Machtfaktor Champions League: Warum der zweite Tabellenplatz in der Bundesliga inzwischen fast so wichtig ist wie die Meisterschaft.
Die eine deutsche Meisterschaft ist vermutlich schon entschieden, aber die andere noch lange nicht. Die eine Meisterschaft werden sich wohl die Wolfsburger schnappen, was sich schon daran erkennen lässt, dass die wichtigsten Titelrequisiten am Samstag in Wolfsburg sein werden: die Meisterschale und Bundestrainer Löw.
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Stuttgarts Sami Khedira will am Samstag wieder so jubeln wie nach seinem Hinspieltreffer. (© Foto: dpa)
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Gewiss sind auch die Konfettikanonen bereits auf grün-weißen Schnipselauswurf programmiert, und bestimmt ist auch schon eine erhebliche Schampusmenge darauf vorbereitet worden, über Magaths Frisur ausgeschüttet zu werden. Weithin unbekannt ist jedoch, dass in diesem Jahr offenbar auch eine Alternativ-Meisterschaft zu gewinnen ist, für die womöglich eine etwas kleinere Schampusmenge, ein Konfettikanönchen sowie ein Meisterschälchen bereit stehen: Der zweite Tabellenplatz, bislang immer mit dem Unwort Vize-Meisterschaft verschandelt, war noch nie so wertvoll wie heute.
Im anspruchsvollen München lässt sich am besten nachweisen, dass der zweite Platz nicht mehr der erste Verliererplatz ist. Als Jupp Heynckes zum Rettungseinsatz einflog, rief er den zweiten Platz sogleich als Ziel aus, und der zweite Platz war es ja auch, der Jürgen Klinsmann die letzten Saisonspiele kostete.
Die Münchner waren ja fest entschlossen, sich unter Wahrung sämtlicher Gesichter erst im Sommer vom Coach zu trennen - aber als sie plötzlich um den zweiten Platz fürchteten, konnten sie auf die Wahrung der Gesichter leider keine Rücksicht mehr nehmen. Wer Zweiter wird, ist direkt für die Champions League qualifiziert - jene vergötterte Spielklasse, die ihren Fixstartern mittels Fernsehtöpfen, Antritts- und Punktprämien vorab schon mal geschätzte 15 Millionen Euro garantiert.
Die Champions League ist zum alles beherrschenden Machtfaktor im europäischen Vereinsfußball geworden. "Ich habe auch das Gefühl, dass der zweite Tabellenplatz so wichtig genommen wird wie nie zuvor", sagt Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC. "In der Finanzkrise ist die üppige Champions-League-Einnahme besonders wertvoll." Sein Klub kann auch noch Zweiter werden, einen Sieg in Karlsruhe vorausgesetzt - und ein Unentschieden im Spiel zwischen Bayern und dem VfB Stuttgart. Die beiden Südklubs absolvieren eine Art Endspiel um den zweiten Platz; wer gewinnt, hat ihn; wer nicht, ist Dritter - oder sogar Vierter.
Im Grunde ist der zweite Platz schuld daran, dass die Branche von einer Spekulationsoffensive heimgesucht wird. Welcher Spieler sich mit wem einig ist und warum oder plötzlich doch nicht mehr - solche Spekulationen sind jetzt nicht mehr unseriös. Sie sind vielmehr der einzig seriöse Ausdruck einer mysteriösen Gemengelage auf dem Transfermarkt. Es sind ja ausnahmsweise nicht die zündelfreudigen Medien, die mit dem Spekulieren begonnen haben - es sind die Klubs selbst, die spekulieren. Spekulieren müssen.
"Die Branche beobachtet und belauert sich", sagt Dieter Hoeneß, "solange man nicht weiß, ob man Zweiter, Dritter oder Vierter wird, wird auch nichts ins Rollen kommen." Auch der Stuttgarter Kollege Horst Heldt berichtet von "A-, B- und C-Plänen", die im Hause VfB kursieren. "Bis Samstag mussten wir dreigleisig planen", sagt Heldt, "jetzt zum Glück nur noch zweigleisig." Die Uefa-Cup-Qualifikation ist dem VfB inzwischen sicher - eine Sicherheit, mit der die Klubstrategen aber nicht allzuviel anfangen können.
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Es wird spannend, ob Gomez dafür sorgt, dass er nicht zu Bayern geht, indem er sie abschießt.
Sie haben völlig recht. Außer den Bayern hatte in den letzten Jahren kein BuLi-Verein den Kader, um in CL und Liga gleichermaßen erfolgreich zu sein. Und auch bei den Bayern merkt man die Doppel-Belastung deutlich.
Trotzdem muß es das Ziel sein, sich für die CL zu qualifizieren und mit den Einnahmen einen Kader aufzubauen der dieser Doppelbelastung standhält.
... vergessen die Manager der BL-Vereine leider allzu oft, dass die CL sportlich eine riesige Herausforderung ist, die viele Mannschaften nicht so einfach wegstecken. Nur mal ein paar Beispiele der letzten Jahre:
2006/7: der HSV hat sich für die CL qualifiziert, scheidet mit 5 Niederlagen als Letzter seiner Gruppe aus und belegt nach 20.Spieltagen auch den letzten Platz in der BL.
[http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_SV]
2007/8: der VFB, im Vorjahr Meister, scheidet mit 5 Niederlagen als letzter seiner CL-Gruppe aus und liegt nach 10 Spieltagen auf Tabellenplatz 14. (Das Jahr darauf wird Meistertrainer Veh entlassen.)
[http://de.wikipedia.org/wiki/VfB_Stuttgart]
2007/8: Schalke erreicht das CL-1/4-Finale - dieses Jahr reicht's nicht mal für den Uefa-Cup.
[http://de.wikipedia.org/wiki/Schalke_04]
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen (auch bei Bayern und Bremen kann man fragen, ob die CL diese Saison nicht sportlich eher hinderlich war - egal wie viel Kohle damit gemacht wurde [bei Bremen erst nach Ausscheiden im UEFA-Pokal). Das alles zeigt: die CL ist kurzfristig für die Vereine finanziell toll - sportlich aber auch ein gefährliches Pflaster. Das wissen die Vereine zwar, aber bisher schaffen es nur wenige, damit auch erflogreich umzugehen.
Und nebenbei: 15 Millionen klingt super - aber zum Vergleich: in England gibt's ca. 40-50 Millionen für einen Verein, der von der zweiten engl. Liga in die PL aufsteigt...