Fußball-Bundesliga Investitionsrisiko Kreuzband

Der HSV legt einen Fonds auf, mit dem sich Unternehmen an Spielertransfers beteiligen können.

Von Jörg Marwedel

Am Dienstag hat Bernd Hoffmann, 45, dem Aufsichtsrat des Hamburger SV die neuen Etatzahlen für die begonnene Saison vorgelegt. 147 Millionen Euro sollen es sein. Es ist wieder eine Steigerung um rund acht Prozent, man liegt zusammen mit Schalke 04 hinter dem deutschen Branchenführer FC Bayern München. Aber womöglich ist es nicht genug, um das eigentliche Ziel zu erreichen, das der HSV-Vorstandsvorsitzende Hoffmann seit seinem Amtsantritt 2003 anpeilt: bis 2010 solle der Traditionsklub zu den Top 20 der europäischen Fußballklubs zu gehören. Da es aber, wie der Diplom-Kaufmann glaubt, im klassischen Sponsoring und im Vip-Bereich nur noch wenig Steigerungen gibt und die Zukunft der Fernsehgelder noch offen ist, hat er zusammen mit Vorstandsfrau Katja Kraus ein Modell entwickelt, mit dem neue Gelder für die Verstärkung der Mannschaft ermöglicht werden können. Unter dem internen Begriff "Anstoß" haben sie einen Spielerfonds entwickelt, für den sich laut Hamburger Abendblatt bisher drei solvente Hamburger Unternehmer sehr interessieren.

"Das Konzept ist eine Option für die Zukunft", sagt Bernd Hoffmann in Bezug auf den Fonds.

(Foto: Foto: dpa)

Das HSV-Modell

Auch, wenn "man das gern konspirativer behandelt hätte", wie Katja Kraus sagt, bestätigte Hoffmann diesen Entwurf. "Wir haben das Konzept entwickelt, das aus unserer Sicht nur in einer Stadt wie Hamburg umsetzbar ist, bezogen auf die wirtschaftliche Kraft." Es sollen auf diese Weise außerordentliche Transfers gestemmt werden, der große finanzielle Unterschied zu den Topländern England, Spanien und Italien soll zumindest ein wenig verringert werden. Es gehe, sagt ein Insider, "eher um einen Transfer wie Cristiano Ronaldo als um Gladbachs Rob Friend". Es gehe auch darum, den Gehältertopf der Spieler von etwa 40 Millionen Euro bald auf 50 bis 60 Millionen zu erhöhen, so dass der Klub für international bekannte Profis noch anziehender werde.

Schon zu Beginn dieser Saison hätte mit dem Fonds der eine oder andere Transfer verwirklicht werden können, denn der HSV war auf dem Spielermarkt zunächst kaum handlungsfähig. Dann aber verkaufte man, wie erhofft, Rafael van der Vaart für 14 Millionen Euro an Real Madrid und zudem Vincent Kompany für acht Millionen an Manchester City, so dass der Grundstock für die dann für etwa 27 Millionen Euro verpflichteten Mladen Petric, Alex Silva, Thiago Neves und Marcell Jansen aus eigener Kraft geschafft wurde.

Das HSV-Modell, das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits sanktioniert wurde, ist in einem Punkt nämlich ganz anders als die etwa von Hannovers Klubchef Martin Kind geforderte Abschaffung der "50 plus 1"-Regel. Während Kind fordert, dass Investoren bei entsprechendem finanziellem Engagement die Vereinspolitik bestimmen dürfen, würde der HSV, wie es die DFB-Bestimmungen fordern, "keine Rechte abgegeben", wie Katja Kraus sagt.

"Das Konzept ist eine Option für die Zukunft"

Die Geldgeber können nur Rendite erzielen, wenn ein Spieler mit Gewinn verkauft wird oder aber bei extremen sportlichen Erfolgen. Der HSV aber bestimmt zu jeder Zeit, ob er den Spieler verkauft oder nicht. Reißt einem Profi das Kreuzband oder muss er gar seine Karriere beenden, geht der Investor ebenso leer aus wie bei einem Verkauf ohne Ablösesumme. Für einige Hamburger Unternehmer aber scheint die Nähe zum HSV lukrativ zu sein. Wenn jemand einen Profi wie beispielsweise Ruud van Nistelrooy bezahlbar mache, sei damit eine Menge Werbung verbunden. Zudem sollen die Investoren-Gönner in regelmäßigen Beiratstreffen über sportliche und wirtschaftliche Fragen informiert werden. Ohnehin setzt der HSV darauf, dass sich der Klub mehr mit Wirtschaft und Politik der Stadt "vernetzt", wie Hoffmann sagt. Die soziale Sponsoring-Initiative "Hamburger Weg" sei dafür ein Beispiel.

"Das Konzept ist eine Option für die Zukunft", sagt Hoffmann in Bezug auf den Fonds. Es hat aber recht wenig mit anderen Investoren zu tun, die es im weltweiten Fußball inzwischen gibt. Immer mehr Spieler gehören Firmen oder einzelnen Personen. In Brasilien sind es oft sogar mehrere Eigentümer. Auch der HSV hat damit gerade wieder Erfahrung gemacht. Wenn er irgendwann den neuen Abwehrmann Alex Silva verkauft, kassiert er nur 50 Prozent der Ablöse, den Rest kassieren die südamerikanischen Besitzer und Vermittler.

Übrigens: Die Fans sind ziemlich uneinig, was zum Beispiel die Gelder aus einem Fonds angeht. Bei Spiegel Online fanden knapp 46 Prozent es in Ordnung, dass sich die Klubs auf diese Weise mehr finanziellen Spielraum schaffen. Gut 54 Prozent dagegen sorgten sich. Mit so einem Konzept komme "zuviel Unruhe in einen Verein".