Die frisch gekürten Ausrichter der Fußball-EM 2012, Ukraine und Polen, verbinden mit dem Wettbwerb politische Hoffnungen.
Nur Optimisten an der Weichsel und am Dnjepr hatten damit gerechnet, dass das Tandem Polen/Ukraine den Zuschlag für die Fußball-EM 2012 bekommt, denn die äußeren Bedingungen sind in beiden Ländern alles andere als gut: Der polnische Fußballverband PZPN befindet sich nach einer Reihe von Korruptionsskandalen in einer Krise; das Präsidium, in das einige Finanzaffären reichen, wurde sogar vorübergehend von der Regierung suspendiert, musste aber auf Druck der Uefa wieder eingesetzt werden. Und in der Ukraine lähmt ein Machtkampf zwischen den beiden Viktors, dem Präsidenten Juschtschenko und dem Premier Janukowitsch, seit Wochen die Politik. In Kiew gibt es Massendemonstrationen, das Land befindet sich in einer Verfassungskrise.
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Um so größer war der Jubel in den beiden benachbarten Ländern. In Warschau trat Staatspräsident Lech Kaczynski lächelnd vor die Kameras, was selten vorkommt, denn er gilt als gänzlich humorlos. Dabei streuen seine Berater seit langem, dass er nicht nur ein guter Witzeerzähler sei, sondern auch ein großer Fußballfan, und über einen reichen Schatz an Fußball-Anekdoten verfüge. Nicht anders sein ukrainischer Amtskollege Juschtschenko: Der wirkt immer griesgrämig, was nicht nur auf sein entstelltes Gesicht zurückzuführen ist, Folge eines Giftanschlags auf ihn im Wahlkampf vor zweieinhalb Jahren. Doch nun strahlte auch er, er sagte: ,,Ich bin überzeugt, dass die Ukraine und Polen den hohen Erwartungen bei der Austragung dieses wichtigen Ereignisses gerecht werden.''
Selbstverständlich sicherten die Präsidenten zu, dass ihre Länder die Europameisterschaft aus voller Kraft unterstützen würden. Das ist auch nötig, denn sowohl in Polen als auch in der Ukraine fehlt es an geeigneten Stadien und an der Infrastruktur. Die neuen Wettkampfstätten sind immerhin längst projektiert. In der polnischen Hauptstadt wird ein völlig neues Stadion mit futuristischem Zeltdach gebaut. Warschau möchte damit seinen Rang als neues Mekka der internationalen Architektur unterstreichen. In den letzten anderthalb Jahrzehnten ist im Zentrum ein Dutzend postmoderner Hochhäuser hochgezogen worden. Ein Bürokomplex stammt vom Stararchitekten Norman Foster, im Herbst beginnt der Bau eines 192 Meter hohen Wohnhauses, das Daniel Libeskind, der Architekt des Jüdischen Museums in Berlin und des geplanten Freedom Towers auf dem Gelände de ehemaligen World Trade Centers in New York, projektiert hat. Die Stadien in den anderen Spielorten Breslau, Danzig, Posen, Krakau und Chorzow werden von Grund auf modernisiert.
Nicht anders sieht es in der Ukraine aus. Am wenigsten muss am Stadion von Kiew, das nun den Namen des Dynamo-Meistertrainers Lobanowski trägt, getan werden. Dort spielt seit langem die Champions League, ebenso wie in der Industriemetropole Donezk mit ihren prachtvoll renovierten Gründerzeithäusern. Dort wird das neue Stadion von ostukrainischen Industrieoligarchen finanziert, wie auch die geplanten Arenen in Charkow und Dnjepropetrowsk. Auch die Industriemagnaten aus Odessa, die den Hafen kontrollieren, sollen einen prächtigen Rahmen für die EM garantieren.
Gerade die ukrainische Führung hofft, dass die EM dem gesamten Land einen Modernisierungsschub bringt und vor allem den Ruf des Landes im Westen aufpoliert. Denn obwohl EU-Bürger seit der ,,orangenen Revolution'' im Jahr 2004 ohne Visum in die Ukraine reisen können, sind die Touristenströme ausgeblieben. Dabei sind Kiew, die Stadt der goldenen Kuppeln und Zwiebeltürme, sowie Odessa, auf Hügeln malerisch über dem Schwarzen Meer gelegen, zweifellos Perlen der europäischen Stadtarchitektur.
Beide Länder zeigen sich sicher, dass die Zusammenarbeit funktionieren wird. Die polnische und Teile der ukrainischen Elite haben sich im letzten Jahrzehnt stark angenähert. Beide verbindet ein gemeinsames Interesse: den Einfluss Russlands zu begrenzen. Die Polen drängen daher auch darauf, die Ukraine näher an westliche Strukturen heranzuführen. Eine gelungene Europameisterschaft könnte dazu beitragen.
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Führungsstreit der Linken
Ich freue mich für Polen und die Ukraine, denke die vielen Probleme werden sie schon in Griff kriegen. In der Ukraine war ich noch nie, vielleicht klappt es da mal.
Die Italiener sind klar enttäuscht, und die Entscheidung war auch v. Platini politisch motiviert, aber so ist es eben auch im Fussball, es war auch an der Zeit ein solches Ereignis im Osten Europas auszurichten.
und so sollte es sein !