Von Thomas Becker

Dank Luca Toni und Oliver Kahn hat der FC Bayern das DFB-Pokal-Finale gegen Dortmund mit 2:1 gewonnen. Doch die Bayern mussten länger zittern, als sie vorher dachten.

Das Berliner Olympiastadion ist eine prima Fußballarena. Wie gemacht für ein großes Finale. Das geht schon vor der Tür los: eine große Wiese, so saftig und grasgrün, dass man sich harrypottermäßig eine Lederkugel herbeizaubern können mag, um sofort und auf der Stelle loszukicken. So kann man aber immerhin auf dem sattem Grün rumstehen und Pappbecherbier trinken. Sogar Falko Götz macht das.

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Florian Kringe kann es nicht fassen: Er vergibt etliche Torchancen, und seine Borussia unterliegt dem FC Bayern. (© Foto: Reuters)

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Drinnen im Stadion ist dann viel Platz. Für 74.000 Fans und für viele viele ihrer Plakate. In der schwarzgelben Abteilung am Marathontor sind da die "BVB-Fans Gelsenkirchen" (sic!) und das "Commando Remidemi". Gegenüber im roten Block grüßt der "Hessenmob" und die "Ultras Antwerpen". Und dann erst die Musik! Ein leibhaftiges Staatsmusik-Corps der Bundeswehr haben die da in Berlin, dazu noch große Leinwände mit dem richtigen Text für die Nationalhymne.

Akustik: 1a. Das demonstrieren dann die beiden Fan-Blocks. Nur beim Pokalfinale kommt es ja zum direkten Duell zweier Auswärtsmannschaften (oder kann sich noch jemand an ein Endspiel mit Berliner Beteiligung erinnern?) und somit auch zum Fan-Contest. Regelmäßig werden die ewigen Sieger vom FC Bayern dabei an die Wand gesungen: vor zwei Jahren von den Frankfurtern, diesmal von den Dortmundern. Aber das sind die Bayern-Fans ja schon gewöhnt, passiert ihn ja auch im eigenen Stadion. Logisch, dass sich die BVBler auch eine Banderole samt Sinnspruch dabei haben: "Träumt einer allein, ist es nur ein Traum. Träumen viele gemeinsam, ist es der Beginn von etwas Großem." Große Prosa, tolles Setting, fehlt nur noch ein kitschiger Sonnenuntergang überm Stadiondach - und ein klasse Spiel.

Und schon sind wir beim 65. Finale des DFB-Pokals. Sehr bedächtig ging das los, ohne bayerischen Ehrgeiz, den frühen Torrausch vom vergangenen 5:0-Wochenende auch im tiefsten Preußen zu wiederholen. Nach fünf Minuten raffte sich Philipp Lahm zu einem ersten Fernschuss auf, den BVB-Keeper Ziegler noch locker vor der Magengruppe abfangen konnte. Doch schon in der Anfangsphase vermittelte der FC Bayern mit einer fast greifbaren Dominanz den Eindruck, dass der Führungstreffer hier nur eine Frage der Zeit ist. Und so dauerte es nur noch sechs weitere Minuten, bis die Journalisten wieder die Formulierung aus dem Stehsatz aktivieren konnten: "Luca Toni erzielt nach Vorarbeit von Franck Ribéry das 1:0 für den FC Bayern."

In der zweiten Hälfte ein besseres Spiel

Akribische Schreiber erwähnen noch, dass er diesmal aus drei Metern Entfernung traf, die Flanke flach und von links kam und von der nicht zu Unrecht gefürchteten Innenverteidigung Wörns/Kovac niemand zu sehen war. Ein Treffer, der vor allem alle Siebenjährigen freute, die spätestens um halb neun ins Bett müssen. Auf mehr oder weniger neutrale Beobachter, die sich auf ein packendes Finale gefreut hatten, wirkte er dagegen wie ein allzu zeitig beendeter Liebesakt.

Ähnlich ermattet lief die Borussia über den Rasen, der FCB schaltete schon bald auf Energiesparmodus - schon am Mittwoch geht es bei der Triple-Jagd ja gegen die flinken Russen von Zenit St. Petersburg. Lediglich der stimmstarke Dortmunder Anhang und der Trainer riefen volle Leistung ab. Thomas Doll legte in der Coaching Zone weite Wege zurück, hampelte, zappelte und zuckte, dass man sich bisweilen Sorgen machte. Und lag es an ihm oder an der immer stärker zunehmenden Bayern-Laxheit: Die Borussia erwachte. Verließ tatsächlich todesmutig die eigene Hälfte und schaffte es sogar, Oliver Kahn zu Boden zu zwingen: Kringe schoss mal aufs Tor, einfach so. Da waren allerdings schon 31 Minuten gespielt.

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