Fußball Einst Nationalspieler, nun arbeitslos

Die Branche setzt derzeit radikal auf junge Profis. Verdiente Spieler wie Thomas Hitzlsperger, Andreas Hinkel, Timo Hildebrand, Gerald Asamoah oder David Odonkor finden keinen Verein. Ihre letzte Hoffnung ist das Syndesmoseband.

Von Christof Kneer

Diese Meldung hatte es nicht verdient, dass die Nachrichtenagenturen sie eher beiläufig ins Land hinausschickten. Bei derart guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt hätte man etwas mehr Wucht in der Berichterstattung erwartet, einen Brennpunkt nach der Tagesschau möglicherweise.

Denn offenbar ist das Klima im Land inzwischen so, dass selbst Arbeitnehmer mit eher kümmerlichem Leumund wieder in der Lage sind, ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis einzugehen. Am Freitag wurde bekannt, dass Ciprian Marica, von Beruf Fußballstürmer, einen Job gefunden hat, die Firma Schalke 04 hat ihn bis 2013 unter Vertrag genommen.

Marica war zuvor beim Unternehmen VfB Stuttgart angestellt, dort haben sie ihn ein Jahr vor Vertragsende gehen lassen und nicht mal Geld für ihn verlangt. Marica gilt als schwieriger Profi, aber am Ende hatte man den Eindruck, dass er auch noch für die Nöte auf der Rechtsverteidigerposition in Mithaftung genommen wurde

Andreas Hinkel wird die Nachricht mit Interesse verfolgen, aber sie wird ihn kaum trösten. Hinkel ist ebenfalls auf Arbeitssuche, er hat eine sehr ansprechende Bewerbungsmappe, es stehen 21 Länderspiele für Deutschland drin, mehrere Titel (u.a. Uefa-Cup-Sieg und spanischer Pokalsieg mit dem FC Sevilla oder schottischer Meister mit Celtic Glasgow), in Schottland haben ihn die Fans sogar einmal zum Celtic-Spieler der Saison gewählt.

Was diesen rechtschaffenen Arbeitnehmer allerdings schwer vermittelbar macht, sind zwei dunkle Punkte in seiner Biographie. Im August 2010 zog er sich einen Kreuzbandriss zu, weshalb er die vergangene Saison weitgehend verpasste. Und, was viel schlimmer ist: Er ist bereits abenteuerliche 29 Jahre alt.

"Als ich ein junger Spieler war", sagt Hinkel, "da galt 29 mal als bestes Fußballalter." Er war einer der jungen Wilden beim VfB, schwungvoll sauste er die rechte Flanke hinauf. Jetzt muss er erleben, dass derselbe VfB einen Offensivverteidiger dringend brauchen könnte, dass die Fans in ihren Foren mit überwältigender Mehrheit für eine Heimholung plädieren - und dass ihm vom Manager Fredi Bobic nur kühles Desinteresse entgegenweht.

"Nicht weiterentwickelt" habe sich Hinkel in der Fremde, danke, kein Bedarf. "Ich bin nicht blauäugig, ich erwarte keine Belohnung für frühere Verdienste", sagt Hinkel tapfer, und dass er "kein Problem" mit der Absage habe. Aber verstehen? Verstehen tut er's nicht.

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