Ein Kommentar von Thomas Kistner

Uli Hoeneß will über die GEZ Hunderte Millionen Euro für die Bundesliga einnehmen. Mitten in der Wirtschaftskrise ist diese Idee atemberaubend.

Der Blick auf die laufende Saison zeigt, wo das Problem (nicht nur) des lamentierfreudigen deutschen Fußballs liegt: Es fehlt an der Einsicht, dass Qualität nicht nur für Irrsinnssummen gekauft, sondern auch hart erarbeitet werden kann. Gerade in einem Mannschaftssport mit immerhin elf Mitwirkenden lässt sich viel individuelle Klasse kompensieren, wenn nur die Räder richtig ineinander greifen.

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Zwei Euro monatlich vom Gebührenzahler für den Fußball: Uli Hoeneß wünscht sich mehe Geld. (© Foto: dpa)

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Die millionenschweren Bayern haben das doch, zitternd und betend, in der Hinrunde erlebt, als ihnen die Hoffenheimer Nobodies zeigten, wie Klassefußball gespielt wird, der überdies erfolgreich ist. Nun stagniert das Aufsteigerteam verletzungsbedingt. Aber die Messlatte ist gelegt und Nachahmung von jedem kühl einzufordern, der die alte Leier vom fehlenden Geld anstimmt. Womit man wieder bei Hoeneß ist, fraglos eine der respektabelsten Figuren der Sportbranche, aber auch einer, der sich gern mal vergaloppiert in der Rolle als Übervater des Fußballs.

Dass der erfahrenste Kopf des Betriebs nun ernsthaft eine monatliche Mehrabgabe für den armen Fußball in Höhe von zwei Euro monatlich pro Gebührenzahler ins Gespräch bringt, weil die Branche dann mit 900 Millionen mehr im Jahr noch dicker klotzen könnte, ist atemberaubend. Mehr Kasse bringt nicht automatisch mehr Klasse - das belegt gerade wieder die sportliche Tristesse rund ums Schalker Millionengrab.

Im Angesicht der herandämmernden Weltwirtschaftskrise aber, die Fußballs Stammklientel am härtesten treffen dürfte, muss auch den sportnahen Beobachter irritieren, wenn von der Allgemeinheit mehr Geld gefordert wird für ein Gewerbe, dessen gesamtwirtschaftliche Endbestimmung stark am Erwerb von Edelkarossen & Goldkettchen orientiert ist.

Da tendiert der Förderungsbedarf gegen Null aus Sicht der Gemeinschaft von Gebühren- und Steuerzahlern, die ja auch für Rahmenkosten des Betriebs wie Sicherheit und Infrastruktur aufkommt. So spendet am Ende die Werder-Affäre Born/Pizarro, ein Symptom des Systems, Trost für alle: Der Großteil der Knete versickert sowieso bei Agenten und Beratern.

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(SZ vom 16.03.2009)