Beim 2:0-Sieg von Arminia Bielefeld gegen Daums 1. FC Köln duellierten sich zwei stolpernde Mannschaften - und die Zuschauer brachen bisweilen in Gelächter aus.
Christoph Daum ist ein Mann, der seine Sicht auf die Welt verteidigt. Bisweilen beharrt er derart auf seiner Version von der Realität, so dass der Eindruck einer gewissen Weltfremdheit entsteht. Am Samstag war es mal wieder so weit. Beim 2:0-Sieg von Arminia Bielefeld gegen Daums 1. FC Köln war Abstiegskampf in reiner Form geboten worden, eine Stunde lang hatten sich zwei stolpernde Mannschaften duelliert, bisweilen brachen die Zuschauer angesichts der Mischung aus Fehlpässen und motorischen Aussetzern gar in Gelächter aus. Aber als ein Reporter nach der Partie den Begriff "Abstiegskampf" erwähnte, erwiderte Daum streng: "Dieses Wort stammt von Ihnen, ich habe nie von Abstiegskampf gesprochen, für mich ging es heute darum, Anschluss an das Mittelfeld der Tabelle zu finden." Der Mann weigert sich ausdauernd gegen die unwürdige Existenz im unteren Tabellendrittel, dabei ist sein Klub längst genau dort angekommen.
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Kölns Marvin Matip (rechts) im Duell mit Robert Tesche von Arminia Bielefeld. (© Foto: AP)
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Auch in Bielefeld hatten die Kölner völlig verdient verloren, weil die Arminia energischer und freudvoller probierte, jenseits fußballerischer Grenzen ein Tor zu erzielen. Das wurde belohnt. Bielefelds Trainer Michael Frontzeck lächelte sanft, als er Daums Ausführungen lauschte, schließlich waren hier zwei ziemlich gleichwertige Teams aufeinander getroffen, mit dem Unterschied, dass Köln gerne träumt, während die Bielefelder gestählt sind von mittlerweile über fünf Jahren permanentem Abstiegskampf.
Kampers Körperhaare
Im neu ausgebauten Stadion auf der Alm pfeift niemand, selbst wenn eine Stunde lang nur Fehlleistungen geboten werden. Die Leute feuern ihr Team einfach weiter an. "Die ganze Stimmung im Stadion heute war perfekt, jede Minute in der ersten und in der zweiten Halbzeit", sagte Jonas Kamper, der kurz nach seiner Einwechselung einen Freistoß zum 1:0 im Kölner Tor versenkt hatte (74.). "Wenn ich eingewechselt werde, und die Leute meinen Namen rufen, dann stellen sich all meine Körperhaare auf", erzählte der Däne. Wahrscheinlich können sie in Bielefeld sogar froh sein, dass die nagelneue Tribüne noch kein Erfolg ist, denn dort werden Logen und teure Sitze fürs gehobene Publikum angeboten.
Ausverkauft waren die Plätze aber noch nie. Nach jeweils 24.000 Zuschauern gegen den HSV und Bremen waren am Samstag sogar nur 19.000 Leute gekommen, doch die bilden dann eine echte Fußballkulisse, das Opernpublikum bleibt zuhause. Das tut dem Projekt Klassenerhalt gut, denn die Erwartungen bleiben bescheiden. In Bielefeld hat sich eine Kultur des Abstiegskampfes entwickelt. Frontzeck freute sich am Ende sogar über einen gewissen Leistungsabfall gegenüber den ersten beiden Heimspielen. "Das war heute nicht so berauschend wie gegen Bremen und den HSV", sagte er, "aber dafür haben wir an die Heimspiele der Vorsaison angeknüpft, in denen wir die wichtigen Punkte fürs Überleben erspielen konnten."
Kölns Kapitän Novakovic klagte hingegen, sein Team zeige "keinen Willen zum Sieg". Die einzige Möglichkeit für die Rheinländer ergab sich nach einem schönen Fernschuss des starken Petit (11.). Er traf die Latte. Daum, der Mann, der sich an höheren Tabellenregionen orientiert, fand seine Mannschaft dennoch mindestens gleichwertig und erklärte: "Wir haben uns selber geschlagen", durch Pierre Womés Foul vor dem 1:0, das "nicht nötig war". Kurz darauf begleitete der unsichere Torhüter Mondragon Wichniareks Treffer zum 2:0 (77.).
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(SZ vom 22.09.2008/mb)
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