Fußball-Bundesliga Schalke hilft China

Enge Bande nach China demonstrierte Schalke auch schon im Stadion und wünschte allen Spielern ein fröhliches chinesisches Neujahrsfest.

(Foto: imago/Jan Huebner)
  • Beim FC Schalke geht man neue Wege in der Jugendarbeit: Eine Zusammenarbeit mit einem Verein aus China soll viel Geld bringen.
  • Dafür wollen die Chinesen vom deutschen Wissen um die Ausbildung von jungen Fußballern profitieren.
Von Philipp Selldorf, Gelsenkirchen

Trotz des Aufsehen erregenden aktuellen Ärgers um das abtrünnige Familienmitglied Max Meyer hat der FC Schalke 04 an seiner Nachwuchsabteilung weiterhin gewohnt viel Freude. Erneut haben die A-Junioren in ihrer Bundesliga-Staffel geschafft, was den Profis seit 1958 nicht gelungen ist: Sie wurden deutscher Meister ... na ja: westdeutscher Meister zumindest. Die nationale Titelrunde steht noch aus, womöglich kommt es dann zum Wiedersehen mit dem FC Bayern, der die jungen Schalker im vorigen Jahr auf dem Weg ins Finale gestoppt hatte.

Längst ist die Gelsenkirchener Nachwuchsschule, die sogenannte "Knappenschmiede", ein Markenartikel im Schalker Sortiment. Sie fungiert nicht nur als ständiger Zulieferer für die Profimannschaft, sondern auch als Ressource für das Transfergeschäft. Allein die Verkäufe von Manuel Neuer (2011), Julian Draxler (2015) und Leroy Sané (2016) brachten dem Verein weit mehr als 100 Millionen Euro ein.

Auf die laute Tour

Der Bundesligist verbannt Max Meyer aus dem Profikader, da der Nationalspieler seine innere Abkehr gestanden habe - in einem Interview klagt der 22-Jährige zudem über Mobbing. Von Philipp Selldorf mehr ...

Und jetzt wird die Knappenschmiede selbst zum Exportgut. Vorstandsmitglied Alexander Jobst gab vor ein paar Tagen bekannt, dass Ausbilder des Vereins zum chinesischen Erstligaklub Hebei Fortune FC entsandt wurden, um dort den Aufbau der Nachwuchsabteilung anzuleiten. Diese Art des Know-how-Transfers sei "ein Meilenstein" auf dem Weg zum größten der sagenhaften asiatischen Märkte.

Mit den Chinesen hat Schalke 04 eine Kooperation bis ins Jahr 2023 vereinbart. Jobst spricht von einer "extrem lukrativen Vermarktung unserer Nachwuchsarbeit" und "eigenständigen garantierten Einnahmen" - in offenbar erheblichem Umfang: Nach SZ-Informationen rechnet der Ruhrgebietsklub nach Abzug der Kosten mit einem Gewinn von bis zu 25 Millionen Euro.

Chinas Staatsführung möchte bald eine WM ausrichten

Auch im Fußball ist China ein Markt, der hierzulande kühne Fantasien über die kommerziellen Möglichkeiten weckt - und seine ganz speziellen Schwierigkeiten hervorbringt. Schon vor anderthalb Jahren haben der deutsche und der chinesische Fußballverband unter Einbeziehung der Regierungsspitzen eine groß angelegte Zusammenarbeit vereinbart. China hat, führend vertreten durch den mächtigen Staatschef Xi Jinping, ambitionierte Pläne mit dem Fußball: Einerseits möchte man die Volksgesundheit bewegen, andererseits sobald wie möglich eine Weltmeisterschaft ausrichten und mindestens ebenso bald selbst Weltmeister werden.

Die Deutschen haben versprochen, dabei behilflich zu sein. Doch mit der Verwirklichung der guten Absichten hapert es. Der Versuch, Chinas U20-Nationalmannschaft außer Konkurrenz in den Punktspiel-Betrieb der Regionalliga Südwest zu integrieren, scheiterte kläglich. Das Experiment wurde aufgrund von Widerständen und Protesten beendet, die Chinesen waren gekränkt, brachen das Projekt ab und stornierten vorerst alle gemeinsamen Aktivitäten. Inzwischen hat sich die Lage wieder entspannt, doch auch Bundesligisten, die sich in China engagierten, erlebten Probleme. Die Allianz, die der 1. FC Köln mit dem FC Liaoning einging, soll zurzeit ausgesetzt sein - die Kölner hatten ebenfalls Nachwuchsbetreuer nach China geschickt und sich dies bezahlen lassen.