Fußball DFB greift nach dem Planeten Nationalelf

Ist Oliver Bierhoff (rechts, mit DFB-Präsident Reinhard Grindel) bald nicht mehr "Nationalelf-Manager", sondern "Direktor Elite-Fußball"?

(Foto: imago/Schüler)
  • Die Nationalmannschaft hat in den vergangenen Jahren ein relativ eigenständiges Dasein geführt.
  • Doch wenn es nach den Mächtigen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geht, soll sie künftig stärker heranrücken an den Rest des Verbandes.
  • Und es könnte durchaus sein, dass das noch zu der einen oder anderen Debatte führt.
Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Wenn nicht der Himmel auf alle Espresso-Maschinen dieser Welt fällt, wird Joachim Löw auch im November noch Trainer der deutschen Nationalmannschaft sein. Mit nahezu der gleichen Wahrscheinlichkeit wird er dann auch mit dem Trainerteam arbeiten, mit dem er heute arbeitet, und wird er solche Spieler einladen, die auch heute schon zum inneren oder erweiterten Kreis des Teams gehören. Aber trotz dieser erwartbaren Kontinuitäten wird sich rund um die Nationalelf nach dem letzten Qualifikations-Block gegen Nordirland und Aserbaidschan etwas verändern.

Die Nationalmannschaft hat in den vergangenen Jahren ein relativ eigenständiges Dasein geführt. Doch wenn es nach den Mächtigen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geht, soll sie künftig stärker heranrücken an den Rest des Verbandes. Und es könnte durchaus sein, dass das noch zu der einen oder anderen Debatte führt.

Die DFB-Verantwortlichen bringen in diesen Tagen eine größere Reform der Verbandszentrale voran; sie geht vor allem auf den neuen Generalsekretär Friedrich Curtius zurück. Der ist zwar schon länger im Verband und arbeitete viele Jahre als Büroleiter von Ex-Präsident Wolfgang Niersbach, der im Zuge der Sommermärchen-Affäre sein Amt verlor. Aber unter dem neuen Präsidenten Reinhard Grindel stieg Curtius im März 2016 dennoch zum Generalsekretär und damit mächtigsten Hauptamtlichen des Verbandes auf. Eine seiner Aufgaben: die Neuformierung des DFB.

Von Führungsschwäche ist die Rede

Dabei kam es in den vergangenen Monaten zu teils alarmierenden Befunden. In Befragungen der mehr als 300 Mitarbeiter war die Rede von Führungsschwäche und fehlenden Strategien. Die eingeschaltete Unternehmensberatung McKinsey attestierte, dass die Entscheidungswege zu kompliziert seien. Es gab Verwunderung, wie stark die Mitarbeiter-Zahlen zwischen den Abteilungen schwanken. Auch aus finanzieller Sicht sind die Zeiten schwierig, unter anderem aufgrund der Unwägbarkeiten über die Folgen der WM-Affäre. Daher soll der Verband neu geordnet werden, was noch viel Gegrummel und Unruhe hervorrufen dürfte. Und in diesem Kontext geht es auch um die Nationalmannschaft.

Dass er gegen eine "Verselbstständigung" der A-Elf sei, tat Curtius schon zu Jahresbeginn in einem Zeit-Interview ungewohnt unmissverständlich kund: "Der große Glanz der DFB-Elf allein ist verführerisch", sagte er damals, "da muss ich dagegenhalten und sagen: nein!"

Es hatten sich in der Tat seit den umstürzlerischen Tagen von Jürgen Klinsmann ein paar neue Strukturen und Funktionen etabliert. Wie ein eigener Planet kam die A-Mannschaft zunehmend daher. So gibt es etwa seit 2004 einen Teammanager für die Auswahl, ein Amt, das durchgehend Oliver Bierhoff ausfüllte. Andererseits schuf der DFB auch einen Sportdirektoren-Posten, dessen Besetzung seit 2006 öfter wechselte: von Matthias Sammer zu Robin Dutt und zu Hansi Flick und nach dessen Rückzug zu Jahresbeginn interimsmäßig zu Horst Hrubesch.

Diese Sportdirektoren kamen mal schlechter und mal besser mit der Leitung der Nationalelf und den Verbandsoberen zurecht, aber eine Diskussion gab es immer: übers konkrete Jobprofil und die verbundenen Kompetenzen.