Von Javier Cáceres

Das glückliche Los der Bayern: Sporting Lissabon gilt in der Heimat als Ausbilder von großen Talenten wie Cristiano Ronaldo - aber als ewiger Zweiter hinter Benfica.

Lissabon gilt als ein Ort der Melancholie. Doch nur selten ballte sie sich so sehr wie vor gut drei Jahren im Estádio de José Alvalalde, der Heimstatt des Sporting Clube de Portugal. Das 52.000 Menschen fassende Fünf-Sterne-Stadion hatte 2005 den Zuschlag für das Uefa-Cup-Finale erhalten, und Sporting gelang sich, sich dafür zu qualifizieren. Doch was als ausgemachte Feier galt, endete in der Tragödie. ZSKA Moskau nahm den Pokal mit, nach 0:1-Rückstand zur Halbzeitpause siegten die Russen 3:1.

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Sportings Offensive: Yannick Djalo (rechts) und Joao Moutinho feiern ein Champions-League-Tor. (© Foto: AP)

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An zweite Plätze hat Sporting sich auch unter dem seither regierenden Trainer Paulo Bento, 39, gewöhnen müssen: In jeder Spielzeit landete Sporting in der Schlusstabelle hinter der portugiesischen Hegemonialmacht FC Porto. Und nährte so das Gefühl der unüberwindbaren Nostalgie, das nur mühsam von den Pokalgewinnen der letzten beiden Jahre kaschiert werden konnte.

Die Münchner Bayern haben für das Achtelfinale der Champions League einen durchaus schlagbaren Gegner zugelost bekommen, das wissen sie selbst. Trainer Jürgen Klinsmann sagte: "Wir haben's ganz gut erwischt." Sechs Jahre liegt der letzte Meisterschaft Sportings zurück, den Titel errangen die Löwen, wie sie genannt werden, unter dem bis heute vergötterten ungarischen Trainer Bölöni, der auch das bislang letzte Top-Fabrikat aus Europas womöglich bester Außenstürmer-Produktion debütieren ließ: Cristiano Ronaldo.

Ähnlich wie die Löwen in München

Er war der Erbe von Spielern wie Paulo Futre, Sa Pinto oder Luís Figo; und selbst Cristiano Ronaldos Nachfolger sind Spieler von außergewöhnlichem Rang, ob sie Simão (Atletico Madrid) heißen, Quaresma (Inter Mailand) oder Danny Alves, der 2005 zu Dynamo Moskau wechselte und im August dieses Jahres für 30 Millionen Euro von Zenit St.Petersburg gekauft wurde. Auch Manchester Uniteds Nani entstammt der Nachwuchsabteilung Sportings, für ihn überwies Alex Ferguson damals fast 30 Millionen Euro. Es war der Transferrekord Sportings, einem an Historie und Titeln reichen Klub.

Ähnlich wie die Löwen in München gelten auch die Löwen in Lissabon als der Verein der Städter. Sporting hat weit weniger Strahlkraft ins restliche Portugal denn Benfica. 18 Mal wurde Sporting Meister, 15 Mal Pokalsieger. Nichts überstrahlt freilich den Sieg im Pokalsiegerwettbewerb von 1964 (in dessen Verlauf sie mit einem 16:1-Rekordsieg gegen Apoel Nikosia Europacup-Geschichte schrieben und im Finale gegen MTK Budapest gewannen) - außer natürlich die Europapokale der Landesmeister des Lokalrivalen Benfica Lissabon, in dessen Schatten Sporting sich immer wähnt.

Dass Sporting in dieser Saison in Europa triumphieren könnte, darf als ausgeschlossen gelten. Der FC Bayern geht als unumstrittener Favorit in die Partien gehen, allein schon das Budget von 20 Millionen Euro weist Sporting als Außenseiter aus. Zudem sind die sportlichen Signale, die Sporting aussendet, seit Saisonbeginn kaum zu dechiffrieren.

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