spielverderber und gehören deshalb ausgepfiffen - selbst wenn es die Frauen-Mannschaft ist.

Die Feindseligkeiten der Zuschauer waren für die deutsche Elf jedoch ungefähr so wirksam wie damals die Anwehrversuche der Brasilianer, sie gewann das Halbfinale gegen Kanada souverän 2:0 (1:0) und steht damit zum ersten Mal im Olympia-Endspiel.

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Trainerin Silvia Neid hatte ihre Mannschaft auf diese kniffligen Bedingungen vorbereitet, schon auf dem Trainingsplatz waren während der Einheiten zuvor immer wieder Pfiffe, Buhrufe und Trommelgeräusche zu hören gewesen. "Wir trainieren das regelmäßig", sagte Neid vor der Partie: "Die Betreuer haben sich so verhalten, wie die Fans im Stadion das vermutlich tun werden. Wir spielen schließlich in Belo Horizonte, wo es das 7:1 der Männer-Nationalmannschaft gegen Brasilien gab. Wir sind gewappnet, wir sind ja bislang überall ausgebuht worden."

Die deutsche Elf übernahm nach einer verblüffenden Eröffnung der Kanadierinnen - Janine Beckie köpfte nach schönem Spielzug knapp am Tor vorbei - die Kontrolle und wirkte dabei wie ein Schachspieler, der sich geduldig Vorteile auf dem Spielfeld verschafft und einen überraschenden Zug vorbereitet. Den gab es dann nach 20 Spielminuten: Melanie Behringer schickte Läuferin Alexandra Popp steil in den Strafraum, die setzte ihren Körper schön ein und wurde von Gegenspielerin Kadeisha Buchanan auf rustikale Weise von den Beinen geholt. Behringer prügelte den Ball humorlos in die linke obere Ecke.

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Es war ein wirksamer Treffer, der zu weiteren Gelegenheiten für die deutsche Elf führte. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit gab es ein paar Chancen für Kanada, einen Kopfball von Buchanan etwa klärte Tabea Kemme erst auf der Linie.

Überlegen und souverän

Diese schnellen und präzisen Angriffe kannten die deutschen Spielerinnen noch von der 1:2-Niederlage aus der Vorrunde, weshalb Neid vor der Partie gesagt hatte: "Wir müssen selbst aktiver sein und Kanada unter Druck setzen."

Genau das tat die deutsche Elf auch in der zweiten Halbzeit. Sie agierte überlegen und souverän, erlaubte den Gegnerinnen zunächst nur wenige Torchancen und präsentierte diese schnellen und präzisen Konter lieber selbst: Melanie Leupolz und Leonie Maier überspielten mit zwei Pässen sechs Gegnerinnen und 70 Meter Rasen, Anja Mittag legte auf Sara Däbritz, die den Ball aus 18 Metern ins Tor drosch (60.).