Von Thomas Kistner

Die Ukraine könnte an der Ausrichtung der Fußball-EM 2012 scheitern. Die Uefa muss Alternativen erwägen, was sie auch tut. Zwei Planspiele gibt es, in einem spielt der DFB eine große Rolle.

Warum nicht mal ein Sommermärchen zwischen den Turnieren? Ein solches hat nun den Deutschen Fußball-Bund (DFB) erreicht, seit Montagabend waren die Führungskräfte damit befasst, eine angebliche Märchenstory des Daily Telegraph zu entkräften. Das angesehene britische Blatt hatte berichtet, die Europäische Fußballunion (Uefa) wolle Deutschland anstelle der Ukraine als Mit-Gastgeber neben Polen für die EM in vier Jahren ins Boot hieven.

Fußball-EM 2012

Deutsche Fans würde die Alternative freuen, wenn der DFB die EM 2012 als Kooperationspartner Polens ausrichten würde. (© Foto: dpa)

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DFB-Chef Theo Zwanziger will indes noch nichts dergleichen gehört haben, Generalsekretär Wolfgang Niersbach erklärte nimmermüd den Agenturen, es gebe hierzu weder Kontakt mit der Uefa, noch eine offizielle Anfrage. Und Zwanziger verwies nur auf die vorgesehene Agenda, nach welcher der Uefa-Vorstand über die Geschicke des EM-Turniers 2012 erst Ende September in Bordeaux berät.

Das ist richtig, und kaum zu befürchten, dass vorher eine Entscheidung fällt. Schon, weil in Bordeaux auch über eine Aufstockung des Teilnehmerfeldes ab der EM 2012 von bisher 16 auf 24 Nationen befunden werden soll - eine spannende Frage, die untrennbar mit der nach dem Veranstalter verknüpft ist. Denn weil das Doppelturnier im strukturschwachen Osten auf der Kippe steht, kann den schon mit 16 Teams überforderten Ausrichtern unmöglich eine Ausweitung auf 24 Mannschaften zugemutet werden.

Andererseits hängt Michel Platini sehr stark an dieser Aufstockung, sie würde dem seit Anfang 2007 regierenden Verbandschef den Rücken stärken, weil künftig ja das halbe Kontingent der 50 in der Uefa organisierten Verbände bei der EM-Endrunde spielen könnte.

So schafft man sich Freunde in der Sportpolitik, wo es keinerlei Geldsorgen gibt - doch immer mehr Angst umgeht, dass all die kühnen Veranstalterträume platzen: in Südafrika 2010, wo die Fußball-WM gefährdet ist, in Sotschi 2014, wo Olympische Winterspiele zugesprochen wurden - und vor allem in der Ukraine, wo seit dem EM-Zuschlag alle Räder still standen. Platini hat sich unlängst persönlich davon überzeugt, dass der Zwischenbericht seines Sonderprüfers Jacques Lambert vom Frühjahr zu Recht so vernichtend ausfiel.

Zwei Alternativen

Der SZ wiederum berichtet ein hoher Sportmarketender von seinem Besuch in Kiew Anfang Juni, bei dem ihm der ukrainische Verbandschef Grigorij Surkis klar gesagt habe, das Land könne diese Aufgabe nicht meistern. Der Oligarch Surkis sitzt auch in der Uefa-Exekutive, in Kiew aber nur noch auf der Oppositionsbank: Auch die politischen Querelen deuten nicht auf ein effektives Miteinander hin. Staatschef Viktor Juschtschenko drängt die Regierung zu raschem Handeln, Anfang August soll wieder mal ein Generalplan vorgelegt werden.

Die Uefa muss Alternativen erwägen, was sie auch tut. Zwei Planspiele gibt es: Die Neuvergabe an ein anderes Land, in dem Fall kämen hauptsächlich Spanien oder Italien in Betracht. Oder es setzt sich im Uefa-Vorstand die - nach SZ-Informationen in DFB-Kreisen durchaus erwünschte - Überlegung durch, dass man Polen ja nicht gleich mitbestrafen müsse, nur weil die Ukraine nicht liefern kann.

Sollte also Teil-Gastgeber Polen (der allerdings selbst einige Infrastrukturprobleme hat und mit einer sagenhaft korrupten Verbandsführung anhaltend Schlagzeilen macht) im Spiel bleiben, wäre die Variante mit der deutschen Nachbarschaftshilfe naheliegend. So wird die Situation in DFB-Kreisen eingeschätzt, "die Lösung hätte natürlich was", meint ein hoher Funktionär.

Das politische Zeichen wäre enorm, und für die Fanscharen wäre es kein Problem, "gewissermaßen in Fußweite von Berlin, Leipzig und Dresden" aus zu den Spielstätten im Anrainerland zu pendeln. Der DFB werde sich da auf keinen Fall selbst zu Wort melden. Als Nothelfer aber, wenn er gebeten würde, stünde er schon parat - so darf bis Ende September geträumt werden.

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(SZ vom 23.7.2008/jüsc)