Nach einer schwachen ersten Hälfte steigert sich Bayern gegen Leverkusen enorm - verpasst es aber trotz eines 3:0-Sieges, sein Torverhältnis meisterschaftsreif zu gestalten.
In der Arena hat die Anzeigentafel die Angewohnheit zu klingeln, wenn auf fremden Plätzen ein Tor gefallen ist. In der zehnten Minute klingelte es in eine gerade sehr stille Spielszene hinein, und das Stadion hielt de Atem an: Der VfL Wolfsburg würde doch nicht etwa ... Nein, er würde nicht, etwas viel Unwahrscheinlicheres war passiert: Der Karlsruher SC hatte ein Tor geschossen. Die Anzeigentafel hat aber auch die Angewohnheit zu schweigen, wenn sie muss: Fünf Minuten später klingelte gar nichts, obwohl auf fremden Plätzen einer getroffen hatte, der tausendmal so torgefährlich ist wie der ganze KSC: Edin Dzeko hatte ein Tor geschossen, womit der VfL Wolfsburg zu diesem Zeitpunkt wieder zwei Punkte vor Bayern lag.
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Lukas Podolski zeigte eine der stärksten Leistungen, seit er beim FC Bayern spielt. (© Foto: dpa)
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Das war die interessante Versuchsanordnung dieses Abends: Der FC Bayern spielte nicht nur gegen ein Team namens Bayer Leverkusen, sondern per Fernduell auch gegen Teams namens VfL Wolfsburg und Hertha BSC. Am Ende dieses Abends hatte die Versuchsanordnung einen FC Bayern hervorgebracht, der nach überaus zäher erster Halbzeit ein überaus lockeres 3:0 (0:0) durch Tore von Toni (47.), Ribéry (58.) und Podolski (71.) herausschoss.
Allerdings machten sich die Bayern gegen am Ende wehrlose Gäste einer ziemlich fahrlässigen Chancenverwertung schuldig - sie hätten die Schlussphase des Spiels nutzen müssen, ihr Torverhältnis meisterschaftsreif zu gestalten. Nun trennen sie immer noch drei Tore von den Tabellenführung.
Für besondere Anlässe denkt man sich ja manchmal besondere Aufstellungen aus, aber die Überraschung, die Bayern im Meisterschafts-Endspurt präsentierte, hatte sich Jupp Heynckes nicht selbst ausgedacht. Hamit Altintop hatte sich beim Warmmachen eine Zerrung zugezogen, was dem Fünf-Spiele-Trainer Heynckes in seinem dritten Noteinsatz eine knifflige Aufgabe bescherte: Er musste unter den verbliebenen Profis einen Rechtsverteidiger ausfindig machen.
Am Ende der Suche ergab sich erneut eine interessante Versuchsanordnung: Daniel van Buyten rückte von der Bank in die Innenverteidigung, von dort rückte Lucio in die Rechtsverteidiger-Rolle - eine Position, die er in diesem Leben bestimmt noch nicht gespielt hat, die ihm Trainer Heynckes aber wohl damit schmackhaft gemacht hat, dass er mehr nach vorne rennen darf. Das tat Lucio auch eifrig, aber er flankte dann doch wie einer, der diese Position in diesem Leben zumindest selten gespielt hat - wobei ihm sein Nachbar auf der rechten Flanke, der Argentinier Sosa, das Leben eher erschwerte als erleichterte.
So entwickelte sich die rechte Seite zur Sandbank im bayerischen Spiel: Viele Bälle und Ideen versanken dort auf Nimmerwiedersehen, und in ein paar Jahrhunderten werden die Forschergruppen schon ziemlich tief buddeln müssen, um all die Bälle und Ideen wieder ans Tageslicht zu befördern.
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Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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Führungsstreit der Linken
Ich weiß nicht, ob es ein "Fehler" von U.H. war, Podolski zu holen. Vielleicht war auch die Erwartungshaltung von Podolski (und der gesamten Nation :-)) ein Fehler. Es wird landauf, landab geschrieben, dass der FCB DREI Topp-Stürmer haben muss, um international mitzuspielen. Rein rechnerisch ist es dann aber zweifellos so, dass einer der drei auf der Bank sitzen muss, wenn ich nur mit zweien spiele - wie das der FCB nun mal seit Ewigkeiten tut. Nach dem, was zu lesen war, drängte sich Podolski im Training nicht unbedingt auf. Jetzt - bei Kloses Verletzung - war die Situation eine andere. Daraus ergibt sich für mich der Verdacht, dass er durchaus seine Qualitäten hat, aber nicht in der Lage ist, sich in einem ausgeprägten Konkurrenzkampf in den Vordergrund zu spielen und zu einer echten Alternative zu reifen.
U.H. ist im Grunde genommen gezwungen, diesen "Fehler" mit einem anderen Stürmer zu wiederholen, denn die Situation hat sich ja nicht geändert. Man braucht mindestens drei Spitzenstürmer, zwei können nur spielen. Es gibt ja sogar Leute, die fordern VIER Stürmer. Was wäre dann erst los? Rein theoretisch: Gomez, Klose, Podolski und Toni sind alle beim FCB. Der Trainer stellt zwei Stürmer auf. Lässt er Toni draußen, ist das natürlich DER Fehleinkauf des Jahrzehnts, weil er so teuer war. Lässt er jemand anderen draußen, ist das ein Affront gegen die halbe Nation, weil die Bayern mal wieder einen Nationalstürmer gekauft haben, um ihn auf der Bank "versauern" zu lassen. Schwierige Kiste.
Ich hatte ja einst prophezeit, dass Podolski in München ein ganz Großer werden würde. Ich könnte mich also jetzt zurücklehnen und sagen: Ich hatte DOCH Recht! :-) Die Erklärung für Poldis derzeitiges Auftrumpfen ist aber etwas banaler: Zwar muss man schon einräumen, dass sich das Vertrauen, das Heynckes ihm ausspricht, Wirkung zeigt. Aber gerade Poldis gestrige Leistung ist auch der Tatsache geschuldet, dass Bayern zeitweise auf Konter aus war. Alle drei Tore beim 3:0-Heimsieg waren Kontertore, die schulmäßig und brillant herausgespielt wurden. Zweifellos haben die das unter Heynckes geübt, denn gestern fielen mir während des Spiels spontan die Namen Jupp Heynckes, Allan Simonsen und Henning Jensen ein. Das war alte Gladbacher Schule, für Poldi natürlich maßgeschneidert.
Zum Podolski ist zu sagen, dass dessen Einkauf ganz offensichtlich ein Alleingang von Uli Hoeness war, bei dem es auch darum ging, es Werder und dem HSV, die ebenfalls an Podolski interessiert waren, zu zeigen. Diese Doppelstrategie des Bayernmanager vernebelt nur allzu oft die psychologische Seite, ob ein Spieler wirklich passt. Wenn man gleichzeitig Ribéry, Toni und Klose holt, dann passt eben ein Podolski nicht. Da kann sogar ein ehemaliger Nationaltrainer und Gönner von Podolski wie Jürgen Klinsmann nichts ausrichten. Aber da haben wir es wieder mit den Fehlern des Herrn Hoeness zu tun. Und Hoeness? Macht der Fehler? Auch unter Heinckes wird Podolski wieder auf der Bank landen, wenn Klose jetzt wieder gesund ist. Deshalb heißt es für mich: "Hoeness raus!!"
So sprach er nach dem Spiel: "ich hab immer gesagt ich brauch das Vertrauen des Trainers, mich von Anfang an spielen zu lassen"...
da fehlen mir fast die Worte! Podolski ist ein Schönwetterfussballer und hat in München mit so einer Einstellung nix verloren. Nach einen verlorenen Zweikampf sofort aufstehen und nachsetzen, nicht resignierend über den Platz watscheln, biss zeigen und erkennen dass Fussball ein Mannschaftssport ist und erkennen dass sich nicht alles um die eigene Person dreht. Das ist keine Frage des Trainers, das ist eine Charakterfrage!
Im übrigen ist Klose wieder gesund und es wäre nur eine Frage der Zeit bis Poldi wieder von der Bank kommen müsste. Und dann wäre es wieder da das Geheule. Besser ists, wenn Poldi geht.
Ich sagte doch: es muss spannend bleiben...und da dieser Artikel sich mit dem Bayernspiel beschäftigt, wäre eine Elfmeterdiskussion bei den anderen Spielen hier off topic ;-))
Paging