Den Hoffenheimer Profis Ibertsberger und Janker droht wegen einer verspäteten Dopingprobe eine Sperre. Gladbach hat gegen die Wertung des betroffenen Spiels Einspruch erhoben.
Als die ohnehin etwas eingetrübte Heiterkeit beim Aufsteigerphänomen Hoffenheim nun auch durch eine Affäre belastet wurde, in welcher das unschöne Wort Doping vorkam, haben die Beteiligten zunächst souverän reagiert. "Doping bringt doch im Fußball nichts!", so lautet ja weiterhin ein beliebter Irrtum, doch diesen dummen Satz sprach niemand aus.
Hoffenheimer Kicker Janker (links), Ibertsberger: Für zehn Minuten Verspätung bei der Dopingprobe droht eine einjährige Sperre - falls sich der Verband zu einer harten Haltung durchringt. (© Foto: dpa)
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Vielmehr betonte Rainer Koch, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB, er könne sich zwar "keine Manipulationen vorstellen" bei 1899. Aber er ergänzte auch: "Wir müssen peinlich genau auf die internationalen Regeln achten - der Fußball darf auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würde er die Vorgaben der Wada für unbedeutend halten."
Der Vorsatz, die Regeln der Welt-Antidopingagentur Wada seriös umsetzen zu wollen, müsste für Andreas Ibertsberger und Christoph Janker eine längere Sperre nach sich ziehen. Die Hoffenheimer Profis waren vor zwei Wochen in Gladbach (1:1) mit zehnminütiger Verspätung zur Dopingprobe erschienen; angeblich hatten sie erst an einer Teambesprechung teilgenommen.
Gladbach legt Protest ein
Die Verspätung wurde im Kontrollbericht festgehalten, weshalb ab Montag der DFB ermitteln wird. Denn Ibertsberger und Janker verstießen gegen Paragraf 7, Nr.1 der DFB-Anti-Doping-Richtlinien. Dort heißt es, die Vereine sind "verantwortlich, dass seine zur Kontrolle bestimmten Spieler von einer (...) Begleitperson unmittelbar nach Spielende direkt vom Spielfeld zum Raum für die Dopingkontrolle gebracht werden".
Die vom Abstieg bedrohte Borussia legte am Sonntag etwas überraschend Protest gegen die Spielwertung ein, was Leverkusens Sportchef Rudi Völler am Rande der Partie gegen den HSV (1:2) etwas überraschend als "absoluten Witz" bezeichnete", während der Hamburger Kollege Dietmar Beiersdorfer kundtat: "Das hat mit Solidarität nichts zu tun."
Was dagegen das internationale Sportrecht von derlei Verfehlungen hält, hat soeben in Italien für Aufsehen gesorgt. Und der Fall der Zweitligaprofis Daniele Mannini und Davide Possanzini weist nahezu identische Details auf: Nach einer 0:3-Pleite ihres damaligen Klubs Brescia bat der Trainer zur Strafpredigt - erst 30 Minuten nach Spielende ließen die Herren Wasser. Die Proben waren - wie jetzt auch bei Ibertsberger und Janker - negativ, Italiens Verband FIGC beließ es bei 15 Tagen Sperre.
Präzedenzfall als Maßstab
Die Wada legte jedoch gemäß ihres Antidoping-Codes Widerspruch ein - und der Internationale Sportgerichtshof verurteilte die Italiener zu einer einjährigen Sperre. Die Behinderung einer Kontrolle sei als Dopingvergehen zu werten.
In Italien protestierte die Spielergewerkschaft. Nicht gegen das unprofessionelle Verhalten der Spieler, sondern gegen das Urteil. Der DFB dürfte jedoch den Präzedenzfall als Maßstab für sein Verfahren nehmen. Hoffenheims Trainer Rangnick sagte jedoch: "Nach meinem Rechtsverständnis sollte nichts passieren." Und auch DFB-Vize Koch weichte seine Haltung in Nebensätzen etwas auf. Er sagte: "Ich kann mir hier eine Manipulation in diesen zehn Minuten nicht vorstellen."
Dies klang dann nicht mehr besonders verantwortungsvoll. Denn die Dopinghistorie belegt, dass wenige unbeobachtete Sekunden ausreichen für eine Manipulation, etwa mit verschleiernden Pulvern. Den Hoffenheimern wirft niemand Doping vor. Doch dass der Fußball bestenfalls naiv mit Tests umgeht - diesen Vorwurf müssen sie sich stellvertretend für eine millionenschwere Profibranche machen lassen.
Es gelten nun härtere Regeln
Vor zwei Jahren lieferte sich Bayern-Torhüter Oliver Kahn ein Wortgefecht mit einem Kontrolleur, er warf mit dem Urinbecher umher - nachdem er vor dem Test erstmal duschen gewesen war. Kahn erhielt ein Spiel Sperre.
Inzwischen ist der Weltverband Fifa - widerwillig und verspätet - dem Wada-Code beigetreten. Es gelten nun auch im Fußball härtere Regeln. Wie nötig er sie ein gutes Jahrzehnt nach dem aktenkundigen Teamdoping bei Juventus Turin hat, belegen neben der mutmaßlichen Kundschaft von Topkickern beim Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes regelmäßige Dopingfälle; erst im Januar wurde der Bulgare Pawlow (Lok Sofia) wegen Testosteron-Dopings für zwei Jahre gesperrt. Zudem sind Bluttests weiterhin rar, wie lange Zeit auch Trainingstests: 2007 waren es in Deutschland, von der A-Jugend über die Regional- bis zur Eliteliga: 87.
Doch der DFB hat Besserung gelobt, wohl auch deshalb hat Vize Rainer Koch zum Fall Hoffenheim auch noch dies gesagt: "Um den Kampf gegen Doping gewinnen zu können, müssen wir die Richtlinien genau einhalten."
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Fußball-Bundesliga Gladbach erhebt Einspruch 22.02.2009
- Fußball-Bundesliga Remis im Privatduell 21.02.2009
- Fußball-Bundesliga DFB ermittelt gegen zwei Hoffenheimer 21.02.2009
(SZ vom 23.02.2009/mikö)
Putin und Hollande streiten um Intervention in Syrien
mehrere meldungen...aha...
z.B. Gegenmittel EPO: Thevis M. et al. (2007), Proteases in doping control analysis. Int. J. Sports Med. 28: 545-549
Protease auf Reiskorn, Reiskorn in Harnröhre, EPO im Urin abgebaut...
"1 Jahr mögliche sperre ist absoluter schwachsinn im verhältnis" im Verhältnis zu was? Zu einer verpassten Dopingkontrolle, einem vertuschten Dopingversuch...?
"diese verspätungen passieren sooo häufig...also wir brauchen hier nicht so tun, als gäbe es das nicht auch woanders/bei anderen spielen " und dazu noch "wenn man schon korrektheit und härte gegen alle fordert, dann muss auch von der seite der dopingkontrolle auf ganzer linie gleich agiert werden!"
Danke, das ist genau meine Forderung
"...doppen tun sie alle von der jugend an...wenn du nicht dopst, hast du einfach überhaupt keine chance irgendetwas zu erreichen"
Na also, dann geben wir Doping doch frei!
"ist es zuall, dass das einem hoffenheim-spieler passiert?" ohne Worte...ich heul ja gleich mit!
zu der meldung und der thematik fallen mir mehrere meldungen ein:
- in 10 minuten kann man bei den heutigen strengen tests beim fussball nicht genug tun, um unentdeckt zu bleiben
- diese verspätungen passieren sooo häufig, bei etlichen spielen dürfen die spieler teilweise sogar nochmal in die kabine gehen zwecks frischem trikot etc., also wir brauchen hier nicht so tun, als gäbe es das nicht auch woanders/bei anderen spielen
- 1 Jahr mögliche sperre ist absoluter schwachsinn im verhältnis
- jeder verkackte radrennfahrer darf nach 1 jahr wieder fahren, doppen tun sie alle von der jugend an, das sind ja keine jesus-jünglinge, wenn du nicht dopst, hast du einfach überhaupt keine chance irgendetwas zu erreichen
- ist es zuall, dass das einem hoffenheim-spieler passiert??? unkorrektheiten gibt es sicher auch mal bei wolfsburg oder sonst wo, aber gerade bei hoffenheim soll es 2 nicht ganz unwichtige spieler treffen, was für ein zufall...
- wenn man schon korrektheit und härte gegen alle fordert, dann muss auch von der seite der dopingkontrolle auf ganzer linie gleich agiert werden!
korrektes Verhalten vom DFB erfordert Ermittlungen.
Der Einspruch ist formal korrektes Verhalten von Gladbach und absolut kein "Witz".
Unkorrekt war lediglich die 10minütige Verspätung der beiden Spieler.
Sorry, aber von allen Sportarten wird der Anti-Doping Kampf erwartet, dann bitte auch vom Fussball respektive DFB!
Und wer sich dem WADA Code anschliesst muss auch danach handeln!
10 Minuten genügen anscheinend für Gegenmaßnahmen, auch wenn die beiden noch so nette Kerle sein mögen. Und ein negativer Dopingtest beweist nichts!
Das ist alles nicht unverhältnismäßig sondern lediglich... korrekt!