Der junge Torwart Diego Benaglio über die Fortschritte der schweizer Nationalelf, den eigenen Ehrgeiz und Buffons Gelassenheit.
Diego Benaglio, 24, wollte ursprünglich Tennisspieler werden. Nur um seine Beinarbeit zu verbessern, begann er beim FC Spreitenbach im Kanton Aargau mit dem Tschutten, wie Fußball in der Schweiz genannt wird. Als Felix Magath ihn im Winter von Nacional Funchal (Portugal) zum VfL Wolfsburg holte, galt Benaglio vielen als Überraschungs-Personalie. Dabei war er bis 2005 drei Jahre lang beim VfB Stuttgart unter Vertrag, konnte sich dort aber nicht gegen Timo Hildebrand durchsetzen. Bei der WM 2006 war Benaglio dritter Torhüter. Im Februar ernannte ihn Nationaltrainer Jakob "Köbi" Kuhn zur neuen Nummer eins der Schweiz.
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Der Wolfsburger Diego Benaglio glaubt an das junge Schweizer Team. (© Foto: Getty)
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SZ: Herr Benaglio, sind Sie ein typischer Schweizer?
Benaglio: Ich bin gerne Schweizer. Aber was die Klischees angeht: Ich esse nicht mehr Schokolade als andere, ich esse nicht mehr Käse...
SZ: Fällt es Ihnen schwer, aus sich rauszugehen, wie man es den Schweizern nachsagt?
Benaglio: Ich würde mich schon als ruhigen Typ einschätzen. Aber auch als offen und kontaktfreudig.
SZ: Stur?
Benaglio: Nicht wirklich.
SZ: Skeptisch gegenüber Fremden?
Benaglio: Sicher nicht.
SZ: Haben Sie ein Gewehr im Keller, wie jeder wehrhafte Schweizer?
Benaglio: Das war tatsächlich lange so, dass jeder, der Militärdienst geleistet hat, sein Gewehr zu Hause lagern sollte. Aber keine Sorge, ich habe kein Gewehr.
SZ: Auch über die Deutschen gab es vor der WM 2006 ja jede Menge Klischees. Dann stellte man fest: Die WM hat den Blick auf die Deutschen verändert, aber sie hat auch die Deutschen selbst ein bisschen verändert.
Benaglio: Diese Chance sehe ich für die Schweiz auch. Wir haben als Gastgeber die Möglichkeit, uns von unserer besten Seite zu zeigen. Einige Klischees erledigen sich dann von selbst.
SZ: Dafür müssten sich die bedächtigen Schweizer aber erst mal anstecken lassen von einer EM-Euphorie.
Benaglio: Das wird natürlich auch an uns liegen. Wenn wir gegen die Tschechen gut ins Turnier starten, bin ich mir sicher, dass in der Schweiz eine große Euphorie entstehen kann - die uns als Mannschaft dann auch tragen kann.
SZ: Wie groß ist der Druck für einen jungen Torhüter, gleich die Erwartungen einer ganzen Nation auf die Schultern gepackt zu bekommen?
Benaglio: Das muss man ausblenden und ins Spiel gehen, wie in jedes andere auch. Wir sind ja insgesamt eine junge Mannschaft. Aber die meisten von uns spielen in europäischen Top-Ligen, sind Druck also gewöhnt.
SZ: Bisher entsprach es der Schweizer Diskretion, öffentlich lieber etwas bescheidenere Ziele auszurufen. Jetzt heißt es: Wir wollen Europameister werden.
Benaglio: Unser primäres Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Dann ist einiges möglich. Natürlich hoffen wir auf den Heimvorteil, wie wir das 2006 in Deutschland gesehen haben. Aber im Grunde ist das schon die richtige Herangehensweise: Wenn man nicht Europameister werden will, warum soll man dann überhaupt antreten?
SZ: Tschechien, Portugal und die Türkei sind keine leichten Gegner.
Benaglio: Schwierig, einen Favoriten auszumachen. Aber ich bin überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen können.
SZ: Das erste Thema auf der Schweizer Verbands-Homepage, noch vor den Spielern oder dem Trainer, lautet "Spielphilosophie": In der Schweiz spielt man "offensiv", "dynamisch" und schon ab den Nachwuchsteams ein "variables 4-4-2". Wie früh wird man damit im Schweizer Fußball konfrontiert?
Benaglio: Ich hab' das seit der U-15-Nationalmannschaft miterlebt. Es war immer zu erkennen, dass jeder Verbandstrainer bemüht ist, diese Philosophie umzusetzen.
SZ: Bis hinauf zur "Nati" und Köbi Kuhn heißt das Credo: Das System ist wichtiger als der Einzelne?
Benaglio: Nicht unbedingt das System. Die Mannschaft ist wichtiger. Wir sind uns sehr bewusst, dass wir als kleines Land, ohne die Masse an Talenten, nur über eine geschlossene Mannschaftsleistung auf höchstem europäischen Niveau bestehen können.
Lesen Sie auf Seite 2: Benaglios über seine Vorbilder und den schweizer Torwartwettbewerb.
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sehr sympathischer zeitgenosse und ich wuensche ihm viel erfolg bei der wm. nur schade, dass er im falschen verein spielt!