Von Johannes Aumüller

Kurz vor Schluss rettet ein Tor von Lukas Podolski dem FC Bayern ein 1:1 in Nürnberg. Dass die Münchner sogar um das Remis zittern mussten, lag auch an einer Personalentscheidung von Trainer Hitzfeld.

Vielleicht will Ottmar Hitzfeld nur für ein bisschen Spannung sorgen, für ein bisschen Diskussionsstoff unter den Fans und den Journalisten. Es wäre ja auch zu langweilig, wenn die Bayern mit ihrer jeweils stärksten Mannschaft jeden Gegner dominieren und souverän an der Spitze davon marschieren würden.

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Hitzfelds Experiment mit Philipp Lahm auf der rechten Mittelfeldseite ging nicht gut. (© Foto: ddp)

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Und so denkt sich Hitzfeld: Fußball ist nicht nur Mathematik, wie er mit seiner Rotation in den vergangenen Wochen und Monaten bewies und damit den Ausspruch seines Vereinsbosses Karl-Heinz Rummenigge widerlegte. Fußball ist dazu auch noch Physik. Ein paar Experimente müssen her.

Für das Spiel gegen Nürnberg bedeutete das: Für den verletzten rechten Mittelfeldspieler Hamit Altintop spielte weder Schweinsteiger noch Sosa noch ein anderer Offensivakteur wie Podolski oder Kroos, sondern - Philipp Lahm, Stammkraft in der Außenverteidigung. Eine nicht nur auf den ersten Blick merkwürdige Entscheidung, die sich aber einfügt in eine Reihe von anderen nicht unbedingt nachvollziehbaren Personalentscheidungen des Bayern-Trainers.

Beim Uefa-Pokal-Achtelfinal-Rückspiel gegen Anderlecht rotierte er so radikal, dass eine auf neun Positionen umgestellte Mannschaft kaum harmonierte und mit 1:2 unterlag. Das war vom Ergebnis her nicht weiter schlimm, weil der FCB das Hinspiel ja deutlich gewonnen hatte - die zahlenden Zuschauer ärgerte es trotzdem.

Dann wagte Hitzfeld vor zwei Wochen gegen Cottbus ein Experiment im defensiven Mittelfeld. Weil van Bommel gesperrt war, Ottl sich nur auf der Bank wiederfand und Demichelis vom Trainer wegen einer Nichtigkeit suspendiert wurde, agierten im Bereich vor der Abwehr Zé Roberto und Schweinsteiger. Eine Fehlbesetzung, denn an der Seite eines rustikalen Typen wie van Bommel oder Demichelis können die eher spielerischen Typen Zé Roberto oder Schweinsteiger dort spielen; agieren sie aber gemeinsam, fehlt im defensiven Mittelfeld die Zweikampfstärke.

Und nun also die Entscheidung, Philipp Lahm auf der rechten Mittelfeldseite zu nominieren. Man habe "damit mehr offensive Möglichkeiten", begründete Hitzfeld vor dem Anpfiff diese Entscheidung etwas seltsam - schließlich besetzten die rechte Seite so mit Lahm und Christian Lell zwei nominelle Abwehrspieler.

Schon bald mussten die Bayern auch erkennen: Die Hitzfeld'sche Taktik ging nicht auf. Von der rechten Seite aus entstanden keine gefährlichen Momente, weder Lahm noch Lell kamen zu nennenswerten Offensivaktionen. Die beiden gefährlichen Momente unmittelbar zu Beginn der Partie gingen von links aus, wo Ribéry insgesamt gesehen aber auch eher blass blieb.

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