Zwei späte Tore von Miroslav Klose verhelfen dem FC Bayern zum 3:1 gegen Borussia Dortmund. Trainer Jürgen Klinsmann hört auf sein Bauchgefühl und gibt sich anschließend kampfeslustig.

Wenn es schiefgegangen wäre, was hätte sich Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann alles anhören müssen. Luca Toni ausgewechselt! Landon Donovan eingewechselt! Den schwachen Miroslav Klose auf dem Platz gelassen. Das alles beim Stand von 1:1 gegen Dortmund. Der harmloseste Vorwurf wäre wohl der der Naivität gewesen. Aber es ist ja nicht schiefgegangen aus Sicht der Bayern, es war Klose, von dem zuvor nichts zu sehen war, der mit zwei späten Toren in der 87. und der 90. Minute für die Entscheidung sorgte, 3:1 (1:1) hat der FCBayern die Gäste aus Dortmund in einer überaus munteren Partie besiegt und sich damit an die Fersen des Tabellenführers aus Hoffenheim gesetzt.

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Nachdem die Bayern etliche Chancen vergeben hatten, traf Miroslav Klose zum 2:1 und 3:1 gegen Dortmund. (© Foto: Reuters)

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Dass die Partie am Sonntagabend von Beginn an voller Leben war, lag an Jürgen Klopp. Zumindest mittelbar. Der Dortmunder Trainer hatte sich seine drei Stürmer unter der Woche im Training angeschaut, alle machten sie einen guten Eindruck, und also vertraute er seinem Gefühl. Das sagte ihm: Stell den Valdez auf, setz den Zidan auf die Bank. Also lief Nelson Valdez anstelle von Mohamed Zidan neben Alexander Frei auf, und gut 85 Sekunden nach dem Anpfiff wusste Klopp, dass sein Gefühl ihn nicht getrogen hatte. Tamas Hajnal spielte einen Pass in die Spitze, Bayern-Verteidiger Martin Demichelis rutschte aus - es sah recht lustig aus, wie er sich streckte und vergeblich versuchte, die Kugel noch mit dem Kopf zu erreichen -, und Valdez fand sich mit dem Ball am Fuß frei vor dem Tor wieder.

Torwart Michael Rensing stürzte ihm entgegen, doch Valdez blieb kühl bis ins Herz, mit dem linken Fuß schoss er den Ball in den linken oberen Torwinkel, und nun war klar: Der FCBayern würde von Beginn an offensiv agieren müssen. "Aufgrund des frühen Gegentores mussten wir erstmal nachlegen", sagte Klinsmann, "wir hatten genügend Torchancen, aber am Ende hat es doch noch gereicht. Jetzt sind wir sehr, sehr zufrieden."

Valdez' früher Treffer sorgte dafür, dass sich eine packende Begegnung entwickelte. Wütend rannten die Bayern an, und wie wütend sie waren, zeigte sich daran, dass Zé Roberto, der niemals Fernschüsse abgibt, einen Fernschuss abgab. Dortmunds Schlussmann Roman Weidenfeller wehrte ab, es war die erste einer ganzen Reihe von guten Paraden (5.Minute). Schüsse aus allen Distanzen waren in der Folge das Mittel, mit dem es der FC Bayern versuchte, Luca Toni (7.), Mark van Bommel (13.) und erneut Toni (15.) jagten die Kugel jedoch mal nebens, mal übers Tor. Es wirkte, als müsse die Mannschaft sich ein wenig abreagieren, um den Ärger über das frühe Gegentor loszuwerden. Als sie diesen Ärger im Griff hatte, begann sie, die Angriffe mit mehr Verstand zu planen.

Die Dortmunder spielten selbstverständlich zunächst einmal defensiv. Erst zwei Partien hatten sie bis zum Sonntag verloren, weniger als jede andere Mannschaft, und dass der BVB nicht weiter oben in der Tabelle steht, liegt daran, dass er auch die meisten (neun) Unentschieden der Liga gesammelt hat. Klopp hat ein Ensemble geschaffen, das sehr diszipliniert auftritt, es ist unangenehm, gegen diese Mannschaft zu spielen, wie der FC Bayern feststellen musste. Und wenn er doch einmal durchkam, scheiterte Miroslav Klose an Weidenfeller (17., 21.).

Allzu lange dauerte es dann allerdings doch nicht bis zum Ausgleich. Zé Roberto wühlte sich dribbelnd in den Strafraum, er verlor den Ball und sah, dass Franck Ribéry einen Schuss abgab, den Weidenfeller nach vorne abwehrte. Nun denn, mag sich Zé Roberto gedacht haben, wenn ich schon mal hier stehe und der Ball mir so vor die Füße rollt - dann schieß ich ihn halt rein. Gedacht, getan, 1:1 stand es nach 24 Minuten.

Der FC Bayern gestaltete die Partie anschließend überlegen, die ganz großen Chancen konnte er sich jedoch nicht herausspielen. Die Dortmunder standen gut gestaffelt und kamen in der zweiten Halbzeit ihrerseits zu Chancen. Die größte hatte Florian Kringe nach 62 Minuten: Hajnal hatte geflankt, und Kringe kam fünf Meter vor dem Tor mit dem Kopf an den Ball, den er mit Wucht ins Aus beförderte. Besser werden Chancen nicht, und auf dem Heimflug haben die Dortmunder vielleicht mit etwas Wehmut an diesen Moment gedacht. "Wir haben in einigen Situationen nicht das nötige Glück gehabt, um einen Punkt mitzunehmen", sagte Weidenfeller, was Kringes verunglückten Kopfball freundlich beschrieb.

Die Bayern antworteten, indem sie die schönste Kombination des Abends auf den Rasen zeichneten, Toni zu Ribéry, Ribéry zu Toni, und dann nahm Klose Toni den Ball vom Fuß und gab einen Schuss ab, der abgefälscht wurde (67.). In diesem Moment wirkte es noch, als sei es einer von Kloses dunklen Tagen als Fußballer, doch dann war er in der 87. und in der 90.Minute jeweils zur Stelle, mit dem rechten Fuß bugsierte er den Ball zweimal über die Linie. Danach schaute Klose so grimmig wie ein Westernheld, der sich an den Schurken gerächt hat.

Bayern-Manager Uli Hoeneß fasste die Begegnung prägnant zusammen: "Wir hatten 100.000 Torchancen und haben keine reingemacht. Wenn wir das Spiel nicht gewonnen hätten, hätte sich die Konkurrenz kaputtgelacht", sagte er. So aber war es ein Spieltag, an dem alle Mannschaften aus der oberen Tabellenregion für den FC Bayern gespielt haben und Jürgen Klinsmann angriffslustig sagen konnte: "Wir wollen jetzt so schnell wie möglich oben an Hoffenheim vorbei. Oder wem auch immer."

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(SZ vom 09.02.2009/mikö)