Von Philipp Selldorf

Nur weil Schalke niemanden sonst findet, übernehmen Büskens und Mulder wieder den Trainerjob.

Mike Büskens und Youri Mulder haben sich in den vergangenen Tagen zwar viel Mühe gegeben, ihre Beförderung zum Cheftrainerduo des FC Schalke 04 zu verhindern, aber es gab kein Entrinnen, das Pflichtbewusstsein siegte. Mit Torwarttrainer Oliver Reck an der Seite werden sie bis zum Saisonende die Arbeit des vorige Woche beurlaubten Fred Rutten übernehmen.

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"Wir hatten nicht so viel Bock": Youri Mulder (links) und Mike Büskens springen trotzdem als Übergangslösung bei Schalke ein. (© Foto: dpa)

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Damit erfüllt sich eine Situation, die zunächst keiner wollte: Schalkes Klubführung hatte die Suche nach einem Interimstrainer ausgerufen, weil Büskens und Mulder aus Loyalität das Erbe ihres ehemaligen Chefs Rutten ablehnten. Mulder hatte das am Wochenende so formuliert: "Wir hatten nicht so viel Bock." Zumal da er den Eindruck hatte: "Die wollten nicht so ganz, dass wir weitermachen, und wir wollten es auch nicht."

Schalkes Not-Management nahm deswegen eine Fährte nach Kroatien auf, um den dortigen Nationaltrainer Slaven Bilic für das Kommando zu gewinnen. Die Sache wurde aber wieder mal vorzeitig publik und ist möglicherweise eben daran gescheitert. Weitere Stationen auf der Suche nach einem Zeitarbeiter für den Cheftrainerposten sind nicht bekannt geworden.

Büskens, 41, und Mulder, 40, haben zwölf bzw. neun Jahre für Schalke gespielt und 1997 den Uefa-Cup gewonnen. Sie sind altgediente Publikumslieblinge, und ihre Beziehung zu Schalke enthält irrationale Momente, auf die der Klub in der Trainerfrage zählen durfte.

"Mit jedem Tag, an dem keine Entscheidung fällt, wird die Situation für den Verein nicht einfacher", erläuterte Büskens am Mittwoch, warum er sich nun doch bereit findet, in die Verantwortung zu treten. "Wenn wir sofort ja gesagt hätten, dann hätte es die Überlegung, sich nach einem Interimstrainer umzusehen, nicht gegeben", stellte er außerdem klar.

Tatsächlich hatte der Widerstand der Co-Trainer den Zeitplan für Ruttens Beurlaubung gestört. Der Aufschub der vom Publikum längst erwarteten Trennung fügte sich in das wirre Bild, das Schalke seit Wochen abgibt. Büskens, 1992 nach Gelsenkirchen gekommen, stellte zu Wochenbeginn einen Rekord fest: "Meinem Langzeitgedächtnis würde ich zwar nicht immer trauen. Aber eine solche Situation habe ich hier noch nicht erlebt." Mulder beklagte sich offen über den Mangel an Überblick und Professionalität im Verein.

Dennoch übernehmen nun beide wieder das Sagen auf dem Trainingsplatz. In der Vorsaison, als sie vorübergehend Mirko Slomkas Arbeit weiterführten, sammelten sie 16 von 18 möglichen Punkten. Bei ihrer Premiere am Freitag in Bielefeld werden sie auch wieder den zu Ruttens Zeiten beleidigt an den Rand gerückten Abwehrchef Marcelo Bordon einsetzen können. Der erklärte, er habe "komischerweise wieder ganz viel Lust, Fußball zu spielen".

Allerdings wird diese Phase womöglich nicht mehr lange währen: Bordon erwägt, den Klub im Sommer trotz des bis 2011 laufenden Vertrages zu verlassen. "Ich habe derzeit nicht das Gefühl, im nächsten Jahr noch Spieler auf Schalke zu sein", sagte er und begründete das mit den anstehenden Umbauten im Team. "Wenn ich dabei zu einem Problem werden sollte, muss ich eben auch weg."

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(SZ vom 02.04.2009/cpah)