Der VfL Wolfsburg steht nach einem 5:0-Kantersieg kurz vor dem Titel, Bayern patzt in Hoffenheim. Stuttgart darf noch hoffen, Berlin ist aus dem Titelrennen.
Plötzlich kam noch einmal dieser Fabricio herangebraust, dieses 17-jährige Talent aus der Mannschaft von Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick. 2:2 stand es da zwischen der TSG und dem FC Bayern, nur noch wenige Minuten waren zu spielen, da hatte dieser Fabricio die Chance, den Bayern auch noch das letzte bisschen Hoffnung auf die Meisterschale zu nehmen. Doch die Münchner hatten Glück: Fabricio vergab, es blieb beim 2:2, und so dürfen wenigstens noch die Mathematiker (schade, dass Ottmar Hitzfeld weg ist) und die ganz großen Optimisten (gut, dass Uli Hoeneß noch da ist) an den 23. Titel der Münchner glauben.
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Die Wolfsburger Fans stemmen schon mal die Schale in die Höhe. (© Foto: Reuters)
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Doch die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn während die Herynckes-Elf patzte, gab sich der VfL Wolfsburg gegen Hannover keine Blöße und siegte überlegen mit 5:0. Damit liegen die Wölfe nun zwei Punkte und sieben Tore vor dem FC Bayern, und ein Remis gegen Bremen bedeutet für die Magath-Elf die Meisterschaft. (Wenn Bayern nicht gerade mit sieben Treffern Unterschied gegen Stuttgart gewinnt, aber das ist so wahrscheinlich wie eine Rückkehr von Ottmar Hitzfeld an die Säbener Straße.)
Stattdessen sollten sich die Bayern lieber auf den Kampf um Platz zwei konzentrieren, denn nach dem Stuttgarter 2:0 gegen Cottbus steht am letzten Spieltag ein echtes Endspiel um diesen Rang an, wenn die Bayern die Schwaben empfangen. Hertha BSC Berlin spielt nach dem 0:0 gegen Schalke keine Rolle mehr im Kampf um die Schale und kann nur noch auf Platz zwei hoffen, wenn sich Bayern und Stuttgart Remis trennen.
Noch selten zuvor in ihrer mittlerweile 46-jährigen Geschichte, so lautete die Standard-Aussage vor dem 33. Spieltag, hat die Bundesliga so einen engen Titelkampf gesehen: Gleich vier Mannschaften konnten sich noch Hoffnungen auf den Titel machen. Und noch selten zuvor hatte es so viele Konjunktive, so viele hätte, wäre und wenn's gegeben, unter welchen Umständen welche Mannschaft Meister werden könnte beziehungsweise sich endgültig aus dem Titelkampf verabschieden würden.
Die Wolfsburger konnte allein folgender Konditionalsatz irritieren: Sollten sie tatsächlich verlieren und gleichzeitig Bayern und Stuttgart gewinnen, wäre die Schale schon weg gewesen. Andererseits wussten sie, dass sie faktisch schon vorzeitig die Meisterschaft hätten feiern können, wenn sie gewonnen und Bayern, Stuttgart und Hertha verloren hätten.
Zwischen die Fast-Meister-Sein-Option und die Ganz-sicher-nicht-mehr-Meister-werden-können-Möglichkeiten streute Trainer Felix Magath zuversichtliche Stimmung: "Zwei Siege, dann ist der Drops gelutscht." Dann gibt's kein hätte, kein wäre, kein wenn, und sein VfL ist deutscher Meister - so einfach kann Fußball sein. Und verblüffenderweise war Magath nicht nur der zuversichtlichste aller möglichen Titel-Trainer, sondern war auch seine Mannschaft die Elf, die am souveränsten alle Konjunktive wegsteckte und drei Zähler einfuhr.
Hannover hat die erste Chance
Beim 5:0 (3:0) im Niedersachsenderby in Hannover war einmal mehr der Ausnahmesturm mit Edin Dzeko und Grafite für den Erfolg verantwortlich: Dzeko erzielte einen Dreierpack, Grafite steuerte die weiteren Tore bei. Vor 49.000 Zuschauern in Hannovers ausverkaufter WM-Arena untermauerten die Gäste ihre Titelambitionen von Beginn an mit druckvollem Spiel nach vorn und wurden durch Dzeko (14./54./68.), der nun 24 Saisontore auf dem Konto hat, sowie die Saisontreffer 25 und 26 von Grafite (30. und 33.) belohnt.
Dabei hatten die im Laufe des Spiels zunehmend indisponierten Platzherren die erste große Möglichkeit. Der Ex-Wolfsburger Jacek Krzynowek traf mit einem abgefälschten Freistoß nur den Pfosten und sorgte damit zum Verhängnis seines Teams für den letzten nötigen Weckruf beim VfL (10.). Die kongenialen Angriffspartner Dzeko und Grafite scheiterten im Gegenzug mit einer Doppelchance, bevor es der Bosnier vier Minuten später besser machte und mit einem Traumtor für die Führung sorgte.
Nach einem Zuspiel von Makoto Hasebe stoppte Dzeko den Ball mit der Brust und wuchtete ihn aus 18 Metern ins Netz. Marcel Schäfer per Freistoß (22.) und Christian Gentner mit einem Lattentreffer (30.) hätten für den VfL erhöhen können, dies sollte aber Grafite vorbehalten bleiben. Der Führende der Torjägerliste wurde zweimal glänzend über den linken Flügel in Szene gesetzt und blieb beim Abschluss eiskalt.
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