Ein Kommentar von Andreas Burkert

Bayer Leverkusen bricht vorerst mit der Tradition des gepflegten Scheiterns. Ob die Werkself Meister werden kann, entscheiden aber andere.

Natürlich könne er den Leverkusenern gratulieren, hat Mark van Bommel am Samstagabend nach dem Abschluss der Hinserie gebrummt, denn was die anderen da nun feierten, "das ist ja kein Preis - wir spielen um die Schale". Nicht sehr viel Respekt klang da vor der Mannschaftsfeier am Tegernsee mit beim Kapitän des FC Bayern und zugleich eine gewisse Gereiztheit angesichts des Umstands, dass die Rekordmeister nun seit anderthalb Spielzeiten nicht mehr das Feld anführten.

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Herbstmeister: Jupp Heynckes und Bayer Leverkusen. (© Foto: imago)

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In einer eitlen Branche zählt das Zwischenzeugnis eben doch mehr, als sie in München oder anderenorts einräumen möchten; ein weiterer Grund, weshalb in Leverkusen mit Recht ein wenig gefeiert werden durfte.

Bei Bayer 04 wissen sie natürlich, dass die DFL nicht mal in ihrem Fall eine Ausnahme macht: Für die Herbstmeisterschaft, diesen Titel, den es gar nicht gibt, erhalten auch chronische Verlierer keine Urkunde zugeschickt. Glückwünsche dürften den Rheinländern dennoch gelten, nachdem sie beim Hinrunden-Kehraus tatsächlich über ihren eigenen Schatten sprangen: Mal nicht Zweiter. Diesmal nicht.

Und sportlich haben die - unbesiegten - Leverkusener die Halbserie geprägt und die Bundesliga letztlich vor der kleinen Peinlichkeit bewahrt, den gut organisierten, aber eher selten glanzvollen Schalkern oder Münchnern die Winterkrone aufsetzen zu müssen.

Dennoch haben diese drei Teams mehr gemein, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Es mag Zufall sein, aber in Jupp Heynckes, Felix Magath und Louis van Gaal stehen die ältesten Trainer der Liga oben im Tableau - drei Vertreter der alten Gilde, die sinnigerweise auf junges Personal setzen.

Sogar bei den Star-hörigen Bayern zählen ja zwei 20-Jährige aus der dritten Liga zu van Gaals unverzichtbaren Stützen, Badstuber und Müller; auf Schalke schuften noch mehr Teens und Twens. Die Leverkusener haben es aber auch hier auf die Spitze getrieben mit ihrer talentierten Pfadfindergruppe: Rechnete man die Quotendrücker in der Abwehr - Friedrich, 30, und Hyypiä, 36 - heraus, hat Bayer am Samstag mit einem im Schnitt gut 21 Jahre jungen Team ein 1:2 gedreht - und somit gebrochen mit der in 30 Bundesligajahren zur Kunstform erhobenen Tradition des gepflegten Scheiterns.

Auch Heynckes' ersten kleinen Sticheleien gegen seine alten Freunde im Süden deuten an, dass es diesmal doch anders ausgehen könnte am meistbefahrenen Autobahnkreuz Europas. Ob diese neue Haltung zum Titel reicht für Leverkusen, Schalke oder sogar die lange dezimierten Hamburger, entscheiden aber wohl doch andere: die gereizten Bayern mit ihrem überlegenen Luxuskader.

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(SZ vom 21.12.2009)