Fußball-Bundesliga Folie für die Zukunft

Im Spiel gegen Hoffenheim haben nicht nur die Bayern gesehen, wie sie gerne Fußball spielen würden. Auch der Rest der Liga sollte sich am Aufsteiger ein Beispiel nehmen.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Zum Anfang ein Experiment: Man stelle sich die Saison jetzt ohne die TSG 1899 Hoffenheim vor. Einfach rausrechnen diese Mannschaft aus der Tabelle, und im Kopf die Bilder ihrer nun schon 41 Tore tilgen. Was bliebe dann von dieser Spielzeit?

In erster Linie Frust und Hader?

Man muss ein wenig dankbar sein für den scharfen Kontrast, der an diesem 16. Spieltag vom Freitag auf Samstag sichtbar wurde. Zunächst dieses 2:1, in dem zwei Mannschaften an ihre Grenzen gingen, und das Modellcharakter haben könnte für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Bundesliga sich einmal zusammensetzen würde, um gemeinsam ihre Zukunft in Europa zu besprechen. Sowohl die Bayern (Modell: deutsche Tugend, kämpferisch) wie auch die Hoffenheimer (Modell: FC Arsenal, filigran) präsentierten ihre Spielidee mit Leidenschaft und Lust.

Tags darauf sah die Liga in ihren Spiegel und bekam noch einmal vorgeführt, was alles falsch lief in der Hinrunde. Hertha, der Dritte, und Schalke, der ewige Möchtegern-Meister, lieferten sich ein Duell, in dem sich Sorgen und Nöte konzentrierten. Wer dieses Spiel sah, kann den Aufstieg der Hertha nicht im Ansatz erklären, sie schoss nicht einmal aufs Tor, bis erst nach 71 Minuten der Problemstürmer Pantelic aufs Feld durfte.

Während Hertha die Pantelic-Pädagogik plagt, plagt Schalke die Pädagogik des gesamten Vereins. Bremen hingegen beschäftigt nur die Erziehung einer kompletten Mannschaft, die mit dem 0:1 in Karlsruhe, einem schlagenden Pizarro und einem würgenden Diego einen weiteren Höhepunkt des Fehlstarts erlebte. Exemplarisch stehen diese beiden Klubs, Schalker wie Bremer, mit ihrem Leiden im Europapokal und ihren Klagen über eine verunglückte Transferpolitik für sehr, sehr viel Moll in der Hinrunde. Hinzu kommen Stuttgarter auf Orientierungssuche, Gladbacher im Stimmungsloch oder Dortmunder im Stillstand ihrer vielen Remis.

Hoffenheim mit seinem flinken Erlebnisfußball hat allen ein wenig Deckung gegeben. Es ist zunächst egal, wie lange das Erlebnis anhält, es ist erst einmal zu würdigen, dass es da ist. Schwer wird es werden, diesen attraktiven Kader - trotz des Milliardärs Hopp - gegen Begehrlichkeiten aus Großklubs zu verteidigen, deshalb sind die Momente mit Hoffenheim jetzt zu würdigen. Am Freitag haben nicht nur die Bayern die Folie einer sportlichen Zukunft gesehen, wie sie sie gerne hätten. Mehr noch: An der sich alle Bundesligisten orientieren können, wenn sie abseits ihrer deutschen Partyliga auch in Europa wieder etwas darstellen wollen.

Alle Spiele, alle Tore

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