Keine Angst vor dem großen Namen: Der VfL Wolfsburg verliert in der Champions League nach mutigem Beginn und Führung 1:2 bei Manchester United.

Das Spiel war gerade mal eine halbe Stunde vorbei, aber weil dieses Spiel verloren gegangen war, hatte Torwart Diego Benaglio beinahe schon vergessen, dass es zwischendurch ja ganz gut aussah für seinen VfL Wolfsburg. ,,Wir haben 1:0 geführt - glaube ich'', sagte er, und gegen diese Darstellung ist nichts einzuwenden. Edin Dzeko hatte den deutschen Meister in Führung gebracht bei Manchester United, am zweiten Vorrundenspieltag der Champions League, doch Ryan Giggs glich kurz danach per Freistoß aus, und eine Viertelstunde vor Schluss schoss Michael Carrick das Tor zum 2:1 für United.

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Keine Angst vor großen Namen: Josué (links oben) kommt in Manchester mit dem Kopf vor dem englischen Nationalspieler Wayne Rooney an den Ball. (© Foto: dpa)

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"Wir haben sehr gut gespielt", sagte Dzeko, "schade, dass wir nach unserer Führung den schnellen Ausgleich bekommen haben." Trainer Armin Veh fand: "Ein Unentschieden wäre absolut korrekt gewesen, für beide Mannschaften." Mit drei Punkten rangiert der VfL in der Gruppe nun aber wie ZSKA Moskau hinter Manchester, sechs Zähler.

Wolfsburgs Trainer Armin Veh hatte sich nur einen Feldspielerwechsel ausgedacht im Vergleich zum 4:2 gegen Hannover, aber diesen Wechsel nahm er auf einer zentralen Position vor. Er ließ Abwehrchef Andrea Barzagli auf der Bank, für ihn durfte Ricardo Costa mitspielen. "Manchester hat wendige, schnelle Stürmer", begründete Veh den Tausch, "es ist wichtig, sicher zu stehen." Zuletzt stand seine Defensivabteilung nicht sicher, 14 Gegentore hat der Meister in sieben Spielen in der Bundesliga schon zugelassen. Doch Costa sollte nicht nur die Zentralverteidigung stabilisieren bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz in der Startelf seit Dezember, er sollte der Wolfsburger Auswahl auch jene Europapokal-Erfahrung hinzufügen, derer es Bedarf, um zu bestehen im Regen von Manchester, vor 65.000 Zuschauern. Mit dem FCPorto hat Costa 2004 die Champions League gewonnen.

Die Wolfsburger Innenverteidigung traf auf Wayne Rooney und Michael Owen, doch in den Anfangsminuten gab es wenig zu tun für Costa und seinen Nebenmann Alexander Madlung. Der VfL startet mutig in das bislang größte Spiel der Klubgeschichte, Veh hatte seiner Mannschaft ja einen mutigen Start empfohlen, um nicht überrant zu werden vom englischen Meister mit seinen Sturm-und-Drang-Kräften Rooney, Owen, Valencia und Giggs. Nach einem Vidic-Fehler wagte Gentner den ersten Torschuss der Wolfsburger (4.), kurz danach verpasste Dzeko nach einem Fehlpass von Evra das von Kuszczak bewachte United-Tor (11.).

Nach nicht einmal 20 Minuten kam Berbatow für den leicht muskelverletzten Owen ins Spiel, und mit der Einwechselung des ehemaligen Leverkuseners geriet das United-Spiel in Schwung. Erst leitete er mit der Hacke eine Chance für Valencia ein (25.), dann spitzelte den Ball zu Carrick, dessen Schuss aus wenigen Metern VfL-Torwart Benaglio mit dem Fuß abwehren konnte (30.). Als Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn die Pause anordnete, hatte das Publikum im Old Trafford eine Spielhälfte gesehen, wie sie die Experten erwartet hatten: Eine Spielhälfte, in der sich die Mannschaft aus deutschland ein bisschen im Angriff versuchen durfte, in deren Verlauf der Druck der englischen Mannschaft zunahm von Minute zu Minute.

Entsprechend irritiert waren die Spieler aus Manchester, als der VfL in in der 56. Minute die Führung übernahm. Dzeko verwertete eine Hasebe-Flanke mit dem Kopf. "das Tor war wichtig für mein Selbstvertrauen", sagte Dzeko. Die Gastgeber waren allerdings nur ein, zwei Augenblicke irritiert. Dann schoss Giggs einen Freistoß aus 18 Metern an den Kopf von Gentner, von wo aus das Spielgerät ins Tor sprang (59.). Eine Stunde war gespielt, und spätestens jetzt handelte es sich um ein echtes Champions-League-Spiel. Die Fußballer rutschten über den nassen rassen, das Publikum schrie und Rooney lupfte - der Ball flog knapp am rechten Torwinkel vorbei (62.). Besser machte es Carrick, sein Rechtsschuss aus 16, 17 Metern bedeutete das 2:1 für United (78.).

"Wir hätten drei Punkte holen können, es war nicht mal einer", bemerkte Veh am Ende des Abends, "aber wir haben gut ausgesehen."

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(SZ vom 01.10.2009)