Bundesliga FC Bayern beendet seine Spezialdiät

Traf auch sehr ansehnlich: James Rodríguez vom FC Bayern.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern gewinnt zum Rückrundenstart 3:1 in Leverkusen.
  • Die Tore erzielen Martínez, Ribéry sowie kurz vor Schluss James, Volland schafft für Leverkusen nur den zwischenzeitlichen Anschluss.
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Von Ulrich Hartmann, Leverkusen

Aus dem Ehrengastbereich von Bayer Leverkusen war vor dem Anpfiff doch tatsächlich Blasmusik zu hören gewesen. Dabei war man im Rheinland zum Rückrundenauftakt eigentlich gewillt, den Gästen aus München Unannehmlichkeiten zu bereiten - aber halt eher fußballerisch. Die Bundesliga hatte sich für diesen Abend ein Signal des Widerstands erhofft, schließlich kämpfen ja alle gegen den übermächtigen FC Bayern. Es ist ein bisschen wie beim Weltraum-Epos "Star Wars", dessen Filmmusik sie beim Einmarsch der Helden spielten.

Gut und Böse sind beim Fußball aber Ansichtssache, und so wird die Kundschaft unterschiedlich bewerten, dass die Münchner mit ihrem 3:1 (1:0)-Sieg den Verfolger Leverkusen auf 16 Punkte distanzierten. "Erstes Ziel ist die Meisterschaft", sagt der bekanntermaßen zurückhaltende Trainer Jupp Heynckes, woraus deutlich wird, dass er noch größere Ambitionen bereits im Hinterkopf trägt.

Erstes Bayern-Tor in Leverkusen seit Toni Kroos

"Die Mannschaft hat über weite Strecken taktisch und von der Defensive her sehr gut gespielt. Nach dem 2:0 haben wir ein bisschen die Konzentration verloren und unnötige Ballverluste gehabt. Es ist aber einfach schwer, hier zu gewinnen." Für den FC Bayern war diese Partie ausnahmsweise auch mal ein Spiel gegen die Statistik.

Um 21.03 Uhr hatten die Bayern endlich eine Spezialdiät beendet. Durch den Treffer von Javi Martínez zum 1:0 in der 32. Minute hat man erstmals seit dem 5. Oktober 2013 wieder ein Bundesliga-Tor in Leverkusen erzielt. Seit einem Treffer von Toni Kroos damals war München vier Jahre und drei Monate torlos in Leverkusen gewesen, in Netto-Fußballminuten waren das 362, also sechs Stunden und zwei Minuten. Der vormals letzte Bundesligasieg der Bayern in Leverkusen war sogar fast fünf Jahre her.

"Endlich geht's wieder los", hatten die Bayern vor dem Spiel getwittert, dabei war diese Winterpause mit 27 Tagen doch eine der kürzesten in der Bundesliga-Historie. Als designierter Meister mit einem Mordsvorsprung aber kann man's halt nicht erwarten. Wie Rennpferde aus der Startbox waren die Bayern aufs Feld gekommen. Die Leverkusener mit ihren zuvor 14 Pflichtspielen ohne Niederlage wären zum Rückrundenauftakt eigentlich der geeignete Kontrahent gewesen, um der Liga ein Zeichen der Hoffnung zu geben, aber darauf musste die Branche verzichten.

"Für den Auftritt brauchen wir uns nicht zu schämen", sagte Bayer-Trainer Heiko Herrlich. "Wir haben versucht zu attackieren, verteidigen vor dem 0:1 aber nicht gut. Dann kriegen wir mit einem Konter das 0:2 - und doch hätten wir danach noch den Ausgleich schaffen können. Bayern war abgeklärter, der Sieg geht in Ordnung. Heute wäre trotzdem was möglich gewesen." Er klang fast wie nach dem Hinspiel, das die Rheinländer ebenfalls 1:3 verloren hatten - aber nicht, ohne die noch von Carlo Ancelotti trainierten Münchner nach der Pause pausenlos in Verlegenheit zu bringen.

Der FC Bayern hatte vor dem Rückspiel zugegebenermaßen viel getan, um sich gegen seine miserable Auswärtsstatistik in Leverkusen zu wappnen. Den vormals letzten Trainer, unter dem man ein Bundesligaspiel in Leverkusen gewonnen hatte - Heynckes -, hat man zurückgeholt. Und in Sandro Wagner verpflichtete man einen Stürmer, der häufiger als jeder andere Spieler im aktuellen Kader gegen Leverkusen getroffen hat. Zwei Mal für Hoffenheim und je ein Mal für Darmstadt und Hertha BSC.

Sein Bayern-Comeback verbrachte er dann freilich bis zu seiner Einwechslung in der 79. Minute am Spielfeldrand und schoss dann auch kein Tor. Ohne Hummels (Adduktoren) und Lewandowski (Knieprobleme) waren die Münchner ins Rheinland gereist. In der Innenverteidigung spielte Jérôme Boateng an der Seite von Niklas Süle, in der Spitze positionierte sich anfangs Thomas Müller inmitten der Flügelzange aus Arjen Robben und Franck Ribéry. Die Münchner setzten auf Routine.

Bei den viel jüngeren Leverkusenern fiel zu Beginn eine riskant offensive Personalauswahl auf, oder sollte man sogar sagen: waghalsig? Außer vier Leuten in der Abwehr war eigentlich bloß noch Dominik Kohr ein bisschen defensiv zu nennen. Die anderen fünf - Kai Havertz, Julian Brandt, Karim Bellarabi, Leon Bailey und Kevin Volland - waren allesamt offensive Spezialisten.

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