Von Christof Kneer

Nach einer schwachen ersten Hälfte steigert sich Bayern gegen Leverkusen enorm - verpasst es aber trotz eines 3:0-Sieges, sein Torverhältnis meisterschaftsreif zu gestalten.

In der Arena hat die Anzeigentafel die Angewohnheit zu klingeln, wenn auf fremden Plätzen ein Tor gefallen ist. In der zehnten Minute klingelte es in eine gerade sehr stille Spielszene hinein, und das Stadion hielt de Atem an: Der VfL Wolfsburg würde doch nicht etwa ... Nein, er würde nicht, etwas viel Unwahrscheinlicheres war passiert: Der Karlsruher SC hatte ein Tor geschossen. Die Anzeigentafel hat aber auch die Angewohnheit zu schweigen, wenn sie muss: Fünf Minuten später klingelte gar nichts, obwohl auf fremden Plätzen einer getroffen hatte, der tausendmal so torgefährlich ist wie der ganze KSC: Edin Dzeko hatte ein Tor geschossen, womit der VfL Wolfsburg zu diesem Zeitpunkt wieder zwei Punkte vor Bayern lag.

Bild vergrößern

Lukas Podolski zeigte eine der stärksten Leistungen, seit er beim FC Bayern spielt. (© Foto: dpa)

Anzeige

Das war die interessante Versuchsanordnung dieses Abends: Der FC Bayern spielte nicht nur gegen ein Team namens Bayer Leverkusen, sondern per Fernduell auch gegen Teams namens VfL Wolfsburg und Hertha BSC. Am Ende dieses Abends hatte die Versuchsanordnung einen FC Bayern hervorgebracht, der nach überaus zäher erster Halbzeit ein überaus lockeres 3:0 (0:0) durch Tore von Toni (47.), Ribéry (58.) und Podolski (71.) herausschoss.

Allerdings machten sich die Bayern gegen am Ende wehrlose Gäste einer ziemlich fahrlässigen Chancenverwertung schuldig - sie hätten die Schlussphase des Spiels nutzen müssen, ihr Torverhältnis meisterschaftsreif zu gestalten. Nun trennen sie immer noch drei Tore von den Tabellenführung.

Für besondere Anlässe denkt man sich ja manchmal besondere Aufstellungen aus, aber die Überraschung, die Bayern im Meisterschafts-Endspurt präsentierte, hatte sich Jupp Heynckes nicht selbst ausgedacht. Hamit Altintop hatte sich beim Warmmachen eine Zerrung zugezogen, was dem Fünf-Spiele-Trainer Heynckes in seinem dritten Noteinsatz eine knifflige Aufgabe bescherte: Er musste unter den verbliebenen Profis einen Rechtsverteidiger ausfindig machen.

Am Ende der Suche ergab sich erneut eine interessante Versuchsanordnung: Daniel van Buyten rückte von der Bank in die Innenverteidigung, von dort rückte Lucio in die Rechtsverteidiger-Rolle - eine Position, die er in diesem Leben bestimmt noch nicht gespielt hat, die ihm Trainer Heynckes aber wohl damit schmackhaft gemacht hat, dass er mehr nach vorne rennen darf. Das tat Lucio auch eifrig, aber er flankte dann doch wie einer, der diese Position in diesem Leben zumindest selten gespielt hat - wobei ihm sein Nachbar auf der rechten Flanke, der Argentinier Sosa, das Leben eher erschwerte als erleichterte.

So entwickelte sich die rechte Seite zur Sandbank im bayerischen Spiel: Viele Bälle und Ideen versanken dort auf Nimmerwiedersehen, und in ein paar Jahrhunderten werden die Forschergruppen schon ziemlich tief buddeln müssen, um all die Bälle und Ideen wieder ans Tageslicht zu befördern.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Immer noch 3
  2. Eine kalte Dusche in der Halbzeit
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...