Das 0:0 war schnell vergessen, dafür rückte in Dortmund Nürnbergs Jan Koller in den Blickpunkt: Der langjährige Dortmunder ließ sich von den Borussen-Fans feiern - und sorgte damit für Ärger bei den eigenen Anhängern.
Große Emotionen kamen nach einer niveauarmen Nullnummer erst nach dem Schlusspfiff auf. Jan Koller, früherer Publikumsliebling in Dortmund, lief vor die schwarz-gelbe Wand in der der Südtribüne und ließ sich minutenlang von den BVB-Fans feiern. Während der Sturmtank mit den Borussia-Anhängern "La Ola" machte, schäumten die Fans des 1. FC Nürnberg auf der Gegenseite vor Wut. "Koller, du A...", brüllten sie und beruhigten sich selbst dann nicht mehr, als sich der über die gesamte Spieldauer engagierteste Profi anschließend gestenreich bei ihnen entschuldigte.
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Nürnbergs Jan Koller ließ sich von den Dortmunder Fans feiern - das sorgt für Ärger. (© Foto: AP)
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"Die Reaktion der Fans hat mich sehr überrascht und enttäuscht. Ich wollte mich doch nur bei den Dortmundern für die tolle Unterstützung bedanken", gestand Koller nach dem 0:0 völlig irritiert. Denn schließlich war er wie üblich zu allererst mit seinen Teamkollegen bei den rund 3000 mitgereisten Franken in der Kurve. "Als ich dann starken Applaus von der anderen Seite bekam, musste ich doch zu den BVB-Fans. Für mich ist das alles unverständlich", meinte der 35-jährige Vorzeigeprofi geknickt.
"Er versteht die Welt nicht mehr"
Der Tscheche hat in Dortmund seine erfolgreichste und schönste Zeit erlebt, bevor er nach dem Monaco-Intermezzo im Winter bei den Franken anheuerte. Zwischen 2001 und 2006 erzielte der 2,02-Meter-Mann in 138 Spielen 59 Tore für den BVB, wurde 2002 mit dem Verein deutscher Meister. Das hat man nicht vergessen. Schon beim Aufwärmen feierten die BVB-Fans den Nürnberger Stürmer wie einen der Ihren, brüllten beim Verlesen der Aufstellungen: Jan - KOLLER.
Dass ihn die eigenen Anhänger später auspfiffen und wie einen Abtrünnigen beschimpften, obwohl er dem Club vor 70.500 Zuschauern beinahe den überlebenswichtigen Sieg beschert hätte, empfand nicht nur Koller als ungerechte Bestrafung. In der 4. Minute landete sein Kopfball auf der Latte, später verhinderte Ziegler-Ersatz Marcel Höttecke im BVB-Tor das mögliche 0:1 mit einer Klasse-Parade.
Reine Spekulation, ob die BVB-Fans Koller auch bejubelt hätten, wenn er den Treffer zum ersten FCN-Sieg in Dortmund seit mehr als 17 Jahren markiert hätte. "Jan ist einer, der sich in jedem Spiel zerreißt. Jetzt versteht er die Welt nicht mehr", sagte Sportdirektor Martin Bader. Die Nürnberger müssen nun aufpassen, dass sie in der Endphase des Abstiegskampfes nicht noch ein Fan-Problem bekommen.
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(sueddeutsche.de/dpa/aum)
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