Fußball: Champions League Drei Titel sind noch kein Triple

Bei Olympique Lyon will der FC Bayern den Grundstein legen für eine Saison mit drei Titelgewinnen. Aus gegebenem Anlass daher: eine Kurzgeschichte des Triples.

Von Johannes Aumüller

Vor einigen Wochen, nach dem Bundesligaspiel in Leverkusen, war Bayerns Trainer Louis van Gaal mal wieder zum Scherzen zumute. Und so verblüffte der Niederländer Journalisten und Zuschauer mit dieser Aussage: "Wenn wir das Triple holen, dann höre ich auf. Dann kann ich nichts mehr verbessern."

(Foto: Collage: sueddeutsche.de)

Unabhängig von der Ernsthaftigkeit dieser Aussage weiß Louis van Gaal, welch bedeutender Moment ihm in seiner Premiere-Saison beim deutschen Rekordmeister glücken könnte. Einen Titel zu holen, ist für einen Bayern-Trainer bekanntlich Pflicht. Ein Double zu gewinnen, ist auch keine besondere Sache mehr, das gelang alleine den Bayern schon sieben Mal, dazu Bremen, Köln und - vor dem zweiten Weltkrieg - sogar dem FC Schalke sowie zu DDR-Zeiten Dresden, Rostock und dem BFC Dynamo. Aber Meisterschaft plus Pokalsieg plus Triumph in einem internationalen Wettbewerb, das wäre in der Tat historisch: In 53 bisher möglichen Triple-Jahren (erst seit 1955/56 gibt es Wettbewerbe auf europäischer Ebene) hat das noch kein Bundesligist geschafft, der einzige deutsche Triple-Sieger sind die Frankfurter Fußball-Frauen (2002).

In anderen europäischen Ländern sieht das anders aus, schon mehr als eine Handvoll Vereine bejubelte den Dreifach-Erfolg. Allerdings beginnt die Geschichte des Triples mit einer Interpretationsfrage. Denn der FC Barcelona gewann 1959 zwar nicht drei Wettbewerbe, konnte sich aber in jenem Jahr als amtierender Titelträger dreier Wettbewerbe feiern lassen.

Der Grund für diese merkwürdige Konstellation: Die Europa League, die damals noch Messe-Pokal hieß, wurde über mehrere Jahre ausgetragen. Die von 1955 bis 1958 laufende Runde hatte Barca für sich entschieden, 1959 selbst wurde kein neuer Sieger im Messepokal gekürt, Meister- und nationaler Pokaltitel gingen nach Barcelona. Weil aber die Katalanen auch noch die von 1958 bis 1960 ausgetragene nächste Runde des Messepokals gewannen, können sie sich zumindest als Triplesieger der Herzen fühlen.

Das Triple des FC Liverpool ist ebenfalls nicht astrein. Zwar siegten die Reds 1984 bei einem internationalen und zwei nationalen Wettbewerben - dies jedoch nur dank der cleveren Strategie des englischen Fußballverbandes, neben dem nationalen Pokal auch noch über einen Liga-Pokal zu verfügen. Die Liverpooler holten den Landesmeister-Cup, die Meisterschaft und den Liga-Pokal - im nationalen Pokal hingegen scheiterten sie schon vor dem Endspiel.

Barcelona, das Quadruple-Vorbild

Ohne jeden Zweifel ein Triple gelang 1967 den Spielern von Celtic Glasgow. Dass sie neben dem Europapokal der Landesmeister (heute Champions League), der Meisterschaft und dem nationalen Pokal auch noch den Liga-Pokal und den Glasgow Cup gewannen, interessiert an dieser Stelle nicht. Wie vor 43 Jahren den Glasgowern fiel der Triple-Gewinn auch in den Folgejahren den Mannschaften leichter, die aus schwächeren Ligen kommen und in Meisterschaft und nationalem Pokalwettbewerb weniger starke Konkurrenz besiegen mussten.

So holten Ajax Amsterdam (1972), IFK Göteborg (1982), PSV Eindhoven (1988), Galatasaray Istanbul (2000), FC Porto (2003) und ZSKA Moskau (2005) in einer Saison drei Titel. Die Triples von Glasgow, Amsterdam und Eindhoven sind dabei etwas höher einzuschätzen, weil sie auf europäischer Ebene den Landesmeister-Cup gewannen, die anderen Triple-Sieger "nur" den Uefa-Pokal.

Aus einer der stärkeren Ligen Europas gelang bisher nur zwei Mannschaften der Dreifach-Triumph: zum einen Manchester United 1999, nach einem Champions-League-Finalsieg ausgerechnet gegen die Bayern, und zum anderen dem FC Barcelona, der es 2009 aber nicht dabei beließ, Champions League, Meisterschaft und Pokal zu gewinnen, sondern auch noch die Klub-Weltmeisterschaft für sich entschied.

Und da der FC Barcelona bekanntlich das große Vorbild des Louis van Gaal ist, weiß der wenigstens, dass es selbst im Falle eines Triples noch Steigerungspotential gibt - und keinen Grund, den Vertrag in München vorzeitig zu beenden. Erst mal müsste das Quadruple her.

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