Von Moritz Kielbassa

Vor dem Pokalspiel des FC Bayern gegen Oberhausen meldet Nationalstürmer Miroslav Klose wieder Ansprüche an - seinen Durchhänger scheint er überwunden zu haben.

Jürgen Luginger, 41, hat eine spezielle Beziehung zu München. Er kommt, wie sein Name verrät, nicht vom Niederrhein, sondern aus Niederbayern, Geburtsort: Ergolding, und als Heranwachsender hat er auch mal in der Landeshauptstadt Fußball gespielt, bei den blauen Sechzigern in Giesing. Bereits mit 18 Jahren jedoch verschlug es das Talent Luginger in den Westen, nach Leverkusen.

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Fühlt sich "frisch und gut": Bayern-Stürmer Miroslav Klose (re.) drängt zurück in die Startelf der Münchner. (© Foto: Getty)

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Inzwischen ist der Niederbayer Trainer von Rot-Weiß Oberhausen, und an diesem Dienstag (19 Uhr, Arena) tritt der Tabellensiebte der zweiten Liga im DFB-Pokal in München an - bei den Roten vom FC Bayern. Zur Veranschaulichung der Kräfteverhältnisse stellten die Oberhausener auf ihrer Homepage eine Rechnung auf: Allein Franck Ribéry und Arjen Robben, alias Robbery, die beiden Teilchenbeschleuniger auf den Angriffsflügeln der Bayern, seien Pi mal Daumen 100 Millionen Euro wert: "Mit dieser Summe könnte RWO 14 Jahre den aktuellen Gesamtetat des Vereins finanzieren."

Messer zwischen den Zähnen

Diesem platten Zahlenvergleich zufolge steht dem FC Bayern eine Pokalprüfung mit niedrigem Risikofaktor bevor. Der Außenseiter aus dem Ruhrgebiet ist zwar - gemessen an seinem graumäusigen Image - mit zehn Punkten solide in die Saison gestartet, er verlor jedoch am vorigen Wochenende bei Greuther Fürth 0:4. Und auch der Heimvorteil, oft ein entscheidendes Kriterium für Cupsensationen, liegt auf Seiten des turmhohen Favoriten. "Es wird sehr schwer", sagt Luginger mit angemessener Zurückhaltung, "trotzdem werden wir versuchen, das Unmögliche zu schaffen." Aus wenig viel machen, so lautet auch das Arbeitsmotto der Rot-Weißen, "mit Herz und Leidenschaft statt Kohle" - und einer Prise Glück, symbolisiert vom Kleeblatt im Klubwappen.

Holger Badstuber kennt vermutlich all die alten Oberhausener Sagen nicht: aus den Bundesliga-Jahren des Malocherklubs, nebst Verwicklung in den Bestechungsskandal 1970/71. Badstuber, 20, der aufstrebende Jungverteidiger des FCBayern, weiß wohl allenfalls, dass am Dienstag die Stürmer Ronny König und Mike Terranova auf ihn und seinen Partner im Innendienst der Abwehrkette, Daniel van Buyten, zukommen werden. Badstuber gibt jedoch zu bedenken, die Vorbereitung auf den Pokalabend sei "extrem kurz" gewesen, wo doch gerade erst der 1.FC Nürnberg (2:1) in der Liga zu Gast war. Und Miroslav Klose, in der internen Stürmertabelle des FC Bayern derzeit auf Uefa-Cup-Kurs, weiß zu berichten, dass die Oberhausener "einen guten Ball spielen". All jene Hinweise, na klar, waren hübsche Verklausulierungen für die Mutter aller Favoritenphrasen: Nein, auch diesen unterklassigen Herausforderer dürfe man "bloß nicht unterschätzen".

Radikale Rotation?

Was Trainer Louis van Gaal personell gegen Oberhausen plant, ist eine Frage für versierte Glaskugelgucker. Gut möglich, dass er diesmal radikal rotieren lässt, die Gelegenheit wäre günstig, um missmutige Reservisten mit einem Einsatz zu erheitern. Doch womöglich gibt es solche festgefügten Klassifizierungen beim FCBayern sowieso nicht mehr: Stammspieler hier, Bankdrücker dort. Van Gaal entscheidet jenseits hierarchischer Kasten, von Spiel zu Spiel, und dieser praktizierte Leistungsdarwinismus komme gut an, weil er ehrlich und berechenbar sei - so sagt es Klose, zuletzt einer der Leidtragenden des Prinzips: "Der Trainer macht die Aufstellung nicht von Namen oder Millionen abhängig, sondern von der Leistung im Training, das zieht er gnadenlos durch, deswegen schätzen ihn alle im Team", versichert der Nationalstürmer.

In den vorderen Teamregionen ist van Gaals Auswahl üppig: Robbery für links und rechts, der gegen Nürnberg ausgewechselte Mario Gomez für die Mitte, alternativ der elanvolle Charakterfußballer Ivica Olic, dazu Senkrechtstarter Thomas Müller, ein sich gegen viele Zweifler aufbäumender Luca Toni - und Klose. Das bietet mannigfaltige Möglichkeiten. Und Reibungspotential: "Jeder Stürmer hat natürlich Ansprüche", weiß Klose.

Kloses Comeback

Der 31-Jährige selbst war nach diversen Blessuren im Frühjahr und Sommer mäßig in die Saison gestartet und sorgte zuletzt für zwiespältige Debatten, als er sich freiwillig für die Auswärtsspiele in Dortmund und Haifa abmeldete, um zu Hause Fitnessdefizite abzuarbeiten. Vor dem Pokalspiel sagt Klose nun, er fühle sich "frisch und gut". Angedeutet hatte er das bereits nach seiner Einwechslung gegen Nürnberg am Samstag, er ging griffig und geschmeidig zu Werke, als hätte es keine wochenlange Absenz gegeben.

Altruismus und Lauffreude sind seit je her die Pluspunkte des mannschaftsdienlichen Kloses. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass sich van Gaal darüber hinaus eine aggressive Komponente wünscht: "Der Trainer sagt immer", sagt Holger Badstuber, "wir sollen ein Messer zwischen den Zähnen haben" - auch gegen eher einfache Gegner: "Sonst gibt's gegen Oberhausen eine Überraschung", unkt van Gaal, "und Ärger mit mir."

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(SZ vom 22.09.2009/jbe)