Von Markus Schäflein

Der Internet-Handel mit EM-Karten blüht gegen den Willen der Uefa - ein Portal nutzt große Vereine, um sich zu profilieren.

Immerhin macht die Firma Viagogo ihre Kunden darauf aufmerksam, dass sie ein Geschäft zu ungewöhnlichen Bedingungen eingehen. "Bitte beachten", heißt es auf der Homepage des Anbieters, der nach eigenen Angaben den "Ticketzweitmarkt erfunden" hat, "die angegebenen Preise können erheblich vom Originalpreis abweichen." Rund das Zehnfache muss ein Interessent meist bezahlen, wenn er dort aus zweiter Hand Karten für die Fußball-Europameisterschaft 2008 erwerben will.

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Trix, der Maskottchen-Zwilling, hat gut lachen: Er ist bei der Euro 2008 ganz sicher im Stadion dabei. (© Foto: dpa)

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So waren am Dienstag für die Partie der deutschen Mannschaft gegen Polen Karten zum Preis zwischen 470 Euro und 1.095,22 Euro im Angebot - die Originalpreise dieser Tickets liegen bei 47 Euro und 115 Euro. Privatpersonen stellen dort ihre Karten ein, die sie entweder über das Losverfahren oder durch Sponsoren- oder Verbandskontingente erhalten haben, Viagogo kassiert 25 Prozent des Preises als Vermittlungsgebühr.

Oft sind dabei zwölf Plätze nebeneinander zu vergeben - das zeigt, dass die Tickets in diesen Fällen von Verbandsvertretern oder Sponsoren kommen, denn Fans erhielten maximal vier Tickets. Der systematische Zweithandel wird durch das Angebot von Viagogo gefördert; weil auf herkömmlichen Wegen keine Karten mehr zu bekommen sind, brummt das Geschäft. Kein Wunder, denn fast 1,5 Millionen Bewerber sind bei der Verlosung des DFB leer ausgegangen. Und DFB-Pressesprecher Harald Stenger antwortete auf die Frage, was der Verband Fans raten könne, um noch an eine Karte zu kommen, kurz und bündig: "Nichts."

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage

Der Volksmund mag die Angebote im Internet Wucher nennen, juristisch ist dieser Vorwurf nicht haltbar. Denn für den Tatbestand des Wuchers ist "die Ausbeutung der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche eines anderen" notwendig - dies ist spätestens durch den Hinweis auf die Originalpreise nicht mehr gegeben.

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage regelt auch diesen Markt - genau das wollte die Uefa als EM-Veranstalter allerdings verhindern. Die Karten weiterzuverkaufen, ist laut Uefa-Geschäftsbedingungen nur an "Verwandte, Freunde oder enge Kollegen" erlaubt - und nicht zu erhöhten Preisen. Die Uefa droht mit 5.000 Euro Strafe. "Jeder Karteninhaber ist verpflichtet, uns vor der Weitergabe zu informieren", sagt Organisationschef Martin Kallen, "während des Turniers wird es Stichproben geben."

"Vorgeschobenes Argument"

Daniel Nathrath, Country Manager von Viagogo, bezeichnet die Uefa-Geschäftsbedingungen als "rechtswidrig". Wer etwas bezahlt habe, könne frei entscheiden, was mit seinem Eigentum geschehe. "Auch bei der WM sollten Fans so eingeschüchtert werden, aber mit einer Eintrittskarte ist jeder ins Stadion gekommen." Falls dennoch "willkürlich Karten storniert" würden, wie es Nathrath nennt, müsse sich die Uefa auf Klagen gefasst machen - und diese könnten nach Ansicht einiger Juristen tatsächlich Erfolg haben, weil das Weiterverkaufsverbot eine "unverhältnismäßige Einschränkung" darstelle.

Die Uefa argumentiert hingegen unter anderem mit dem Sicherheitsaspekt - der Veranstalter müsse prüfen können, ob eine Person mit Stadionverbot das Ticket erworben habe. Das nennt Nathrath ein "vorgeschobenes Argument". Kallens Ankündigung, "wenn nötig auch juristisch" gegen Viagogo vorzugehen, lässt ihn kalt.

Auf der nächsten Seite: Die Zusammenarbeit mit rennomierten Klubs schafft Vertrauen. Und auch der FC Bayern ist zufrieden mit seinem Kooperationspartner Viagogo.

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