Von Von Klaus Ott

Stell' Dir vor, es ist Uefa-Cup, und niemand guckt zu. Der europäische Pokal lohnt sich für die deutschen Klubs kaum noch. Die ARD steigt ganz aus, das ZDF will die Preise senken.

Der VfB Stuttgart hatte keine Chance, zu keiner Zeit. Das Auswärtsspiel vor einer Woche beim SC Heerenveen in den Niederlanden geriet zu einem Desaster - Günther Jauch war einfach nicht zu bezwingen.

(Reuters)

Wenig zu sehen, nicht nur wegen des Nebels: ARD und ZDF sparen künftig beim Uefa-Cup. (© Foto: Reuters)

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Elf Millionen Zuschauer schalteten bei RTL ein, als der Quizmaster eine Sonderausgabe von Wer wird Millionär präsentierte. Den Auftritt der Schwaben im Uefa-Cup, der in Sat 1 live übertragen wurde, verfolgten nur 2,7 Millionen Fans. Die sahen, wegen des Nebels im Stadion, nicht viel.

Dass der VfB trotz etlicher Torchancen mit 0:1 verlor und so die vorzeitige Qualifikation für die nächste Runde versäumte, passte ins Bild. Für die Vereine gerät dieser Fußball-Wettbewerb tatsächlich mehr und mehr zu einem "Cup der Verlierer", wie der Experte Franz Beckenbauer schon vor Jahren spottete.

Die Begegnungen sind in den ersten Runden oftmals wenig attraktiv; der neue Modus mit der Gruppenphase, die eine bessere Vermarktung ermöglichen sollte, erweist sich als sportlich fragwürdig; und die Sender sparen bei den TV-Honoraren.

Uefa-Cup zum Spartarif

Die ARD steigt nächste Saison aus dem Uefa-Cup aus, das ZDF will die Übertragungspreise radikal senken, und von den Privatkanälen wie dem Deutschen Sportfernsehen (DSF) oder Sat 1 ist das große Geld nicht zu erwarten. Im Uefa-Cup wird künftig kein Bundesligist mehr so schnell Millionär. Da lohnte sich schon eher die Qualifikation für Jauchs Quizshow in RTL.

Bislang war das anders. Selbst Großklubs wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund setzten alles daran, zumindest in diesen europäischen Vereinswettbewerb zu gelangen, wenn es schon zur Teilnahme an den Champions League nicht reichte.

Notfalls tingelten Schalke und andere Vereine im Sommer durch die Provinz in Österreich und anderen Ländern, um über den UI-Cup in den Uefa-Cup vorzustoßen. Auch dort ließen sich Millionensummen einspielen; dank eines Großvertrags von ARD und ZDF.

Die öffentlichen-rechtlichen Anstalten, die von der Rundfunkgebühr der Zuschauer leben, hatten sich bei der in Hamburg ansässigen Agentur Sportfive verpflichtet, zahlreiche Spiele zu hohen Summen zu kaufen und zu übertragen. Und Sportfive wiederum versorgte die Klubs. Rund 250 Vereine aus ganz Europa sind an die Agentur gebunden, aus der Bundesliga etwa der VfB Stuttgart und Schalke. Es gab einiges zu verdienen.

Schmidt statt Sport

Kürzlich beschloss die ARD, den Vertrag mit Sportfive Ende der Saison auslaufen zu lassen. Man müsse die Rückkehr von Harald Schmidt und dessen Show im Ersten finanzieren, lautete die Begründung.

Schalke-Manager Rudi Assauer und der VfB waren bedient, die Stuttgarter ganz besonders. Der Schwabe Schmidt ist dort Vereinsmitglied. Nun kommt es noch schlimmer. Das ZDF will beim Uefa-Cup dabei bleiben, aber die TV-Honorare in den Spielen bis zum Viertelfinale um gut die Hälfte drücken.

Chefredakteur Nikolaus Brender nennt keine Zahlen, gibt jedoch die Richtung vor. Der bisherige Vertragspartner Sportfive müsse bei der Auswahl der Spiele, die das ZDF haben könne, wie auch bei den Preisen "deutlich flexibler werden". Man müsse mit den "Gebührenmitteln der Zuschauer vernünftig umgehen".

In Stuttgart stößt die neue Strategie der Öffentlich-Rechtlichen auf großes Missfallen. "Mit fehlt dafür das Verständnis, weil der Uefa-Cup nach wie vor ein attraktiver Wettbewerb ist, mit ausverkauften Stadien bei uns und in Schalke", sagt VfB-Finanzvorstand Ulrich Ruf.

Sportfive-Geschäftsführer Robert Müller assistiert: Die TV-Quoten seien teilweise besser als bei der Champions League. Er sei zuversichtlich, dass "die Preise nicht signifikant sinken". Das klingt wie das berühmte Pfeifen im Walde.

Die Klubs müssen sich jetzt schon bei manchen Heimspielen mit einem TV-Honorar zwischen 100 000 und 200 000 Euro begnügen. Eine Übertragung im deutschen DFB-Pokal bringt deutlich mehr.

Das DSF, das Donnerstag das Spiel von Aachen gegen Petersburg zeigt, würde gerne öfter vom Uefa-Cup senden. Allerdings, so Geschäftsführer Rainer Hüther, "ohne finanzielles Risiko" - also zu überschaubaren Preisen.

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(SZ vom 01.12.2004)