Die Wirtschaftskrise wird dazu führen, dass sich der Abstand zwischen der Bundesliga und anderen Fußball-Ligen verringert. Denn die Krise belegt die Vorzüge des deutschen Systems.
War der Kampf um die Meisterschaft oder gegen den Abstieg je so begeisternd wie diesmal? Spannung noch dann, als die Titel in nahezu allen anderen Top-Ligen längst vergeben waren. Die Fans sorgen für volle Stadien, Einschaltquoten lassen die Sender frohlocken, die Übertragungsrechte wurden neu vergeben und bescherten der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) Rekordeinnahmen.
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Oliver Bierhoff glaubt, dass Fußball-Deutschland in der Krise gegenüber anderen Ländern aufholt. (© Foto: Getty)
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In Zeiten, in denen Unternehmen nur dank staatlicher Hilfen überleben, erhielten die 36 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga die an strenge Kriterien geknüpften Lizenzen für die nächste Saison. Sieht so eine Krise aus? Oder, anders gefragt: Trifft die vermutlich größte wirtschaftliche Krise seit den dreißiger Jahren den Fußball, speziell den deutschen, nicht?
Es ist ein Verdienst der DFL, sozusagen als Regulierungsinstanz des deutschen Fußballs ein spekulatives Verhalten verhindert zu haben. Neben früheren Geschäftszahlen zieht sie auch vertraglich fixierte Einnahmen und Ausgaben der nächsten Saison als Kriterium bei der Lizenzvergabe heran. Bei hoher Verschuldung werden Auflagen erteilt; so baut sie Sanierungs-Druck auf. Dies half, von Mitte 2006 bis Mitte 2008 die Verschuldung der Bundesligisten von insgesamt 570 Millionen Euro um 100 Millionen Euro zu senken. In den vergangenen Jahren mögen diese Beschränkungen als Nachteil in den europäischen Wettbewerben ausgelegt worden sein.
Der Blick ins Ausland, besonders auf die gerne als das Maß aller Dinge geltenden Ligen in England, Spanien und Italien zeigt, wie es heute auch in Deutschland ohne die ordnende Hand der DFL aussehen könnte. Die Schuldenlast der englischen Premiere League liegt inzwischen bei 3,8 Milliarden Euro - Tendenz: steigend. Das ist mehr als die Summe der Zuschauereinnahmen, die alle deutschen Erstligisten in den vergangenen zehn Jahren (!) zusammen verbuchen konnten. Ja, Kredite verschaffen kurzfristig Spielraum, die Zinsen beschneiden aber auf lange Sicht die Handlungsfreiheit.
Ein erheblicher Teil des Wachstums anderer Ligen basiert auf Eigenkapital, das großzügige "Förderer" gegeben haben. Darauf fallen zwar keine Zinsen an - der Investor aber kann sein Geld jederzeit abziehen. Zuletzt forderte Björgolfur Gudmundsson, Besitzer von West Ham United und Hauptaktionär der in Schieflage geratenen isländischen "Landsbanki", die Verkleinerung des Kaders um zehn Spieler.
Ob Roman Abramowitsch, der FC-Chelsea-Mäzen und Öl-Milliardär, weitere Millionen in Spieler investiert, ist ungewiss, genauso wie die Zukunft spanischer oder italienischer Teams, die im Besitz von Familien-Dynastien (AC Mailand: Berlusconi, Juventus Turin: Agnelli, AS Rom: Sensi) sind. Der FC Valencia hat derzeit einen Schuldenberg in Höhe von 450 Millionen Euro aufgetürmt. Dennoch darf er nächstes Jahr in der spanischen Premiera Division mitspielen. Real Madrid will trotz geschätzter Verbindlichkeiten in Höhe von 400 Millionen Euro nächste Saison weitere 250 Millionen Euro investieren. Allesamt also eher fragwürdige Vorbilder.
Die positive wirtschaftliche Entwicklung hierzulande bedeutet jedoch nicht, dass der deutsche Fußball gegen die Krise immun ist. Der finanzielle Erfolg des professionellen Fußballs ruht hier auf drei Säulen, die vorwiegend von Geschäftskunden geprägt sind: TV-Vermarktung (575 Millionen Euro), Sponsoring (487 Millionen) und Einnahmen am Spieltag in den Stadien (408 Millionen). Merchandising und Transfer-Erlöse spielen mit 250 Millionen Euro eine untergeordnete Rolle.
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