Die Serien des FC Bayern und von Borussia Dortmund, auf Schalke und in Wolfsburg offenbaren mal wieder die seltsame Macht der Psyche im Fußball.
Aus seiner Winterresidenz in Naples/Florida teilte der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp soeben mit, sein Vertrauen zum Trainer sei uneingeschränkt - "auch wenn die Mannschaft keinen guten Lauf hat". Bingo, da war es wieder, jenes mythenumrankte L-Wort, das im Fußballgewerbe inflationär verwendet wird: Man hat einen Lauf. Oder keinen. Gebildete Trainer gebrauchen auch gerne die englische Entsprechung: den flow, von Psychologen als Schaffensrausch übersetzt. Der niederrheinische Poet Berti Vogts schuf einst die Metapher einer "Wolke", auf die man bei großen Turnieren im ersten Spiel hüpfen müsse. Damit sie einen - juhuu! - bis ins Finale trage.
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Am Samstag endete die Strähne von Magier Magath bei Schalke 04. (© Foto: AP)
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Lauf, Flow, Wolke - gemeint ist dasselbe: eine Erfolgsserie, die maßgeblich durch eigendynamische Prozesse entsteht und von Siegen mit Symbolkraft initiiert wird. Ergebnisse und mentale Haltung, jeder weiß das, schaukeln einander wechselseitig hoch, in schlechten Zeiten: zur Pleitenkette. Während Aufstellungen, Systeme und tausend andere Dinge analysiert werden, passiert im modernen, von hoher Leistungsdichte geprägten Fußball das Entscheidende oft in den (schwer erforschbaren) geistigen Sphären. "Laufen ist für Tiere, Fußball ist mit Hirn", weiß der Amsterdamer Branchenphilosoph Louis van Gaal. Allein der Kopf gewinnt/verliert viele Spiele.
Der FC Bayern, im Herbst nur knapp einer Kriseneskalation entkommen, erniedrigt nun vor Selbstsicherheit strotzend alle Gegner - seit dem Erweckungserlebnis von Turin. Dortmund tänzelt mit einer beflügelten Jugendelf von Sieg zu Sieg zu Sieg. Das gegenteilige Phänomen - ein Negativlauf oder Anti-Flow - ist in Bremen zu besichtigen: Vier Niederlagen am Stück belasten das Betriebsklima, während Werder in der Vorrunde noch Serientäter im positiven Sinne war: 23 Mal unbesiegt.
Sicher, Kaderqualität, Verletzungen und Taktik sind zentrale Faktoren. Aber eben auch: die seltsame Macht der Psyche."Wer hinten steht, hat das Pech der Glücklosen", räsonierte mal der Trainer Helmut Schulte. Vulgo: "Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!" (A. Brehme). Laufbeispiele aus der Vorsaison: Hoffenheim? Erst im siebten Himmel, dann vom Pech verfolgt. Wolfsburg? Im Winter nur Neunter, dann zum Titel geeilt, dank Magier Felix Magath. Der exportierte anschließend seinen eigenen Lauf nach Schalke, er hätte zuletzt auch den fünfjährigen Enkel des Busfahrers aufstellen können - der hätte gewiss das 1:0 erzielt. Am Samstag endete Magaths Strähne, durch ein Gegentor in der 91. Minute. Die Folgen bleiben abzuwarten.
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keine Anglizismen bitte! Man kann auch sagen:
Der Trainer gibt den Ausschlag.
Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der Trainer macht den Unterschied.