Der Hamburger SV gewinnt ein Spiel der vergebenen Chancen gegen den FC Bayern mit 1:0. Während Petric trifft, raufen sich die Münchner Stürmer die Haare.
Es war kein Spaß, es war purer Ernst, und auch wenn Bastian Schweinsteiger wie ein Lausbub grinste, klang seine Einschätzung nach der Pokal-Gala des FC Bayern in Stuttgart (5:1) für den Rest der Republik fürchterlich: "Wir können", drohte Schweinsteiger, "noch a bissl besser spielen". Der Hamburger SV musste demnach mit dem Schlimmsten rechnen, vor dem in 170 Länder TV-übertragenen Eröffnungsspiel der Bundesliga-Rückrunde.
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Vergab gute, sehr gute und ausgezeichnete Chancen: Bayerns sonstiger Torgarant Luca Toni. (© Foto: dpa)
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Doch wie so oft im wetterwendischen Fußballzirkus, kam es anders, als alle dachten. Vor 57.000 Zuschauern wahrte der HSV seinen Heimnimbus dieser Saison (noch unbesiegt), er bezwang die Bayern 1:0 (1:0) durch ein Tor von Stürmer Mladen Petric (44.) und übernahm damit jenen Platz, den die Münchner laut ungeschriebenem Naturgesetz als den ihren betrachten: den Platz ganz oben in der Tabelle.
In einer vor allem nach der Pause temporeichen, turbulenten Begegnung vergab der FC Bayern mehrere hochkarätige Augsleichschancen. So war die Niederlage aus Sicht der Münchner unglücklich - der Sieg aus Perspektive der bravourös aufspielenden Hamburger aber dennoch verdient. Dies war kein Widerspruch am Freitagabend.
Zwei strittige Entscheidungen
So empfand es auch HSV-Torwart Frank Rost: "Das war ein enges Spiel, mit hundert Prozent Leistung von uns, das wir am Ende mit ein bisschen Glück, aber verdient nach Hause geschaukelt haben." Für den bitteren Bayern-Kater nach dem Pokalrausch machte Trainer Jürgen Klinsmann die "erste halbe Stunde" verantwortlich, "die haben wir verpennt, da waren nicht richtig präsent. Insgesamt sind wir natürlich sauer, weil wir uns das anders vorgestellt hatten".
Den Chancen der zweiten Halbzeit trauerte Klinsmann nach, "das war dann spielerisch okay, aber der Ball wollte nicht rein". Kollege Martin Jol musste nicht tiefschürfend differenzieren: "Wenn man Bayern schlägt, ist das hervorragend", sagte der Holländer. Torschütze Petric sprach im Rausch der Glückshormone von einem "geilen Abend", hielt es aber für "zu früh, jetzt von der Meisterschaft zu reden."
Der Bundestrainer hatte vor der Rückrunden-Ouvertüre einen "Vierkampf um den Titel" prognostiziert. Joachim Löw sieht neben den Machthabern aus München Hoffenheim, Leverkusen und den HSV als seriöse Meisterschaftsanwärter. Fest stand, unabhängig vom Ergebnis in Hamburg: Die auf dem Fernsehsofa zugeschalteten Herbstmeister aus Hoffenheim würden Platz eins über Nacht verlieren. Zur Ermittlung des neuen Spitzenreiters erwartete Klinsmann ein "packendes Spiel", er hatte jedoch vor dem Anpfiff andere Sorgen als die Tabelle. Sein Turbosolist Franck Ribéry hatte ein Wadenzwicken gemeldet, nach dem Aufwärmen hob der Franzose aber den Daumen.
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