Anscheinend gefiel ihm dieses Gefühl - und der anschließende Beifallorkan aus der schwarzgelben Ecke - so gut, dass er mehr wollte: Kringe schoss zehn Minuten später noch mal aufs Tor. Allmählich fassten auch die Kollegen Mut und bei Tingas gerade noch abgeblocktem Schuss kurz vor der Pause wird Ottmar Hitzfeld sicherlich ein paar Mikrometer Faltentiefe zugelegt haben.
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Nach der Pause geschah dann etwas Wunderbares: Es entwickelte sich ein richtiges Fußballspiel mit Chancen auf beiden Seiten. Halleluja! Schließlich hatte ja wirklich jeder vtagelang davon gesprochen: von dem Pokal und seinen eigenen Gesetzen und dass es immer bei nullnull losgeht und alls das. Es ging zwar eigentlich bei einsnull los, aber das war den Borussen jetzt auch egal. Vor allem Tinga trieb die bis dahin so zaghaften Dortmunder nach vorne, und dass die Bayern-Defensive unter Druck schon mal zu neinem veritablen Patzer fähig ist, hat man ja auch schon mehr als einmal erlebt. Oliver Kahn muss dem Gegner zunächst irgendwie dankbar gewesen sein: So gänzlich tatenlos wollte der Titan seinen Rekordsieg sicher nicht in Empfang nehmen. Allmählich bekam der Kapitän allerdings so viel Besuch in seinem Strafraum, dass er wieder laut werden und böse schauen musste.
Auch die Trainer wollten irgendwas tun: wechseln zumindest. Hitzfeld brachte Podolski für Klose und Sagnol für Schweinsteiger, Doll Klimowicz für Frei und Buckley für Ruckavina, Valdez für Kehl - was die Lage mäßig beeinflusste. Dortmund drückte, Bayern hatte aber die besseren Chancen. Und was soll man sagen: Genau so blieb es. Fast bis zum Schluss. Bis in der 90. Minute dieser Eckball in den Bayern-Strafraum segelte, gegen zig Bayern-Körperteile prallte und schließlich im Bayern-Netz landete. Ausgleich in der letzten Minute. Verlängerung. Jubelgesänge am Marathontor. Leider auch Böller und ein kleines Feuerchen.
In den letzten 30 Minuten gibt es dann keinen Favoriten und keinen Underdog mehr, sondern nur noch zwei Mannschaften, die verbissen um jeden Ball kämpfen. Einen Mark van Bommel, der mehrfach der Länge nach auf dem Feld liegt und sich am Kopf behandeln lassen muss. Einen Oli Kahn, der einen sagenhaften Gewaltschuss von Kringe in voller Streckung aus dem äußersten Eck fischt. Und - natürlich - einen Luca Toni, der das nächste Tor schießt. Eigentlich fälscht er nur einen Podolski-Schuss ab, aber wen interessiert das jetzt noch?
Und das Berliner Olympiastadion hat wieder alles richtig gemacht: gut ausgesehen, ein packendes Spiel geliefert und verlässlich wie immer einen Sieger produziert. Dass es fast immer der selbe Sieger ist? Das ist eine andere Geschichte.
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