Fußball BFV-Präsident Koch hat Al-Kadri eingeladen

Heute ist Oliver Johannes dabei, der Schiedsrichter-Obmann der Gruppe Neumarkt. Er erklärt Al-Kadris Kindern die üblichen Abläufe und die übersetzen es dann für ihren Vater. "Muss ja", sagt Leen, seine älteste Tochter, während sie ihn an den Ponys vorbei zum Spielfeld begleitet, "er versteht ja sonst nichts. Also helfen wir ihm." Die 18-Jährige ist kein Fußballfan, sie spielt zwar Fifa auf der Xbox, aber nur, weil kein anderes Spiel da ist. Trotzdem stellt sie sich an den Spielfeldrand und bleibt auch mit Ali da, als der Rest der Familie sich verabschiedet. "Ich will ja sehen, was mein Vater da macht."

Der ist in seiner Welt, seit er das Feld betreten und angepfiffen hat. Er bewegt sich locker über den Platz, seine Miene ist konzentriert, aber nicht mehr verkniffen. Bei einem Abstoß trödelt der Torwart, Al-Kadri pfeift scharf und winkt energisch mit den Händen. Auf dem Spielfeld muss er nicht reden, da stört es nicht, dass er noch kein Deutsch spricht. Als der Spieler mit der Nummer sieben im dunkelgrünen Trikot seinen Gegner hart am Oberschenkel erwischt, hilft ihm auch der glitschige Rasen nicht als Entschuldigung. Es gibt ein bisschen Geschrei, dann trabt Al-Kadri heran und zückt ruhig die gelbe Karte. Er stellt sich vor den Ball, notiert auf einem kleinen Papptäfelchen: 87. Minute. Niemand beschwert sich. Weil der Schiedsrichter keine Fehler macht.

"Die Kommunikation mit den Spielern hat gut gepasst, die Gesten sind ja in der ganzen Welt gleich", meint Al-Kadri nach dem Spiel. 0:0 ist es ausgegangen, es sei einfach zu leiten gewesen. "Nur die Fitness ist noch nicht so ganz da." Spieler und Trainer urteilen über ihn: professionell, souverän, klare Linie in den Entscheidungen. Bräuchten wir viel öfter. Aber so viele ehemalige Fifa-Schiedsrichter gibt es eben nicht in der A-Klasse.

Einen Monat lang hat Al-Kadri für das Spiel trainiert, zweimal am Tag war er Rad fahren oder joggen. Für sein Hobby würde er alles tun. "Es ist ja nicht nur ein Hobby. Da hängt mein Herz dran." Oft spricht er davon, auch in Deutschland wieder im Fußball arbeiten zu wollen. Al-Kadri, der mit seiner Familie in einer Flüchtlingsunterkunft lebt, sucht nach einer Arbeit. Er hat eine Einladung von Rainer Koch, dem Vorsitzenden des Bayerischen Fußballverbandes, bekommen, der möchte ihn kennenlernen. Die Familie erhofft sich viel davon.

Es ist schon stockfinster, als Al-Kadri mit seinen Kindern über den Parkplatz läuft, der Kies knirscht unter ihren Schuhen. Die Familie hat kein eigenes Auto, der stellvertretende Vorsitzende des SV Postbauer nimmt sie mit nach Hause. Hamdi Al-Kadri braucht ab jetzt wöchentlich einen Fahrer zu den Spielen, Unterstützung mit dem Spielbericht, jemanden, der für ihn übersetzt. Aber es gibt viele Leute, die ihm gerne helfen. Sie ermöglichen Al-Kadri ein kleines bisschen Glück: Er darf jetzt wieder pfeifen.