Von Von Christoph Biermann

Die erfolgreichen Aufsteiger haben die teuren Stars durch Systemfußball ersetzt - und heben damit das Niveau der Bundesliga.

In den vergangenen Tagen hat Ralf Rangnick verstärkt "die Sehnsucht nach Helden" gespürt. Seine persönliche war es nicht, aber irgendwie musste erklärt werden, dass die von Rangnick trainierte Schalker Mannschaft in der Bundesliga sechsmal hintereinander gesiegt und das Viertelfinale des DFB-Pokals erreicht hatte.

Rapolder (dpa)

Uwe Rapolder, Trainer von Arminia Bielefeld, hat eine Vision: "Das gemeinsame Spiel". (© Foto: dpa)

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Also wurden von der Öffentlichkeit Zauberfuß Lincoln oder Abwehrblock Bordon, der wiedererstarkte Asamoah oder sein Sturmkollege Sand als jene Helden ausgemacht, die für den königsblauen Aufschwung gesorgt hatten.

"In Deutschland haben wir die Tendenz, dass es eher um einzelne Spieler geht", sagt Rangnick. Nur wirft diese Betrachtungsweise schnell Probleme auf. Denn wie erklärt sich der erstaunliche Erfolg von Aufsteiger Mainz 05, wo selbst nach dem zwölften Spieltag beim besten Willen kein Einzelspieler auszumachen ist, der für das Ganze verantwortlich ist?

"Es geht in Mainz und bei uns um eine Vision von gemeinsamen Spiel", sagt Uwe Rapolder, der Trainer von Arminia Bielefeld. Auch Rapolder muss einen nicht zu erwartenden Erfolg ohne Stars erklären.

Wie in Mainz und beim dritten Aufsteiger Nürnberg wurde in Ostwestfalen nach der Rückkehr in die Bundesliga sehr wenig Geld für Transfers ausgegeben. Trotzdem sieht es so aus, als könnten sich erstmals seit vielen Jahren alle drei Neulinge vom Abstiegskampf fern halten.

Noch überraschender ist jedoch, dass es zudem Spaß macht, ihnen beim Spielen zuzusehen, denn weder Bielefeld noch Mainz oder Nürnberg wollen sich den Klassenerhalt ermauern.

Organisierte Aggressivität

Wenn Rapolder die Maximen seines Fußballs erklärt, klingt er zunächst wie ein Wanderprediger. "Fußball ist zu sehr von Egoismen geprägt, er muss altruistischer werden", sagt der Coach.

Als Beitrag zu einer Wertedebatte im Fußball ist das aber so wenig gemeint, wie es für den Bielefelder Coach ausdrücklich "keine mentalen Begriffe" sind, wenn er über Leidenschaft und mannschaftlichen Zusammenhalt spricht.

"Es geht vielmehr um Organisationsformen auf dem Rasen", sagt Rapolder. Wer wohin läuft, wie man dem Gegner den Ball abluchst, das soll einem Plan folgen. Das Spiel soll in vertikalen und horizontalen Linien strukturiert sein. "Die Aggressivität muss organisiert werden", sagt Rapolder.

Neu ist das nicht, wie das von Jürgen Klopp in Mainz postulierte "Spiel gegen den Ball" nur ein anderer Name für Pressing ist. Auch hat die Organisation des Spiels auf dem Rasen schon immer eine wichtige Rolle gespielt. "Aber vielleicht ist ihr hierzulande nicht durchgehend die Bedeutung zugemessen worden", sagt Rangnick.

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