Von Johannes Aumüller

Während des 2:1-Sieges der Bayern gegen Leverkusen fielen sie mit starken Paraden auf, nach dem Spiel mit warmen Worten für ihren Gegenüber: Oliver Kahn und René Adler. Warum steht nicht einer von ihnen bei der EM im Tor?

Die Spieler von Bayer Leverkusen hatten nach dem 1:2 gegen Bayern kaum Gründe, glücklich in die Kameras zu blicken. Allein bei zwei von ihnen hätte man ein wenig Freude nachvollziehen können. Bei Bayers russischem Angreifer Dmitrij Bulykin, der kurz vor Schluss den Anschlusstreffer erzielt hatte - und bei Bayers erst 23-jährigem Torhüter René Adler, der mit etlichen Paraden gegen Klose & Co. das Ergebnis niedrig gehalten hatte.

Bild vergrößern

(© Foto: Getty)

Anzeige

Doch beide verzichteten darauf, sich über das persönliche Erfolgserlebnis zu freuen. Bulykin erklärte, es sei nie schön, ein Tor zu erzielen, wenn die Mannschaft verlieren würde. Und auch Adler gab sich als Mannschaftsspieler: "Verloren ist verloren", lautete sein knappes Fazit.

Dabei war Adler der mit Abstand beste Leverkusener an diesem Tag. Etliche Male parierte er stark gegen die Bayern-Offensive - und erhöhte damit seine Chancen, bei der Europameisterschaft im Juni als dritter Torwart dabei zu sein. Über die gesamte Saison gesehen gibt es nur einen Torhüter, der auf ähnlich starke und konstante Leistungen verweisen kann wie der Leverkusener. Und das ist der Mann, der beim 1:2 von Bayer in München gute 100 Meter von Adler entfernt stand: Bayerns bereits 38-jähriger Torwart Oliver Kahn.

Kahn hatte gegen Leverkusen zwar nicht so viele Gelegenheiten wie Adler, sich auszuzeichnen. Aber bei den wenigen Malen, als er es tun musste, agierte er überzeugend. Vor allem seine Parade mit der Fußspitze gegen einen von Barbarez abgefälschten Schuss reihte sich in die Hitparaden der sehenswertesten Torhüter-Leistungen der Saison ein. Ob er solche Situationen wirklich trainiert, wie er im Interview nach dem Spiel andeutete, sei mal dahingestellt - stark war diese Reaktion auf alle Fälle.

Fußball-Deutschland dürfte damit mal wieder kurz vor einer Torhüter-Diskussion stehen. Die Situation ist aber auch zu paradox. Jens Lehmann muss bei Arsenal London fast immer nur zuschauen. Timo Hildebrand sitzt in Valencia immer mal wieder auf der Bank, Hannovers Robert Enke spielt wie schon seit Jahren eine gute Saison, ist aber einfach kein internationaler Spitzen-Torhüter, und die derzeit besten deutschen Keeper fahren entweder gar nicht (Kahn) oder nur unter Umständen und dann nur als dritter Mann (Adler) zur Europameisterschaft.

Untereinander haben Kahn und Adler ihre Leistungen schon ausführlich gewürdigt. Die Torwart-Zukunft Adler lief nach dem Abpfiff quer über den Platz zur Torwart-Vergangenheit Kahn, um sich dessen Trikot zu sichern. "Wir standen uns ja zum letzten Mal in der Bundesliga gegenüber", erklärte er diese Aktion. Kahn revanchierte sich für die Geste mit warmen Worten für seinen Gegenüber: "René ist jung, er kann bis nach der EM warten. Dann werden die Karten sowieso neu gemischt. Und ich bin sicher, dass dann auch seine Zeit kommen wird."

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/mati)